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Sensationelles Kreditgeschäft

Trotz Niedrigzinsphase steigen bei der Kreissparkasse auch die Kundeneinlagen stark

Mehr Kreditzusagen, höhere Kundeneinlagen, eine stabile Bilanzsumme, ein erhöhtes Kapitalpolster: Die Kreissparkasse verbucht 2015 als erfolgreiches Jahr. Doch sie muss auf neue Entwicklungen reagieren.

17.03.2016
  • von Renate Angstmann-Koch

Kreis Tübingen.Die Niedrigzinspolitik macht es schwer, ertragreiche Anlagen zu finden. Mit Null- und Strafzinsen will die Europäische Zentralbank Banken zwingen, Geld zu verleihen und die Wirtschaft anzukurbeln. Dieses Vorgehen sieht der Vorstandsvorsitzende der Tübinger Kreissparkasse (KSK) Christoph Gögler kritisch. „Wir haben hier keine Kreditklemme“, sagte er, als er am Donnerstag im Carré der Presse die Bilanz des Jahres 2015 vorstellte. In Ländern wie Griechenland oder Italien, wo Investitionen nötig wären, fehle es dagegen an Bonität: „Da würde ich als Bankvorstand nicht jedem einen Kredit hinterherwerfen“.

Niedrigzinsen machen Sparkassen zu schaffen

Die Niedrigzinsen erschweren es, mit sicheren Anlagen Erträge zu erzielen. Auch gibt es viele Fragezeichen bei der Inflationsrate, dem Ölpreis oder der Entwicklung des Dax – aber auch bei den Prognosen über das Wirtschaftswachstum. Derzeit werden 1,7 Prozentpunkte für 2016 erwartet. Dabei resultiert etwa ein halbes Prozent aus dem Flüchtlingszuzug. Staatsausgaben von 20 bis 25 Milliarden Euro zusätzlich nach einigen Schätzungen wirken wie ein Konjunkturpaket. Die niedrige Arbeitslosenquote und hohe Konsumausgaben scheinen hingegen stabil.

Zu den Veränderungen im Bankgeschäft selbst gehört die Digitalisierung. Immer mehr Kunden bevorzugen Online-Banking. Viele Kunden kommen allenfalls noch in eine Filiale, um sich beraten zu lassen. Beratung sei auch dringend nötig, betonte Hans Lamparter vom KSK-Vorstand. Man müsse auch Kleinanleger davon überzeugen, zumindest zum Teil in Aktien und Fonds zu investieren, um überhaupt noch Erträge zu erzielen: „Sonst findet etwas statt, was ganz entsetzlich ist – dass die großen Vermögen wachsen und die kleinen stagnieren.“

Von 53 auf 36 Filialen möchte die Kreissparkasse ihr Filialnetz bis Mitte, Ende 2017 verkleinern. Das sei nötig, sagte Lamparter, um in den Filialen Kompetenz zu bündeln – aber auch, um eine entsprechende Ausstattung bieten zu können: Heute schauten sich Berater und Kunden etwa Finanzierungsvorschläge gemeinsam am Bildschirm an. In der Mössinger Bahnhofstraße und in Rottenburg sollen neue Beratungszentren entstehen.

Der Umbau der Hauptstelle am Lustnauer Tor wird wohl Anfang 2017 fertig sein. Dann soll es einen Tag der offenen Tür geben, und dann werden wohl kleinere Filialen schließen. Sechs der sieben Abendfilialen sind jetzt schon zu. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KSK ist seit 2013 um zwanzig auf 972 gesunken. Dennoch konnte sie 2015 allen Auszubildenden die Übernahme anbieten.

4,8 Milliarden Euro: Mit diesem Betrag lag die 2015 minimal rückläufige Bilanzsumme auf dem seit 2011 üblichen Niveau. Der Zinsüberschuss war Gögler zufolge „erfreulich“. Das Betriebsergebnis stieg auf 57,7 Millionen Euro. Mit Steuern von 21,2 Millionen Euro – etwa 100 Euro pro Kreisbewohner – war die KSK einer der größten, vielleicht sogar der größte Steuerzahler im Kreis, sagte Gögler. Sie erhöhte ihr Eigenkapital um 12 Millionen Euro. Zuletzt blieb ein leicht gesunkener Jahresüberschuss von 2,7 Millionen Euro.

Bei den Krediten berichtete Hans Lamparter von einem „fantastischen Geschäftsjahr“. Es gab neue Kreditzusagen über 835 Millionen Euro, 30 Prozent mehr als 2014, „ein absolutes Rekordergebnis – darauf sind wir stolz“. Mit 3,254 Milliarden Euro lag das Volumen um 4,2 Prozent über dem Vorjahrsniveau – und das, obwohl gleichzeitig viel getilgt wurde. Der Bestand der Wohnungsbaukredite betrug 1,8 Millionen Euro. „Fast noch erfreulicher“ sei eine Steigerung bei den gewerblichen Krediten von knapp 8 Prozent. „Wir schaffen Arbeitsplätze, ermöglichen Investitionen“, schwärmte Lamparter – „wir sprechen mittelständisch, und das jeden Tag“.

„Existenzgründungen sind so etwas wie die Frischzellenkur für die Wirtschaft“, bekräftigte Vorstandsmitglied Jürgen Ferber. 2015 habe die Kreissparkasse 69 Gründungen ermöglicht. Durch sie seien 158 Arbeitsplätze entstanden – gegenüber 49 Gründungen im Jahr zuvor.

Um 4,5 Prozent wuchs der Bestand der Kundeneinlagen. „Wenn ich bei Nullzins keine Kapitalsteigerung mehr habe, heißt das: Das Vertrauen ist gewaltig“, sagte Lamparter. Nun scheue man weder Mühen noch Kosten, „um auch normale Bürger ins Wertpapiergeschäft zu beraten“. Über 5000 Beratungsprotokolle „mit Top-Qualität“ seien angefertigt und über 3000 Sparpläne erstellt worden – ein Plus von über 50 Prozent.

Die KSK führt fast 152000 Girokonten, gut 1700 mehr als 2015, sagte Ferber. Es gibt auch 4168 Bürgerkonten, die nicht überzogen werden dürfen, und 1702 Pfändungsschutzkonten. Die Erhöhung der Kontoführungsgebühr mangels Zinsüberschüssen hat zu keinen Auflösungen geführt, berichtete Gögler. Bei den Girokonten liege der Marktanteil der KSK Tübingen bei 55 Prozent und damit um 10 Prozent höher als im Durchschnitt der baden-württembergischen Sparkassen.

KSK wirbt auch weiter fürs Bausparen

Der Verkauf von Versicherungen oder die Vermittlung von Immobilien auf dem knappen Tübinger Markt waren weitere erfolgreiche Geschäftsfelder des Kreditinstituts. Auch Bausparen habe trotz Niedrigzinsen noch seine Berechtigung, versicherte Lamparter – sogar mehr denn je. Schließlich laufen Kredite irgendwann aus, und die Anschlussfinanzierung kann bei möglicherweise wieder deutlich höheren Zinsen teuer werden.

Rund 800000 Euro für Kultur, Soziales und Vereine

Wie in den Vorjahren unterstützte die Kreissparkasse 2015 Projekte von Vereinen, sozialen Einrichtungen, Kommunen, Schulen, im Bereich des Sports und der Kultur und die Agentur für Klimaschutz mit rund 800000 Euro. Ihre Jugend- und Seniorenstiftung mit einem Kapital von 2,5 Millionen Euro schüttete aus Erträgen gut 25000 Euro aus.

Das Kreditinstitut betrachtet auch Veranstaltungen im Sparkassen-Carré als Teil seines gesellschaftlichen Engagements. Es sei inzwischen ein etablierter Veranstaltungsort mit Konzerten, Lesereihen, Comedy, Diskussionen und Dialogen.

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17.03.2016, 21:00 Uhr

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