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Schon immer sozial eingestellt
Lorena Müllner tritt am 24. September im Wahlkreis 280 für Die Linke an. Bild: Kuball
Kandidatenporträts

Schon immer sozial eingestellt

Sie ist jung, sie ist sympathisch und sie hat Ideale: Lorena Müllner tritt bei der Bundestagswahl für Die Linke an.

14.09.2017
  • Rita Ott

Es ist ein kühler Morgen, die 19-Jährige aus Altensteig will dennoch gern auf ein Bänkle am Neckar sitzen. Hier war sie schon öfter, geht gern auf den Wegen am Fluss spazieren, das ehemalige Gartenschau-Gelände in Horb findet sie schön. Sonnenstrahlen wärmen schon bald das Plätzchen und die Unterhaltung mit der jungen, eher zurückhaltenden Bundestagskandidatin entwickelt sich zum lockeren Gespräch über alle möglichen Themen. Vor allem aber geht es um das, was Lorena Müllner wichtig ist: Wohnungsnot, Asylpolitik, soziale Gerechtigkeit.

Warum Die Linke? „Ich war schon immer sozial eingestellt. Und mich hat schon immer das Elend der Welt bewegt.“ Sie sah sich immer als klare Antifaschistin. Ende August 2015, als die Flüchtlingswelle ihren Höhepunkt erreichte, „dachte ich, jetzt reicht‘s, jetzt tu ich was“. Für die Asylbewerber, gegen die rechte Hetze. Toleranz, Menschlichkeit und der soziale Aspekt – „ich hatte den Eindruck, Die Linke verkörpert am ehesten das, was für mich wichtig ist.“ Lorena Müllner trat 2016 in die Partei ein, gründete die Linksjugend im Kreis Calw, wurde Pressesprecherin und war bei Infoständen aktiv. Im November wurde sie als Bundestagskandidatin nominiert. „Das hat sich angebahnt, weil ich im Wahlkreis für die Landtagswahl viel getan hatte.“ Als sie im Oktober gefragt wurde, ob sie sich die Kandidatur vorstellen könne, „habe ich ja gesagt“. Einen Listenplatz hat sie keinen, die Chancen, in den Bundestag einzuziehen, stuft sie als „eher gering“ ein. „Wenn Die Linke hier ein Direktmandat holt, wäre ich drin – aber das wäre schon eine kleine Sensation“, weiß Lorena Müllner und fügt schmunzelnd hinzu: „So würde der Wahlkreis mal richtig berühmt werden.“

Lorena Müllner hat im vergangenen Jahr ihr Abitur gemacht, danach ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), neun Monate davon im Paul-Lechler-Krankenhaus in Tübingen in der Pflege, drei Monate in einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche in Kornwestheim. Jetzt wartet sie auf die Zusage für einen Studienplatz. Sie möchte Pädagogik oder Soziale Arbeit studieren, am liebsten in Tübingen, doch wegen der teuren Mieten wird das wohl nichts werden.

Womit Lorena Müllner bei einem ihrer Schwerpunkt-Themen ist: der Wohnungsnot. Dabei geht es ihr weniger um sie selbst, vielmehr um all die Familien, die Alleinerziehenden, die HarzIV-Empfänger, ältere Menschen, die sich die teuren Mieten nicht leisten können. „Die Bundesregierung hat es viele Jahre lang versäumt, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren“, kritisiert die 19-Jährige. Das muss ihrer Meinung nach so schnell wie möglich nachgeholt werden, denn: „Wohnraum muss bezahlbar sein, auch für die sozial Schwachen.“

Es werde immer groß verkündet, es gebe „nur“ noch drei Millionen Arbeitslose. „Aber viele können von dem, was sie verdienen, nicht leben, müssen teils drei Minijobs machen und die dann noch mit HarzIV aufstocken.“ Der Rückgang der Arbeitslosigkeit, das sehe gut aus in der Statistik, „aber die Realität sieht anders aus“. Ein Manager verdiene Hundertausende, Millionen im Jahr, und „einer Krankenschwester beispielsweise reicht das Einkommen nicht zum Leben“ – da ist für Müllner einiges in Schieflage. Deshalb: „Eine Umverteilung von oben nach unten“. Und eine Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro. Hinter diesen Forderungen der Linken steht die Kandidatin voll und ganz.

Wobei es durchaus auch Dinge im Wahlprogramm gibt, bei denen sie mit ihrer Partei nicht ganz auf einer Linie ist. Klima- und Umweltpolitik etwa, ein Thema, das der jungen Frau am Herzen liegt. Sie fordert den EU-weiten Ausstieg aus der Atomkraft, aber auch den Ausstieg aus dem Braunkohleabbau. „Wir müssen ganz schnell raus aus der umweltschädlichen Energiegewinnung“. Wind- und Wasserkraft müssten noch mehr gefördert und umgesetzt werden, auch Erdgas sieht Müllner als Alternative.

Engagiert setzt sie sich auch gegen Massentierhaltung ein, setzt das Thema in globalen Zusammenhang: „Vielen Leuten ist nicht klar, was wir damit anrichten“, sagt sie. „Die Tiere leben unter krassen Bedingungen, Regenwälder werden abgeholzt, um Soja anzubauen, wir verkaufen Hühnerbeine nach Afrika und machen dort die Wirtschaft kaputt, weil diese billiger sind als die heimischen Produkte. So sorgt man dann auch wieder für mehr Flüchtlinge.“ Den Fehler sieht Müllner im Freihandelsabkommen: „Das ist verantwortlich dafür, dass es den Menschen in Afrika immer schlechter geht.“

Die Linke-Kandidatin kommt aber schnell wieder zurück zu den Themen, die die Menschen hier beschäftigen. Der Fachkräftemangel etwa. Ein Ansatz wäre für die angehende Studentin, dass der Notendurchschnitt nicht das Non-plus-Ultra sei, „es müssten andere Anforderungen an die Studierenden gestellt werde, als der Abi-Schnitt“. Selbst in Pflegeberufen zähle ein guter Notendurchschnitt mehr als die Fähigkeiten, als der Wille, Menschen zu helfen. Das ist dann schon ihr nächstes Anliegen: mehr Pflegekräfte. Und das funktioniert ihrer Meinung nur, wenn es mehr Ausbildungsplätze, mehr Pflegeschulen gibt – und wenn die in der Pflege Tätigen besser bezahlt werden.

Leiharbeit, Kinder- und Altersarmut, auch das sind Themen, die die junge Frau bewegen. Deshalb steht sie hinter den Forderungen der Linken: Mindestlohn erhöhen, gerechter Lohn für Arbeitnehmer, eine solidarische Mindestrente, „damit die Leute davon leben können und alte Leute nicht Mülleimer durchwühlen und Flaschen sammeln müssen – ich könnte heulen, wenn ich das sehe.“

Dann die Asylpolitik. „Es ist wichtig, dass wir anfangen, die Flüchtlinge vom ersten Tag an zu integrieren, dass wir mehr professionelle Deutschkurse anbieten, uns mit jedem Einzelnen beschäftigen, um ihm unsere Kultur und unser Grundgesetz nahezubringen.“ Und es müssten Hilfestellungen angeboten werden.

Die Ursache dafür, dass es Die Linke in Baden-Württemberg nicht in den Landtag geschafft hat, sieht sie darin, „dass hier nicht so viele Menschen in prekären Situationen leben wie im Osten“. Doch als der Parteivorsitzende Bernd Riexinger vor ein paar Wochen in Freudenstadt war, seien viele Leute an den Themen interessiert gewesen. Für Lorena Müllner ein Zeichen, dass die Partei auch in den westlichen Bundesländern immer mehr akzeptiert wird. „Nur mit einer starken Linken im Bundestag können wir unsere Themen umsetzen“, weiß die 19-Jährige. Und betont: „Je stärker Die Linke ist, desto sozialer ist das Land.“ Auch in der Opposition sei viel zu bewegen, und ein zweistelliges Ergebnis bei der Wahl sei zu erreichen. „Immerhin ist Die Linke jetzt schon die drittstärkste Kraft im Bundestag.“

Zwölf Fragen an Lorena Müllner

Welches Buch liegt auf Ihrem
Nachttisch?

„Eichmann war von empörender Dummheit“, eine Briefsammlung von Hannah Arendt.

Wer ist Ihr politisches Vorbild?

Rosa Luxemburg.

Wie finden Sie ihr Wahlplakat?

Schön.

Welches ist Ihr Lieblingsplatz im Wahlkreis?

Die Gartenschaugelände in Nagold und Horb.

Wobei entspannen Sie am besten?

Beim Lesen und Puzzeln.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Pfannkuchen.

Was würden Sie sich für das Land, was für sich persönlich wünschen?

Dass es gerechter zugeht. Und für mich: Ich würde gern mal einen Pinguin streicheln.

Haben Sie ein „Laster“?

Schokolade essen.

Und was gefällt Ihnen an sich
besonders?

Dass ich empathisch bin. Einfühlsam.

In welcher Epoche würden Sie gern einen Tag verbringen?

In den 1960er und 70er-Jahren. Ich hätte gern die Flower-Power-Revolution miterlebt.

Welche CD steckt in Ihrem Player?

„Antilopen Gang“. Das ist meine absolute Lieblingsband. Sie war letztes Jahr auch beim Mini-Rock-Festival in Horb.

Welcher Film hat Sie am meisten
bewegt?

Der neuere Hannah-Arendt-Film.

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14.09.2017, 01:00 Uhr

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