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Die perfekte Kandidatin

Die perfekte Kandidatin

Die saudische Ärztin Dr. Maryam beschließt, als erste Frau für den Stadtrat zu kandidieren.

Die perfekte Kandidatin

The Perfect Candidate
Deutschland, Saudi-Arabien 2019

Regie: Haifaa Al Mansour
Mit: Mila Alzahrani, Dae Al Hilali, Nourah Al Awad

105 Min. - ab 0 Jahren

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10.03.2020

Von Madeleine Wegner

Maryam hat ein blaues Auto. Damit fährt sie jeden Tag ins Krankenhaus. Noch lieber möchte die junge Ärztin jedoch in einer großen Klinik in der Hauptstadt Riad arbeiten. Auf einer Konferenz in Dubai will sie sich für die Stelle bewerben. Sie hat viel Geld für das Ticket ausgegeben. Doch am Flughafen lässt man sie nicht ausreisen: Sie benötigt die Erlaubnis ihres männlichen Vormunds. Wegen einer winzigen Formalie ist das Dokument plötzlich ungültig.

Die junge Ärztin bittet einen Cousin um Hilfe. Die Ausreisegenehmigung bekommt sie nicht, stattdessen landet sie durch Zufall auf die Bewerberliste für den Stadtrat. Schnell gefällt Maryam die Vorstellung, sich als Politikerin zu engagieren. Sie will sich dafür einsetzen, dass die Zufahrt zur Klinik endlich asphaltiert wird, damit Kranke nicht mehr durch den Matsch geschoben werden müssen, um in die Notaufnahme zu gelangen. Der unbefestigte, schlammige Platz vor der Klinik und Patienten, die sich nicht von einer Frau behandeln lassen wollen, gehören zu Maryams Alltag ebenso wie die Einschränkungen und Unannehmlichkeiten, die sie als Frau oft hinnehmen muss.

2012 hatte Regisseurin Haifaa Al-Mansour mit „Das Mädchen Wadjda“ den ersten saudischen Kinofilm vorgelegt. Darin erzählte sie von einer Elfjährigen, die sich sehnlichst ein Fahrrad wünscht – in einem Land, in dem Frauen noch kein Auto fahren durften. Seit 2018 ist es saudischen Frauen gesetzlich gestattet, selbst hinter dem Steuer zu sitzen. Auch Konzerte sind seit zwei Jahren wieder erlaubt. Beide Themen greift Al-Mansour in ihrem Emanzipationsdrama „Die perfekte Kandidatin“ auf – und führt sie weiter: Es geht nicht nur ums Autofahren, sondern auch um die dafür notwendige Straße, für die Maryam kämpft.

Da Maryams Vater als Musiker für drei Wochen auf Konzerttournee ist (die Mutter lebt nicht mehr), kämpfen sie und ihre beiden Schwestern auf sich allein gestellt und doch gemeinsam um ein Leben in größtmöglicher Freiheit.

Al-Mansour zeigt mit ihrem Film, dass eine Gesetzesänderung nicht von allein zu einem gesellschaftlichen Wandel führt. Ihre unaufgeregte Erzählweise wirkt dabei besonders lebensnah.

Unaufgeregt erzählt, gewährt dieser Film einen wertvollen Einblick in eine von Männern dominierte Gesellschaft.

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Erstellt:
10. März 2020, 00:29 Uhr
Aktualisiert:
10. März 2020, 00:29 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. März 2020, 00:29 Uhr

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