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Es gibt viel zu diskutieren!

Die 32. Französischen Filmtage richten den Blick in Problemzonen, wollen aber auch zum Lachen bringen

Der Affe ist wieder in der Stadt. Und immer wenn er auftaucht, sind auch die französischen Filme nicht weit. Nächste Woche Mittwoch beginnen die 32. Französischen Filmtage. Sie versprechen diesmal politischer zu werden als in den vergangenen Jahren.

01.11.2015
  • che/ust

 Die 32. Französischen Filmtage richten den Blick in Problemzonen, wollen aber auch zum Lachen
Der Eröffnungsfilm: "Une famille à louer"

Eine Prise Politik gibt es bereits im Eröffnungsfilm - auch wenn es sich bei Une famille à louer (Familie zu vermieten) offiziell um eine Komödie handelt. Ihr Hintergrund ist allerdings, ähnlich wie in den "Ziemlich besten Freunden", die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich. Paul-André (Benoît Poelvoorde) führt ein Leben in Luxus, und doch fehlt ihm etwas Entscheidendes zum Glück: eine Familie. Da der Unternehmer glaubt, alles sei käuflich, unterbreitet er einer in Geldnöten steckenden allein erziehenden Mutter (Virginie Efira) ein verführerisches Angebot: Paul-André tilgt die Schulden der jungen Frau und darf sich im Gegenzug drei Monate lang bei ihr und den Kindern einnisten - mit vorwiegend heiteren Konsequenzen. Regisseur Jean-Pierre Améris, dessen Gehörlosen-Drama "Die Sprache des Herzens" im letzten Jahr den Verleihförderpreis der Filmtage gewonnen hat, wird zur Eröffnung des Festivals am 4. November anwesend sein.

 Die 32. Französischen Filmtage richten den Blick in Problemzonen, wollen aber auch zum Lachen
Catherine Deneuve und der Gorilla: "Le tout nouveau testament"

So beschwingt wie in dieser Sozialkomödie wird es in den weiteren politischen Filmen des Festivals nicht zugehen. "Bestandsaufnahme" heißt die neue Sektion, die den Fokus auf aktuelle gesellschaftliche Problemzonen Frankreichs und damit auch Europas richtet. Ein Block mit mehreren Filmen und einer Gesprächsrunde beschäftigt sich zum Beispiel mit dem islamistischen Terroranschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo und den Folgen. Auch die diesjährige Retrospektive ist einem profiliert politischen Regisseur gewidmet. Philippe Faucon setzt sich in seinen Filmen hauptsächlich mit dem Verhältnis zwischen eingeborenen und zugewanderten Franzosen auseinander. "Es gibt viel zu diskutieren", verspricht Festivalleiter Christopher Buchholz - gerade auch für Deutsche, die jetzt mit Hunderttausenden Neubürgern klarkommen müssen. Im afrikanischen Fokus, der traditionell ziemlich politisch ist, steht diesmal Burkina Faso, das im Herbst 2014 die Blutherrschaft von Alt-Diktator Compaoré mit einem Volksaufstand beendete.

Wer sich im Kino lieber amüsiert, braucht aber keineswegs zu darben, denn auch Komödien sind dicht gesät. Die vermutlich schillerndste heißt Le tout nouveau testament (Das brandneue Testament) und handelt von keinem Geringeren als Gott (schon wieder Benoît Poelvoorde), der in Brüssel residiert und nach Lust und Laune Menschen piesackt - bis seine kleine Tochter das Mitleid mit den armen Geschöpfen übermannt. Vielleicht als Spätfolge der "Ziemlich besten Freunde" liegen auch Begegnungen der etwas schrägen Art im Trend: Eine ausgeflippte Frau platzt ins Leben eines Einsiedlers (Gaby Baby Doll), ein französischer Transvestit freundet sich in Kambodscha mit einem einheimischen Mädchen an (De l'ombre il y a), eine lebenslustige Französin trifft nach Jahren ihren streng islamischen Bruder (Je suis à vous tout de suite).

 Die 32. Französischen Filmtage richten den Blick in Problemzonen, wollen aber auch zum Lachen
Auf dem Wasser aus der Krise: "Comme un avion"

Die Gästeliste ist auch in diesem Jahr prall gefüllt. Namen, die auch dem Gelegenheits-Kinogänger geläufig wären, finden sich darauf jedoch nicht, von waschechten Stars ganz zu schweigen. Dafür tummelt sich auf den Leinwänden viel Prominenz auch älteren Baujahrs. Catherine Deneuve ist gleich zweimal präsent, unter anderem als Jugendrichterin, die einen jungen Satansbraten auf den rechten Weg führen will (La tête haute). Nach 35 Jahren getrennter Film-Wege treffen sich Isabelle Huppert und Gérard Depardieu zur Trauerarbeit im Valley of Love. Und der mittlerweile 85-jährige Jean Rochefort stemmt sich in Floride gegen die Demenz. Regie-Crack Nummer eins im Programm ist Jacques Audiard, der mit dem Flüchtlingsdrama Dheepan zum dritten Mal in Folge einen der Hauptpreise beim Festival in Cannes gewonnen hat.

 Die 32. Französischen Filmtage richten den Blick in Problemzonen, wollen aber auch zum Lachen
Der Dicke und die Dünne in der Wüste: "Valley Of Love".

Traditionell bieten die Französischen Filmtage aber vor allem auch dem jungen französischsprachigen Kino ein Forum. Dessen Domäne ist der Internationale Wettbewerb, in dem neun Nachwuchsfilme aus Frankreich, Kanada, Belgien und Tunesien vertreten sind. Dem Sieger, den eine dreiköpfige Jury kürt, winken 5000 Euro, die noch der jüngst verstorbene Kinobetreiber und Filmtage-Mäzen Volker Lamm gestiftet hat. Auch das Publikum darf abstimmen: Es wählt den Gewinner des mit 20000 Euro dotierten Verleihförderpreises.

Von der Eröffnungsroutine werden die Filmtage in diesem Jahr auch deshalb abweichen, weil die langjährige Festival-Chefin Stefanie Schneider nicht mehr moderieren wird. Wie das neue Konzept aussieht, wurde vorab noch nicht verraten. Buchholz und Pressefrau Andrea Bachmann plauderten nur aus, dass sie die Begrüßung gemeinsam übernehmen werden.

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01.11.2015, 12:00 Uhr

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