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Wie ein tödliches Geschoss
Grablichter und Blumen markierten im April vergangenen Jahres die Stelle des schweren Unfalls in Köln, der eine 19-jährige Radfahrerin das Leben kostete. Foto: dpa
Raser nach illegalem Autorennen vor Gericht - Radfahrerin gestorben

Wie ein tödliches Geschoss

Ein Unfall mit fatalen Folgen: Bei einem illegalen Autorennen sollen zwei junge Männer den Tod einer Radfahrerin verursacht haben. Jetzt stehen die beiden Männer wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

18.02.2016
  • PETRA ALBERS, DPA

Köln. Eine 19-Jährige ist mit dem Fahrrad auf dem Weg von der Kölner Uni nach Hause. Sie fährt auf dem Radweg und trägt einen Helm. Plötzlich schleudert wie ein Geschoss ein Auto auf die junge Frau zu, trifft sie mit voller Wucht. Der Fahrer hat bei hohem Tempo die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Die 19-Jährige hat keine Chance. Drei Tage nach dem Unfall stirbt sie an ihren Verletzungen. Die Ermittler sind überzeugt: Der Unfallfahrer hat sich zuvor ein Rennen mit einem anderen Raser geliefert.

Am Mittwoch sitzen die beiden Beschuldigten auf der Anklagebank des Kölner Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern (22 und 23) fahrlässige Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs vor. Der 23-Jährige tupft sich die Augen ab. Sein Verteidiger verliest eine Erklärung: Ja, sein Mandant sei viel zu schnell gefahren und habe den Unfall verursacht. "Es tut mir unendlich leid, dass durch mein Verhalten ein Mensch gestorben ist." Aber zu einem Rennen hätten die beiden Männer sich nicht verabredet. Das betont auch der zweite Angeklagte, der durch seinen Anwalt vortragen lässt: "Ich trage keine strafrechtliche Verantwortung, fühle mich aber moralisch mitschuldig."

Nach Auffassung des Staatsanwalts lief das Geschehen so ab: Die beiden jungen Männer beschließen am 14. April 2015, ein Rennen zu fahren. Sie drücken das Gaspedal durch, versuchen, sich gegenseitig zu überholen. Auf der Straße nahe dem Kölner Tanzbrunnen ist eine Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern erlaubt. Mit mindestens Tempo 96 kommt einer der Wagen von der Straße ab, prallt gegen den Bordstein und schleudert über die Gegenfahrbahn auf den Radweg.

Nach dem Tod der 19-Jährigen richtet die Polizei eine Ermittlungsgruppe ein, um die Raser-Szene mit verstärkten Kontrollen unter Druck zu setzen. Bis heute hat die "EG Rennen" nach Angaben eines Sprechers rund 11 000 Raser erwischt. In 70 Fällen ermitteln die Beamten wegen illegaler Rennen, knapp 150 aufgemotzte, verkehrsuntaugliche Autos wurden sichergestellt.

"Egal, wie das Urteil ausgeht - es macht den Tod der Tochter nicht ungeschehen", sagt Rechtsanwalt Bernd Neunzig, der die Eltern des Opfers als Nebenkläger vertritt. "Aber vielleicht trägt eine angemessene Bestrafung dazu bei, dass Menschen im Straßenverkehr künftig vernünftiger handeln."

Rasern mangelt es meist an Selbstwertgefühl

Tätertyp Illegale Rennen sind in vielen Städten ein Problem, und immer wieder führen sie zu schweren Unfällen. Für die meist 18 bis 25 Jahre alten Raser mit ihren oft getunten, PS-starken Wagen hat das Auto Kultstatus. Viele der jungen Männer litten unter einem mangelndem Selbstwertgefühl, sagt der Verkehrspsychologe Karl-Friedrich Voss: „Das wollen sie dann mit dem Auto kompensieren.“ Um Raser zu bremsen, fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft eine PS-Obergrenze für Fahranfänger. Der ADAC plädiert für eine Verlängerung der Fahrausbildung. Denn der Unfall von Köln war im vergangenen Jahr kein Einzelfall:

Februar 2016 In der Nähe des Berliner Kurfürstendamms fahren zwei junge Raser ein tödliches Rennen. Einer der Wagen stößt mit einem Geländewagen zusammen, dessen 69 Jahre alter Fahrer stirbt.

Januar 2016 Bei einem illegalen Rennen in Ludwigshafen verliert ein Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen. Das Fahrzeug überschlägt sich und prallt gegen einen Baum. Auf dem Rücksitz des Autos stirbt eine 22 Jahre alte Frau, zwei weitere Mitfahrer werden schwer verletzt.

April 2015 Zwei 22 und 23 Jahre alte Männer rasen durch Köln. Laut Anklage verliert einer der beiden bei Tempo 96 die Kontrolle über seinen Wagen. Das Auto erfasst eine Radfahrerin. Die 19-Jährige stirbt an ihren Verletzungen.

März 2015 Einer von zwei Rasern in Köln fährt mit seinem Wagen über eine rote Ampel und rammt ein Taxi. Ein Fahrgast stirbt später an seinen schweren Verletzungen. Die beiden 20 Jahre alten Männer werden später zu 12 und 16 Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. dpa

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18.02.2016, 08:30 Uhr

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