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Narziss und Goldmund

Narziss und Goldmund

Stefan Ruzowitzky verfilmt die Erzählung Hermann Hesses um die Freundschaft zwischen einem Künstler und einem Mönch.

Narziss und Goldmund

Deutschland 2020

Regie: Stefan Ruzowitzky
Mit: Jannis Niewöhner, Sabin Tambrea, André Hennicke, Henriette Confurius, Elisa Schlott, Emilia Schüle, Matthias Habich, Sunnyi Melles, Uwe Ochsenknecht

118 Min. - ab 12 Jahren

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10.03.2020

Von Madeleine Wegner

Narziss möchte Gott allein gehören. Nur widerwillig lässt er sich deshalb auf die Freundschaft mit Goldmund ein, der eines Tages neu ins Kloster kommt. Gemeinsam verbringen die beiden Jungen ihre Kindheit und Jugend bei den Mönchen – dann trennen sich ihre Wege, die in zwei Lebensentwürfe führen. Sie stehen für zwei Gegensätze, die sich begegnen, ein Leben lang begleiten, doch nie miteinander verschmelzen können.

Beten oder Betten? Größer scheint die Frage nach dem Sinn nicht zu sein. Vielleicht hat ein Filmkritiker die Verfilmung von Hermann Hesses Bestseller deshalb einen „Sexfilm für Katholiken“ genannt. Will man in diesem Bild bleiben, gleicht Stefan Ruzowitzkys Verfilmung eher einem Porno: Er zeigt Körper statt Seelen und ergötzt sich an der Oberfläche. Er behauptet viel, lässt den Zuschauer jedoch taub und unberührt zurück.

[Textbaustein: ae1] Stefan Ruzowitzky hatte 2008 mit seinem KZ-Film „Die Fälscher“ einen Oscar gewonnen. Mit „Narziss und Goldmund“ wollte er nun „so richtig schönes Gefühlskino machen“. Doch das gerät in den Hintergrund in dieser farbintensiven Mittelalter-Welt mit all ihren hübschen Kostümen und vor stets romantisch anmutender Kulisse. Auch gelingt es nicht, eine Verbindung ins Heute zu schaffen. Sogar im Film selbst misslingen die Zeitsprünge: Es wirkt ungeschickt und geradezu lächerlich, wie die Dialoge zu den Rückblenden hinleiten sollen.

Jannis Niewöhner spielt den sinnlichen Goldmund, der offenbar kaum mehr vorzuweisen hat als einen durchtrainierten Körper, den er gern und oft zur Schau stellt. Sabin Tambrea als asketischer Narziss ringt offensichtlich mit seinen Dämonen – und darf sich deshalb ebenfalls aufs Körperliche verlegen, wenn er sich in einer vom blauen Mondlicht durchfluteten Zelle geißelt bis das Blut fließt.

Über den Auftritt von Uwe Ochsenknecht als Bildhauermeister und über den von Kida Khodr Ramadan als Klosterbruder Anselm mag man noch müde schmunzeln. Doch sie sehen letztlich nur verkleidet aus und wirken, als hätten sie sich beim Karneval fürs falsche Kostüm entschieden. Auch die anderen Schauspieler wirken fehl am Platz und seltsam verloren in einer hohlen Mittelalterkulisse.

Damit scheint Ruzowitzky Hesses Abneigung gegen Literaturverfilmungen zu bestätigen – Hesse sah in ihnen eine „Degradierung und Barbarei“. Vielleicht aber stellt sich zugleich die Frage, wie aktuell Hesses Bestseller heute noch sein kann.

Vor üppig gestalteter Kulisse und infantasievollen Kostümen wollen die Figuren einfach nicht lebendig werden.

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Erstellt:
10. März 2020, 00:37 Uhr
Aktualisiert:
10. März 2020, 00:37 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. März 2020, 00:37 Uhr

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