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Besserer Schutz der Schätze

Archäologische Stadtkataster zeigen, wo historisch bedeutsame Areale liegen

Sie helfen Planern wie Denkmalpflegern bei der Arbeit.

12.03.2018
  • HANS GEORG FRANK

Von dem Schatz ist nichts mehr zu erkennen. Die herausragende Bedeutung eines römischen Vicus ist unter dem Gras nicht einmal zu erahnen. Dabei waren Archäologen in den 1980er Jahren geradezu begeistert von den Funden, die sie in Bad Wimpfen freigelegt hatten. Die Krautäcker, ausgesucht als Neubaugebiet, entpuppten sich als Keimzelle der Stadtentwicklung. Ein Kultgebäude mit mehr als 30 Götterbildern war bis dahin in Deutschland nicht bekannt. „Welthistorische Bedeutung“ hätten einige der historischen Überreste, jubelten die Ausgräber.

Relikte der Römer

Ein archäologischer Park sollte angelegt werden, um die Relikte der Römer zu zeigen. Doch wegen der Hochwassergefahr konnte der Plan nicht verwirklicht werden – der unberechenbare Neckar verlässt ganz in der Nähe immer mal wieder sein Bett. Dass auf dem geschichtsträchtigen Gelände auch nichts anderes entstehen wird, garantiert der Archäologische Stadtkataster, den Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, präsentierte.

Dabei handelt es sich bei dem mehr als 350 Seiten starken 40. Band, ergänzt durch sechs Karten, um eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme. Mit dem „hilfreichen Arbeitsmittel“ für Stadterneuerer und Denkmalschützer lasse sich die Planungssicherheit erhöhen und das Konfliktpotenzial minimieren, erklärte Claus Wolf den Wert.

Die im Jahr 2000 gestartete Kataster-Reihe weist archäologisch bedeutsame Zonen einer Stadt aus, in denen bei Eingriffen im Boden mit historischen Zeugnissen zu rechnen ist. Dadurch sollen „notwendige städtebauliche Veränderungen“ keineswegs blockiert werden, sagte Wolf. Vielmehr sollen Chancen aufgezeigt werden, „das einmalige und Identität stiftende Ensemble aus alter Bausubstanz und geschichtlicher Überlieferung im Boden als Erbe unserer Nachwelt weiterzugeben“. Der Schutz des „unterirdischen Stadtarchivs“ habe eine herausragende Bedeutung, weil es „mancherorts schon erhebliche Verluste“ gegeben habe.

Für den Fachmann ist die gewichtige Materialsammlung „ein qualifizierter Überblick zum aktuellen Wissensstand“. Damit seien denkmalbezogene Stellungnahmen bei Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, aber auch bei individuellen Vorhaben möglich. Wolf ist überzeugt, dass wichtige Fragen der Erhaltung oder Dokumentation der historischen Substanz „frühzeitig und einvernehmlich“ geklärt werden könnten – „nicht erst an der offenen Baustelle, wenn kaum noch Handlungsalternativen verfügbar sind“.

Rund 300 Städte in Baden-Württemberg kommen aufgrund ihrer Entstehung im Mittelalter oder bereits in römischen Zeiten für ein solches Verzeichnis in Frage. „Der Boden dieser Städte birgt ein reiches, weithin immer noch unerschlossenes historisches Archiv“, erklärte der Denkmal-Experte. Mit Hilfe dieser zugedeckten „Urkunden“ lasse sich die Geschichte zurückverfolgen bis in jene Zeiten, „die deutlich vor der Stadtgründung und in der Regel auch vor den bekanntesten ältesten schriftlichen Nennungen liegen“.

Je nach Arbeitsaufwand und örtlicher Unterstützung dauert die Sichtung des Materials mehrere Jahre. In Bad Wimpfen benötigte Birgit Kulessa trotz intensiver Assistenz lokaler Kenner rund drei Jahre.

„Dichtes Potenzial“

Für Bad Wimpfen mit seiner 2000-jährigen Geschichte sei der Archäologische Stadtkataster ein „wichtiges Arbeitsmittel“, bestätigte Bürgermeister Claus Brechter. Dem reichen historischen Erbe – dazu gehört die größte staufische Pfalzanlage in Deutschland – könne die Verwaltung „noch besser gerecht werden“. Weil die ursprüngliche Struktur der Straßen und Quartiere erhalten ist, rechnen Wissenschaftler mit einem „dichten archäologischen Potenzial“.

Wann und in welcher Form die kostbaren Hinterlassenschaften des um 260 n. Chr. verlassenen Vicus in den Krautäckern besser zur Geltung kommen, ist völlig unklar. Bürgermeister Brechter hat mit einer Beschilderung offenbar keine Eile. „Das hat noch Zeit“, sagt er, „die Siedlung war ja fast 2000 Jahre lang unsichtbar.“

Konstanz ist die Nummer 1

Die Serie der Archäologischen Stadtkataster begann im Jahr 2000 mit Konstanz, noch im selben Jahr folgten Weinsberg, Buchen, Aalen, Bad Säckingen, Rosenberg und Biberach an der Riß. Außerdem sind erschienen: Heilbronn, Hardheim und Schweinberg, Walldürn, Tuttlingen, Ballenberg, Nürtingen, Oberndorf, Pforzheim, Osterburken, Wangen im Allgäu, Adelsheim, Endingen/Kaiserstuhl, Lorch, Schwäbisch Gmünd, Kenzingen, Durlach, Kehl, Backnang, Neuenburg am Rhein, Herbolzheim, Tauberbischofsheim, Rottweil, Bopfingen, Heidelberg, Offenburg, Überlingen, Ulm, Schorndorf, Mosbach, Lauffen/Neckar, Waldkirch, Bad Wimpfen.

Die Fortsetzung folgt mit Tübingen. Als Nummer 42 steht Bad Mergentheim an. Die Auflage schwankt zwischen 400 und 800 Exemplaren. In Bad Wimpfen sind es 500, Stückpreis 40 Euro. ⇥hgf

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12.03.2018, 06:00 Uhr

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