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Ein Platz in der Stadtgeschichte

Zu Ehren des Rabbis Dr. Abraham Schweizer

Der Platz vor dem ehemaligen jüdischen Betsaal in Horb soll nach Dr. Abraham Schweizer benannt werden. Doch wer ist Abraham Schweizer? Dass er den Mitgliedern des Städtebau- und Sanierungs-Ausschusses am Dienstag kein Begriff war, bestätigte Barbara Staudacher und Heinz Högerle von der Förderstiftung „Jüdischer Betsaal“ in ihrem Vorhaben, Abraham Schweizer mit der Platz-Benennung wieder ins Gedächtnis zu rufen.

21.10.2010
  • Andreas Ellinger

Högerle: „Der Mann ist heute nicht mehr bekannt – in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war er stadtbekannt.“ In der Festschrift zum 700-jährigen Jubiläum der Stadt sei Schweizer mit einem Beitrag über „Die Israeliten in Stadt und Bezirk Horb“ vertreten gewesen. Jahrzehnte lang habe er zu den Honoratioren gehört. Högerle stellte fest: „Er ist aus der Öffentlichkeit verschwunden. Heute haben wir nicht einmal mehr ein Bild von ihm. Das ist das, was die Nazis wollte: Auslöschen.“

Abraham Schweizer war von 1913 bis 1936 Rabbiner in Horb. Er war der erste und letzte Rabbiner der Stadt. Nachdem die jüdische Gemeinde in Mühringen geschrumpft und die Horber Gemeinde gewachsen war, kam der Rabbinats-Sitz 1913 nach Horb.

Schweizer wohnte in seiner Horber Zeit gegenüber dem Betsaal, in der Isenburger Straße 5. „Als Rabbiner des größten Rabbinatsbezirks in Württemberg gehörte er über 20 Jahre zu den geistlichen Würdenträgern von Horb, er hat das religiöse Leben der Stadt mitgeprägt.“ Das schreiben Barbara Staudacher und Heinz Högerle in ihrer Bitte an Oberbürgermeister Peter Rosenberger, den Platz zwischen Betsaal und ehemaligem Wohnhaus nach dem Rabbiner zu benennen.

Abraham Schweizer war am 3. Februar 1975 in Schopfloch bei Dinkelsbühl als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er besuchte die Lyzeen in Schwabach und Esslingen sowie nach einem weiteren Umzug das Karls-Gymnasium in Stuttgart. Nach dem Abitur im Jahr 1896 studierte er in Würzburg und Berlin, im Juli 1900 promovierte er in Tübingen. Als Rabbiner und zuvor als Vikar war er bis 1913 in Weikersheim tätig.

Abraham Schweizer war Vorstandsmitglied im Verein Württembergischer Rabbiner und Mitglied der Stuttgart-Loge. 1917 erhielt er das Charlottenkreuz. Das Internet-Lexikon „Wikipedia“ schreibt über diese Auszeichnung: „Das Charlottenkreuz wurde am 5. Januar 1916 von König Wilhelm II. von Württemberg gestiftet und konnte allen Personen verliehen werden, die sich im Felde oder in der Heimat besondere Verdienste um die Pflege der Verwundeten und Erkrankten oder auf dem Gebiet der allgemeinen Kriegsfürsorge erworben hatten.“

Verheiratet war der Rabbiner mit Zerline Schweizer, geborene Bamberger. Sie lebte von 1880 bis 1913. Der Sohn des Ehepaars, Arno, wurde in Auschwitz getötet.

1936 wurde Abraham Schweizer pensioniert. Er blieb in Horb, bis ihn Nazis am 10. November 1938 verhafteten – am Tag nach der „Reichspogromnacht“. Vom 12. bis 29. November war er nach Recherchen von Heinz Högerle und Barbara Staudacher im Konzentrationslager Dachau gefangen. Nach seiner Entlassung zog er nach Stuttgart. „Im Herbst 1941 wurde er nach Oberdorf am Ipf zwangsevakuiert und von dort am 23. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Am 29. September kam er ins Vernichtungslager Maly Trostinek in Polen und wurde dort ermordet.“

Der Städtebau- und Sanierungs-Ausschuss sowie der Verwaltungs- und Technische Ausschuss des Gemeinderats haben empfohlen beziehungsweise beschlossen, dass der Platz vor dem jüdischen Betsaal Horb künftig „Dr. Abraham Schweizer Platz“ heißen soll. Auswirkungen auf die Postanschrift der umstehenden Gebäude gibt es keine. Eine Tafel mit seinen Lebensdaten soll an Abraham Schweizer erinnern.

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21.10.2010, 12:00 Uhr

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