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ALPHAVILLE
Frankreich

Regie: Jean-Luc Godard


- ab 0 Jahren

Tagblatt-Wertung

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24.11.2015

Am 12. Juni 2000 entführt der 21-jährige Sandro einen Bus in Rio, und die ganze Nation verfolgt am Fernseher die Geiselnahme. Sandro ist ein ehemaliges Straßenkind und José Padilhas Dokumentarfilm mixt nun Szenen der Entführung mit Interviews von Angehörigen Sandros, Sozialarbeitern, damaligen Geiseln, Journalisten und Polizisten. Er gibt aber auch darüber hinaus gehende Einblicke in die brasilianische Gesellschaft, deren Umgang mit Straßenkindern genauso in Frage gestellt wird wie die Rolle der Medien und der Polizei in diesem Einzelfall.

Sicher ein notwendiger, beeindruckender Film. Was nervt, ist die ständige unheilschwangere Tragödienmusik, mit der die Busentführungsszenen unterlegt werden, als müsse man da noch irgendetwas verstärken. Was nervt, ist auch, dass offensichtlich kaum etwas vom gefilmten Material nicht Eingang in das Endprodukt fand, weshalb ähnliche Szenen wieder und wieder gezeigt werden. Vermutlich war der Filmemacher so fasziniert von dem „glücklichen? Umstand, Live-Bilder einer Entführung zu haben. Der geschickt gelegte Spannungsbogen lässt den Zuschauer wie bei einem Thriller dabei sein, der die grausamen Szenen am Ende sogar in Zeitlupe und aus verschiedenen Positionen festhält. Im Endeffekt wird so der Zuschauer zum Voyeur eines Vorgangs.

Der Regisseur des Films wird all das im Dienste der aufklärerischen Mission sehen. Und die wirklich erhellende, mustergültige Sozialreportage mit filmischen Mitteln obsiegt letztendlich auch über solche Bedenken, die in unserer grellen, durch und durch voyeuristischen Welt sowieso seltsam anmuten werden. Am Ende verlässt man das Kino verstört und braucht eine Weile, sich wieder zu erholen. Nimmt man die Stärke des Eindrucks als Gradmesser für gutes Kino ? auch unter diesem Kriterium ist dies ein guter Dokumentarfilm.

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Erstellt:
24. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. August 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. August 2009, 12:00 Uhr

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