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Schädliche Werbung?
Horbs-City-Manager Thomas Kreidler (von links im Gespräch mit Martina Kober, Vorsitzende der Frauenhilfe Freudenstadt), Sabine Constabel, Vorsitzende von „Sisters – für den Ausstieg aus der Prostitution“ sowie Viviana Weschenmoser unterhielten sich am Samstag über ein brisantes Thema. Bild: Kuball
Horb schwätzt aktiv

Schädliche Werbung?

Citymanager Thomas Kreidler arbeitete bei einem Gesprächsangebot die „Freier Parken“-Kampagne mit Aktivistinnen auf.

04.09.2017
  • Alexandra Feinler

Ich find des absoluter Blödsinn“, ärgerte sich ein Bürger am Samstagmorgen über die Diskussion zum kritisierten Plakat „Freier Parken“ in Horb. Eine sachliche Diskussion kam auf, genauso wie es sich „Horb Aktiv“ bei der Runde „Horb schwätzt“ am Unteren Markt gewünscht hatte.

Um den Hintergrund der Aufregung zu verstehen und das Thema Prostitution näher zu beleuchten, hatte City-Manager Thomas Kreidler Sabine Constabel, Vorsitzende von „Sisters – für den Ausstieg aus der Prostitution“, eingeladen. Anfangs war die Besucherzahl eher verhalten. Eine Altheimerin, die anonym bleiben möchte, fragte nach. „Das Thema bewegt mich schon lange, weil ich einen bekannten Frauenarzt habe, der ehemalige Prostituierte behandelt. Er berichtet immer wieder, wie diese Frauen körperlich versehrt sind. Wie ist so etwas in Deutschland möglich, in Stuttgart, nicht weit weg von uns?“, will die Bürgerin wissen. Sabine Constabel erklärt, dass Prostitution in Deutschland so einfach möglich sei, wie sonst in nur wenigen Ländern. Vor allem junge Frauen aus ärmlichen Verhältnissen in Osteuropa würden in die Prostitution gezwungen werden und dann nach Deutschland kommen. In Horb habe sie aktuell keine Rückmeldung von solchen Fällen. Umso wichtiger sei es, dort die Augen aufzuhalten.Die Diskussion um die Park-Werbung mit dem Slogan „Freier Parken“ in roten Lettern und der Frau in roten Stöckelschuhen sei einigen gleich negativ aufgefallen. „Wie kommt man denn auf so eine Idee?“, fragte Martina Kober, Vorsitzende der Frauenhilfe Freudenstadt, bei City-Manager Thomas Kreidler nach. Dieser erklärt, dass bei „Freier Parken“ überhaupt keine Assoziation zur Prostitution bestanden hätte.

„Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich diesen Spruch mit freiem Parken in Verbindung gebracht habe. Für mich war gleich klar, das hat was mit Prostitution zu tun“, merkte Sabine Constabel an. Sie lobte jedoch den Umgang, dass die Plakate gleich abgehängt und nun eine Plattform zur Information geboten werde. Dieser Umgang sei dringend notwendig, werde Prostitution durch geschickte Vermarktung immer stärker verharmlost, sagte Sabine Constabel. Zuhälter würden als Manager deklariert, Bordelle als Wellnessoasen mit gewissem Service – „Der Gewaltgehalt dahinter wird einfach ausgemerzt“, erklärte die Vorsitzende. Zu 90 Prozent würden die Frauen aus ärmlichen Verhältnissen kommen, in die Prostitution hineingezwungen und immer wieder misshandelt werden. Oft werden bereits über so genannte Loverboys, junge Männer, Mädchen oder junge Frauen angeworben. Aus Liebe zu ihrem „Loverboy“ schlittern sie in die Prostitution hinein, wo Misshandlungen an der Tagesordnung seien. Daher sensibilisierte Sabine Constabel mit Flyern unter dem Motto „Dein Spaß ist mein Horrortripp“ oder „Du kommst, ich verkomme“. „Ich finde diese Aussagen sehr zutreffend“, merkte die Altheimerin an.

Die Verbindung zum Werbeslogan „Freier Parken“ wurde noch weiter diskutiert, wobei so mancher männliche Standbesucher das Thema als lächerlich abstreifen wollte.

Martina Kober schob energisch hinterher: „Ich finde das ganz und gar nicht überspitzt. So eine Werbekampagne ist frauenverachtend. Die Plakate abzuhängen war genau die richtige Art zu reagieren.“ Und auch die restlichen Standbesucherinnen lobten das Handeln auf die Reaktionen von „Horb Aktiv“, ebenso wie die Austauschmöglichkeit bei „Horb schwätzt“ mit Sabine Constabel.

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04.09.2017, 01:00 Uhr

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