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Eva Herman beim Kopp-Verlag Rottenburg

Trittbrettfahrer der Loveparade-Katastrophe

Bei der Duisburger Loveparade haben 20 Menschen ihr Leben verloren. Das Thema beherrscht die Medien, die ihrer Aufgabe nachkommen und danach fragen, wer die Verantwortung trägt und welche Konsequenzen aus der Katastrophe zu ziehen sind.

28.07.2010
  • von Jonas Bleeser

Nicht allen geht es dabei um seriöse Berichterstattung. Viele Tote bei einer öffentlichen Veranstaltung bedeuten Auflage und Klicks im Internet. Seit dem Wochenende sind allein gegen die Bild-Zeitung und Bild.de rund 140 Beschwerden beim Presserat eingegangen. Die meisten wegen Verstoßes gegen den Presse-Codex, in dem sich die Medien verpflichten, auf unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid zu verzichten – vor allem, wenn es um Opfer-Bilder geht.

Nicht nur die Boulevardmedien schlachten das Unglück aus. Eine Trittbrettfahrerin ist die ehemalige Tagesschausprecherin Eva Herman. Nach ihrer Kündigung beim Norddeutschen Rundfunk, ist sie bereits seit Monaten auf den Internetseiten des Rottenburger Kopp-Verlags zu sehen. Dort spricht sie in Videos die „Kopp-Nachrichten“, die vorgeblich brisanten Meldungen des auf Verschwörungstheorien spezialisierten Rottenburger Verlagshauses.

Und auf dieser Seite hat sie einen Beitrag verfasst, in dem sie die Loveparade mit Sodom und Gomorrha vergleicht. Sie gibt zu verstehen, die Katastrophe sei durch göttlichen Willen über die Feiernden hereingebrochen: „Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!“, schreibt sie. Darüber empörte sich dann die Bild-Zeitung, was wiederum die Zugriffszahlen auf dem Kopp-Server derart in die Höhe trieb, dass der zeitweise nur eingeschränkt erreichbar war.

Ein zynischer PR-Coup für den Rottenburger Verlag. Sein Angebot reicht von Ufo-Theorien über die „Germanische Neue Medizin“ des selbst ernannten Wunderheilers Geerd Hamer bis hin zu vorgeblichen Enthüllungsgeschichten über den „kommunistischen Hintergrund der Öko-Bewegung“ oder die „Islamisierung“ des Abendlandes. Herman entschuldigte sich am Montag dafür, Angehörige verletzt zu haben – und bekräftigte ihre Kritik an den Achtundsechzigern: „Natürlich übe ich (. . .) Kritik an den Urhebern des allgemeinen Sittenverfalls ( . . .). Sie haben Werte wie moralischen Anstand nahezu abgeschafft.“

Selbstverständlich darf Eva Herman die Loveparade für verwerflich halten. Die Opfer jedoch gingen davon aus, dass in einem Land, in dem es Verwaltungsvorschriften für fast alles gibt, auch Regeln für Großveranstaltungen existieren, die sie schützen. Ihnen implizit eine Mitschuld zu geben oder das Unglück höheren Mächten zuzuschreiben, ist schamlos.

Die Wut über Hermans Beitrag ist groß und verständlich. Dass sich bei „Facebook“ Gruppen bilden mit Namen wie „Ich geh dann mal eben Eva Herman tottrampeln – Gott will es so!“, ist dumm. Man kann anders auf die Profiteure der Katastrophe reagieren. Jeder entscheidet selbst, welche Internetseite er aufruft – und welche nicht. Welche Zeitung er kauft – und welche nicht. Und auch, für wen er wirbt: Bei den Erstliga-Volleyballern des TV Rottenburg ist der Kopp-Verlag ein „wichtiger Partner“, so Manager Jörg Papenheim. Zu Hermans Beitrag auf den Seiten des Sponsors „könne sich jeder seine Meinung bilden.“

Trittbrettfahrer der Loveparade-Katastrophe
Nicht die Tagesschau, sondern die Kopp-Nachrichten des gleichnamigen Rottenburger Verlags. Quelle: info.kopp-verlag.de

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28.07.2010, 12:00 Uhr

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