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Warum Polizisten schießen
Schießwütige Polizei? Auf keinen Fall, sagt der Kriminologe Prof. Thomas Feltes. Foto: dpa

Warum Polizisten schießen

Im Fernsehen schießen Polizisten quasi täglich, im echten Leben machen die Beamten sehr viel seltener von der Waffe Gebrauch.

17.07.2017
  • DPA

Münster. Polizisten haben 2016 bei Einsätzen in Deutschland elf Menschen erschossen. Wie die Deutsche Hochschule der Polizei in Münster berichtet, wurden zudem 28 Menschen verletzt.

Wie oft schießen Polizisten in Deutschland bei ihren Einsätzen? 2016 hat die Polizei in 52 Fällen auf Menschen geschossen. Hinzu kamen Warnschüsse. Wie aus den Zahlen der Deutschen Polizeihochschule hervorgeht, schießen sie vor allem, um gefährliche, kranke oder verletzte Tiere zu töten. 12 656 Fälle dieser Art wurden vergangenes Jahr in Deutschland registriert.

Wird die Polizei schießwütiger? „Nein, wir haben keine schießwütige Polizei“, sagt der Kriminologe Prof. Thomas Feltes von der Ruhr-Uni Bochum. „Nach wie vor benutzen die allermeisten Polizeibeamten ihre Dienstwaffe ein Leben lang ausschließlich auf dem Schießstand.“ Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, weist darauf hin, dass die „Statistik über den polizeilichen Schusswaffengebrauch gegen Menschen weitgehend gleichbleibend ist.“ In der GdP-Zeitschrift „Deutsche Polizei“ hieß es, auch weil in Film und Fernsehen ständig geballert werde, habe die Öffentlichkeit eine verzerrte Vorstellung von Polizeiarbeit.

In welchen Situationen schießen Polizisten? Die Todesfälle im vergangenen Jahr gingen der Statistik zufolge allesamt auf Notwehr oder Nothilfe zurück. Letzteres bezeichnet Fälle, in denen Polizisten anderen Menschen in Lebensgefahr helfen mussten. Gründe zum Schießen könnten auch die Verhinderung von Verbrechen oder Fluchtvereitelung sein. Aus Sicht von Reinhold Bock, Leiter der bundesweiten Selbsthilfegruppe Schusswaffenerlebnis, bergen Messerangriffe ein besonders großes Risiko für Polizisten: „Da kann ich den Kollegen nicht verdenken, ihr Leben durch die Dienstwaffe zu verteidigen.“

Auf wen schießen Polizisten? „Wenn man sich die Fälle des tödlichen Schusswaffengebrauchs genauer ansieht, stellt man fest, dass in den meisten Fällen die Opfer psychisch Kranke oder gestörte Personen sind“, erklärt Prof. Feltes. „Hier haben wir tatsächlich eine Zunahme und den dringenden Bedarf nach mehr Fortbildung für die Polizei.“Feltes sagt, viele Beamte seien nicht im Erkennen von psychisch gestörten Personen geschult – und noch weniger in der Frage, wie man mit ihnen umgehen sollte.

Wie sieht der Vergleich zu den USA aus? Nach einer Erhebung der „Washington Post“ haben Polizisten in den USA im vergangenen Jahr 963 Menschen erschossen. Wenn man die Einwohnerzahlen berücksichtigt (USA: 324 Millionen, Deutschland: 81 Millionen), dann ist die Zahl der tödlichen Polizeischüsse in den USA grob gesagt mehr als 20 Mal so hoch wie in Deutschland. dpa

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17.07.2017, 06:00 Uhr

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