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Skulpturen von Karl-Henning Seemann und Bilder von Norbert Stockhus vor dem und im Backsteinbau
Kunst mal zwei: Die Skulptur „Zwei Raufende mit einem Brett vor dem Kopf“ von Karl-Henning Seemann steht vor der Sulzer Stadtansicht von Norbert Stockhus. Das Foyer des Backsteinbaus verwandelt sich bei der Ausstellung der Künstler erstmals in einen Kunstraum. Am Sonntag, 30. September, um 11 Uhr wird die Schau eröffnet.Bilder: Karl-Heinz Kuball
Kunst erobert den öffentlichen Raum

Skulpturen von Karl-Henning Seemann und Bilder von Norbert Stockhus vor dem und im Backsteinbau

Premiere im Backsteinbau: Nach zwei Jahren in Betrieb wird im Foyer am Sonntag, 30. September, erstmals eine Ausstellung eröffnet. Zu sehen sind bis 6. Januar Bronzeplastiken von Karl-Henning Seemann und Acrylgemälde von Norbert Stockhus.

28.09.2012
  • von Cristina Priotto

Sulz. Eine Frau mit Einkaufstasche oder ein dicker Mann vor dem Backsteinbau – eigentlich sind solche Gestalten hier nichts Außergewöhnliches. Dennoch ziehen sie die Blicke der Passanten wie magisch auf sich. Bei diesen Typen handelt es sich allerdings auch nicht um Wesen aus Fleisch und Blut, sondern um Bronzeskulpturen von Karl-Henning Seemann. Am Donnerstag haben Mitarbeiter des Bauhofs acht solcher überlebensgroßer Figuren auf dem Vorplatz des Backsteinbaus aufgebaut – und Vorbeigehende und -fahrende prompt zu neugierigen Fragen und Gesprächen veranlasst. Reisende werden, kaum haben sie die triste Bahnhofsunterführung passiert, auf dem Platz davor optisch von einer zweigeteilten Tauziehergruppe entschädigt. Keine Frage: Kunst hat sich jetzt auch geballt mitten in Sulz im öffentlichen Raum ihren Platz erobert.

Die seit gestern in Sulz aufgestellten Bronzefiguren waren bis zum vergangenen Wochenende bei der „Skulpturen.SCHAU“ in Weikersheim zu sehen. Ansonsten stehen sie von Baden-Württemberg bis Schleswig-Holstein durch ganz Deutschland verteilt, nicht wenige davon allerdings im Garten Seemanns in Löchgau. Karl-Henning Seemann beschreibt seine Idealwirkung für eine Plastik wie folgt: „Sie sollte von allen Seiten Neues bereithalten und auch aus der Nähe im Detail noch spannend sein“. Besucher des Backsteinbaus können sich davon und von der Eignung des Foyers als Ausstellungsraum überzeugen. Hier sind weitere, überwiegend kleinere Skulpturen Seemanns zu sehen, darüber hinaus präsentiert Norbert Stockhus dort rund 30 seiner Bilder. Dem Künstler aus Glatt verdankt die Stadt, dass im Backsteinbau knapp zwei Jahre (!) nach der Eröffnung erstmals Platz für Kunst geschaffen worden ist: „Da muss man was machen“, gab Stockhus vor einiger Zeit den Anstoß, das Sulzer Aushängeschild für Veranstaltungen für die Präsentation von Kunstwerken zu nutzen. Bei einer Einzelausstellung sollte es jedoch nicht bleiben. Deshalb stellte Norbert Stockhus den Kontakt zu Karl-Henning Seemann (Jahrgang 1934) her. Die Wege des Bildhauers aus Wismar und die des 64-jährigen Malers aus Glatt hatten sich in den 1970er-Jahren an der Kunstakademie in Stuttgart gekreuzt, wo Seemann nach dem Studium in Berlin seiner Tätigkeiten als Kunsterzieher in Mannheim und an der TH Braunschweig und an der FH Aachen unterrichtete.

„Bildhauer und Maler können immer zusammen ausstellen“, davon ist Norbert Stockhus überzeugt – und wie ein Rundgang durch das Foyer des Backsteinbaus am Donnerstag zeigte, hat der Glatter Künstler damit Recht: Durch das Aufeinandertreffen der Seemann‘schen Bronzefiguren und der für die Schau in Sulz ausgewählten Acrylbilder von Stockhus, die überwiegend Ansichten fiktiver Städte oder Inseln zeigen, entsteht ein besonderes Spannungsverhältnis: Die Skulpturen Karl-Henning Seemanns wirken per se durch ihre Plastizität in den Raum und schaffen sich so ihren Platz selbst. Dem gegenüber stehen, besser gesagt, hängen Stockhus‘ Bilder: Zwar zweidimensional auf Leinwand gemalt, scheinen insbesondere die Stadtansichten oder die drei Werke der „Glut“-Reihe („Beheizt“, „Abkühlung“ und „Erhitzt“) aus ihren Rahmen hinauszuragen. Der Betrachter hat so jeweils die Möglichkeit, die Kunst aus unterschiedlichen Positionen aufzunehmen.

Eine Ausstellung mit Skulpturen im öffentlichen Raum und Bildern im Foyer des Backsteinbaus ist für die Stadt Sulz etwas Neues, schließlich gehen dort auch viele Menschen ein und aus, die sonst nicht unbedingt Kunstbetrachter wären. Das ist durchaus beabsichtigt, schließlich wünschen sich die beteiligten Künstler und die Initiatoren, dass die Werke von möglichst vielen Menschen wahrgenommen werden. Schon beim Aufstellen am Donnerstag blieben etliche Passanten neugierig vor den (gleichnamigen) Plastiken stehen – darunter auch echte Frauen mit Einkaufstasche und dicke Männer. Wenn das Zusammenwirken von Kunst und Alltag schon vor der Eröffnung so deutlich zutage tritt, darf man auf die längerfristige Wirkung schon jetzt gespannt sein.

Info: Die Eröffnung der Ausstellung ist am Sonntag, 30. September, um 11 Uhr in der Stadthalle im Backsteinbau. Manfred Zach spricht zur Einführung. Die Ausstellung ist bis 6. Januar freitags, samstags und sonntags, jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Skulpturen von Karl-Henning Seemann und Bilder von Norbert Stockhus vor dem und im Backsteinbau
Norbert Stockhus vor seinem Bild „Ghetto“: Von dem Glatter Künstler stammt die Idee, das Foyer des Backsteinbaus für eine Ausstellung zu nutzen.

Skulpturen von Karl-Henning Seemann und Bilder von Norbert Stockhus vor dem und im Backsteinbau
Und sie bewegt sich doch: Mitarbeiter des Bauhofs leisteten gestern den ganzen Tag lang Schwerstarbeit, um vor dem Backsteinbau und auf dem Bahnhofsvorplatz zehn Großskulpturen von Karl-Henning Seemann aufzustellen – im Bild die „Dicke Gebückte“ und im Hintergrund der „Kretische Stiersprung“.

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28.09.2012, 12:00 Uhr

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