Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
 Bürger fühlen
sich wieder sicherer
Die Angst vor Verbrechen ist oft unbegründet, trotzdem griffen auch in Horb – vor allem zu Beginn des Jahres – immer mehr Bürger zum Pfefferspray.Bild: Breitmaier
Horb

Bürger fühlen sich wieder sicherer

Der Trend zum Pfefferspray zu Beginn des Jahres hat sich nicht fortgesetzt. Auch Revierleiter Markus Mast sieht keinen Grund zur Beunruhigung.

08.12.2016
  • Fabian Schäfer

Montagabend, halb neun, in der Kulturbahn von Horb nach Tübingen. Kurz vor der Ankunft des Zuges am Tübinger Hauptbahnhof erhebt sich eine Dame mittleren Alters und geht zur Zugtür. Dort wartet bereits ein junger Mann mit Mütze, einem Vollbart und etwas dunklerer Hautfarbe. Alles normal soweit – bis man wieder hinschaut. Plötzlich hält die Frau ein Pfefferspray in Richtung des Mannes, in dessen Augen sich eine Mischung aus Verwirrung und Angst abzeichnet. Bewegt hat er sich nicht, seit sich die Dame neben ihn gestellt hat. Gesagt hat er auch nichts. Er stand einfach nur ruhig da und wartete darauf, dass sich die Türen öffnen. Genauso, wie hunderte andere Menschen täglich auch. „Genau so bleiben“, sagt die Frau in einem bedrohlichen Tonfall. Innerhalb weniger Sekunden ist der Türbereich des Zuges gerammelt voll mit Menschen, die mit wütenden Gesichtern die Gefahr anblicken – die Dame mit dem Pfefferspray. Die Frage ist dennoch: Haben wirklich so viele Menschen Angst, in der Öffentlichkeit Opfer eines Verbrechens zu werden?

Trend setzte sich nicht fort

Nein haben sie nicht. Zumindest kann man das aus den aktuellen Statistiken herauslesen. Im ersten Quartal 2016 zeichnete sich – auch bedingt durch die Vorkommnisse der Silvesternacht in Köln – ein klarer Trend in ganz Deutschland, aber auch in Horb ab: Der sogenannte „kleine Waffenschein“ hatte Hochkonjunktur. Ende März waren von der Stadtverwaltung bereits mehr Lizenzen ausgestellt worden, als im gesamten Jahr 2015. Mit dem kleinen Waffenschein ist der Besitzer befugt, Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen außerhalb des eigenen Hauses oder Grundstücks mitzuführen. In diese Kategorie fällt Pfefferspray.

Kaufen kann man selbiges aber auch ohne Probleme ohne Schein. Ebenso darf man beispielsweise Schreckschusswaffen zu Hause lagern und „an Silvester zum Böller-Verschießen benutzen“, wie der Horber Polizei-Revierleiter Markus Mast auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE erklärt. „Man darf sie zum Beispiel aber nicht ins Auto legen und damit durch die Gegend fahren.“

Polizei ist immer in der Nähe

Der Trend zum kleinen Waffenschein setzte sich jedoch im Laufe des Jahres nicht fort. Laut Stadtsprecher Christian Volk wurden nur noch vereinzelt Anträge gestellt, ebenso habe es Monate gegeben, in denen gar keine bei der Stadtverwaltung eingingen. Laut Mast gab es auch nicht auffällig viele Zwischenfälle mit Beteiligung „kleiner Waffen“ in Horb. Eine Notwendigkeit, diese mitzuführen, sieht der Revierleiter sowieso nicht. „Ich denke, dass es keinen Anlass gibt, sich in Horb unsicher zu fühlen. Da kann man bedenkenlos auch nachts auf die Straße gehen“, erklärt Mast.

Außerdem sei gewährleistet, dass die Polizei jederzeit für die Sicherheit der Bürger sorgen könne. Auch die Stadtverwaltung spricht davon, dass sich „die Sicherheitslage laut Polizeistatistik nicht verschlechtert, sondern sogar verbessert“ habe. „Daher kann festgehalten werden, dass es keinen Zusammenhang mit dem Anstieg an neuerteilten kleinen Waffenscheinen und dem objektiven Sicherheitsempfinden gibt“, erklärt Stadtsprecher Volk.

Kein Thema bei der Frauenhilfe

„Es ist jedem selbst überlassen, ob er sich etwas zur Verteidigung kauft, wenn er sich damit sicherer fühlt“, ergänzt Revierleiter Mast. Birgit Kluck-Puttendörfer von der Frauenhilfe Freudenstadt bekommt in ihren Beratungen sehr selten etwas von diesem Thema mit. „Bei einer Kollegin hat glaube ich einmal eine Frau erzählt, dass sie sich so etwas angeschafft hat. Aber bei mir ist das noch nie vorgekommen“, erzählt die Beraterin. Sie empfiehlt: „Wenn eine Frau sich damit sicherer fühlt, sollte sie sich ein Pfefferspray kaufen. Allerdings sollten die Betroffenen zuvor ihre Bedrohungssituation richtig einschätzen.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

08.12.2016, 01:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball