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Zugpferd Eva Herman

Was der Rottenburger Kopp-Verlag macht

Brisant, verboten, geheim, unterdrückt: Diese Wörter gehören zu denen, die in den Büchern des Kopp-Verlages am häufigsten vorkommen. Das Themenspektrum des Rottenburger Unternehmens ist groß, sehr viel Raum nimmt die Enthüllungsliteratur ein. Ein ebenso prominentes wie umstrittenes Zugpferd des Verlages ist die frühere Tagesschausprecherin Eva Herman.

15.08.2010
  • von hete henning

Rottenburg. Jochen Kopp ist 44 Jahre alt, kommt aus Wurmlingen und war früher elf Jahre lang bei der Polizei. Vor 16 Jahren stieg er aus dem Staatsdienst aus und gründete den Kopp-Verlag. Zunächst auf UFO-Literatur und Verschwörungstheorien spezialisiert, fand das Unternehmen zuletzt im Zusammenhang mit der Duisburger Loveparade und den Sodom- und Gomorrha-Äußerungen Eva Hermans viel Aufmerksamkeit in den Medien.

Einen Gesprächstermin mit dem Chef des Rottenburger Verlags zu bekommen, ist nicht leicht. Interviews lehnt er seit Jahren gemeinhin ab, fotografiert werden will er nicht. Er sei „in dem ganzen Rummel ein bisschen angefressen“ gewesen, sagt Kopp, als es dann doch klappt. Ihm sei allzu oft das Wort im Munde herumgedreht worden.

Was der Rottenburger Kopp-Verlag macht
2005 bezog der Kopp-Verlag sein neues Gebäude samt Halle in der Pfeiferstraße im Gewerbegebiet Siebenlinden. Davor war er in der Graf-Wolfegg-Straße.Bild: Ruscheinski

21 Menschen kamen bei der Loveparade vor drei Wochen ums Leben. „Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen!“, schrieb Herman in einem Beitrag auf den Internetseiten des Kopp-Verlags, dessen Video-Nachrichen sie seit einiger Zeit verliest. Die Bild-Zeitung reagierte empört, worauf die Zugriffszahlen auf die Kopp-Seiten so anstiegen, dass der Server zeitweise überlastet war.

2000 Sendungen gehen täglich raus

Den Vorwurf, sein Verlag habe damit einen PR-Coup gelandet, mag Jochen Kopp nicht gelten lassen. „Wir verdienen an dem Artikel nicht“, versichert er, den Medien-Hype in der Folge des Herman-Texts hätten andere ausgelöst: „Der Bild-Zeitung hat es Auflage gebracht, der Süddeutschen Zeitung auch.“ Auch indirekt sei das Presseecho keine Werbung für seinen Verlag gewesen. „Die Berichterstattung war nicht gut für uns.“

Täglich 2000 bis 2500 Büchersendungen, in Spitzenzeiten auch mal 3000, werden dem Firmenchef zufolge in dem 2005 bezogenen Verlagsgebäude an der Pfeiferstraße fertig gemacht. 1000 Quadratmeter hat die Lagerhalle, weitere 600 Quadratmeter nehmen die Büroräume ein. 40 Festangestellte und 20 freie Mitarbeiter beschäftigt der Verlag, von der telefonischen Bestellannahme über die Retourenerfassung bis zur Erstellung des Katalogs, für den vier hauseigene Grafikerinnen zuständig sind.

Was der Rottenburger Kopp-Verlag macht
Ein anderes Feld, das der Verlag beackert: Finanzen.

162 Seiten umfasst der August-Katalog. Gleich vorn die Rubrik „Verbotenen Archäologie“ mit Klassikern des Erich von Däniken („Götterdämmerung – Die Rückkehr der Außerirdischen“) oder dem vielbändigen Werk des Prä-Astronautik-Autors Zecharia Sitchin („Die Chroniken des Planeten Erde“). Michael Cremo und Richard Thompson liefern laut Katalog auf 1055 Seiten „reichhaltige Beweise dafür, dass die menschliche Rasse seit Millionen von Jahren existiert“. Und ein anderes Autorenpaar geht in „Geheimakte Mond“ der Frage nach, ob die NASA auf dem Mond die Überreste einer außerirdischen Zivilisation gefunden hat und ob dies aus Gründen der nationalen Sicherheit zur Geheimsache erklärt wurde.

UFOs, Aliens und andere Tabuthemen

„Bücher, die Ihnen die Augen öffnen“ – das ist der Werbeslogan des Kopp-Verlags. Er greife gezielt Themen auf, „die im Mainstream tabuisiert werden“, sagt Kopp. Der Erfolg der Bücher zeige, dass das Interesse bei den Leuten groß sei. Zu diesen Themen, die „offensichtlich woanders nicht diskutiert werden können“, gehören laut Kopp auch die UFOs. Selber davon „überzeugt, dass es außerirdische Lebensformen gibt“, habe er nach dem UFO-Hype der 90-er Jahre mit Filmen wie „Akte X“ und „Independence Day“ versucht, „das UFO-Phänomen auf eine sachliche Ebene zu stellen“, um es „aus der Ecke des Belächelns herauszuheben.“

Kopp hat dafür als Autor unter anderem den deutschen Astrophysiker Illobrand von Ludwiger angeheuert („UFOs – Die unerwünschte Wahrheit“), „eigentlich ein ganz integrer, seriöser Mann“, wie der Verleger meint. Mit Timothy Good hat er zudem einen UFO-Forscher im Programm, der – laut Katalog – aufgrund von Geheimakten und Interviews mit Piloten, Politikern und Militärs belegt, dass das UFO-Phänomen „alles andere als Unsinn ist“. Eine der schockierendsten Informationen, so der Werbetext weiter, stamme dabei „von einem Chirurgen, der einen von der brasilianischen Armee im Jahr 1996 gefangen genommenen Alien operierte“.

Was der Rottenburger Kopp-Verlag macht
Der Kopp-Verlag will unabhängige Informationen liefern. Das fängt bei der Menschheitsgeschichte an.

Sein Verlag bediene eine „eher gehobene, intellektuelle Zielgruppe“, sagt Jochen Kopp, „wir verkaufen ja auch Sachbücher.“ In seiner Kundschaft stark vertreten seien Freiberufler und Selbstständige und Menschen, die sich mit Natur und Ökologie beschäftigten.

Mit UFOs und Verschwörungstheorien allein sei man schnell „in der Spinnerecke, auf dem Abstellgleis“, hat Kopp erkannt und sein Sortiment um weitere Kategorien ergänzt: Um „Sakrale Rätsel“ beispielsweise. Um die Rubrik „Selbstversorgung“, wozu etwa Koch- und Gartenbücher gehören sowie Anleitungen zum Bau von Windrädern, die allesamt von anderen Verlagen zugekauft werden. Auch die Bereiche „Lebenskunst“ mit Titeln wie „Wünsch Dich schlank“ und „Neue Weltbilder“ (Schamanismus, Engel, Meditation und Magie) bedient der Verlag.

Besonderen Wert legt Kopp auf einige Erscheinungen im Finanzbereich. Schon zur Jahrtausendwende habe sein Verlag Bücher zum Börsencrash gemacht. „Wir haben auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht, als man noch die Telekom-Aktie als Volksaktie verkaufte“, sagt er und nimmt das als Beispiel dafür, „wie schnell eine Verschwörungstheorie zur Verschwörungsrealität werden kann.“ Und dann die Euro-Einführung: „Was haben wir dagegen angeschrieben“, erzählt der 44-Jährige und verweist auf seine Autoren Prof. Karl Albrecht Schachtschneider und Prof. Wilhelm Hankel. Der Staatsrechtler und der Wirtschaftswissenschaftler hatten gemeinsam mit den Ökonomen Wilhelm Nölling und Joachim Starbatty (Tübingen) vor dem Verfassungsgericht gegen die Europäische Währungsunion geklagt. Kopp: „Die ganze Kritik bestätigt sich heute.“

In einem Wurmlinger Keller fing alles an

Was der Rottenburger Kopp-Verlag macht
Von der Tagesschau zu Kopp: Eva Herman verliest im Wechsel mit dem früheren „Marienhof“-Darsteller Hakim-Michael Meziani die in Hamburg produzierten Kopp-Nachrichten auf den Online-Seiten des Rottenburger Verlags.Bild: Kopp-Verlag

Angefangen hat der Kopp-Verlag ganz klein, in einem Keller in Wurmlingen, wo Jochen Kopp „so eine Art Bücherliste“ zusammenstellte für Freunde und Bekannte. Ausgangspunkt seien Themen gewesen, die ihn selbst interessierten, erzählt er, er habe nach Büchern gesucht, die Hintergründe lieferten, welche nur schwer zu finden waren. „Die meisten dieser Bücher gab‘s nicht im Buchladen, und Amazon gab‘s damals noch nicht.“ Aus der Bücherliste wurde ein kleiner Prospekt, Kopp beschaffte die Bücher und versandte sie. Schließlich verlegte er seine eigenen Bücher, zunächst vor allem Übersetzungen aus dem Amerikanischen – „in den USA ist ein viel freierer Buchmarkt“. Erst später holte der Wurmlinger deutsche Autoren dazu.

Hauptsache, die Fakten stimmen

Unter ihnen ist auch der Islamkritiker Udo Ulfkotte, bis 2003 Redakteur bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. In „SOS Abendland – Die schleichende Islamisierung Europas“ (2008 erschienen im Kopp-Verlag) nennt er die „Islamideologie“ einen „bösartigen Virus“. Junge „Kulturbereicherer aus der islamischen Welt“ sind bei Ulfkotte eine „Plage“, Zuwanderer aus der Türkei haben einen 10 bis 15 Prozent niedrigeren Intelligenzquotienten als „Durchschnittseuropäer“. In seinem neuen Buch „Vorsicht Bürgerkrieg. Was lange gärt, wird endlich Wut“ (Kopp-Verlag 2009) beginnt mit dem Einzug der 68er in die Politik der „Niedergang des einst renommierten Abgeordnetenamtes“, und ein Grund dafür, dass die Armen immer ärmer werden, sind „die Zuwanderer“. Viele von ihnen, schreibt Ulfkotte, würden „nie auch nur einen Cent in die deutschen Sozialsysteme einzahlen, aber ein großer Teil wird beide Hände aufhalten, um möglichst viel daraus abzukassieren“.

Vorwürfe, wonach Ulfkotte ein rechtspopulistisches Bedrohungsszenario auf Stammtischniveau zeichne, lässt Jochen Kopp nicht gelten. Ulfkotte, sagt er, „polarisiert, er ist sehr drastisch. Solange er bei den Fakten bleibt, muss er das tun dürfen.“ Und, so verspricht er: „Wenn da irgendwas mit den Fakten nicht stimmt, ist das aus der nächsten Auflage raus.“

Dass sein Unternehmen unter anderem wegen der Zusammenarbeit mit dem rechten Tübinger Grabert-Verlag vielfach in der braunen Ecke verortet wird, mag Kopp so nicht stehen lassen. „Wir arbeiten mit 400 Verlagen in Deutschland zusammen und kaufen Bücher bei ihnen ein. Grabert ist, was das Auftragsvolumen betrifft, einer der unbedeutendsten davon.“ Lediglich zwei Bücher im aktuellen Katalog kämen vom Grabert-Verlag, nämlich „Hitlers letzter Trumpf“ von Friedrich Georg, ein Buch über „Entwicklung und Verrat der Wunderwaffen“, und „Unternehmen Patentenraub 1945“ vom selben Autor.

„Rechts, links, oben, unten, rot, grün, braun, schwarz, gelb – das sind so Schubladen, in die man bestimmte Verlage steckt“, sagt Kopp. „Die Rechten sagen, wir sind links, die Linken sagen, wir sind rechts. Wir haben christliche, jüdische und auch islamische Verlage dabei, und das, obwohl wir den Ulfkotte haben“, betont der Verleger und findet es „schade, dass man nicht das Gesamtpaket sieht“.

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15.08.2010, 12:00 Uhr

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