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Mit Erotik-Roman abgelenkt

Filmtage-Gast Denis Robert hat den Thriller "L'Enquête" über Geldwäsche selbst durchlebt

Seine Recherchen zum Luxemburger Finanzinstitut Clearstream brachten dem Journalisten Denis Robert eine zehnjährige Prozessflut ein. Nun ist der Filmtage-Gast Held des Politthrillers "L'Enquête". Im TAGBLATT-Gespräch sagte der 57-Jährige: "Es ist seltsam, sich selbst als Filmfigur zu sehen."

10.11.2015
  • Dorothee Hermann

 Filmtage-Gast Denis Robert hat den Thriller "L'Enquête" über Geldwäsche selbst durchlebt
Denis Robert in natura ...

Denis Robert hat einen Doppelgänger auf der Leinwand. Der Thriller von Vincent Garenq zeigt, wie die Staatsmacht unvermittelt in das Leben des französischen Journalisten (gespielt von Gilles Lellouche) einbricht. Mit großen Augen sehen Ehefrau und Kinder zu, wie Polizisten Akten und Computer - seine Arbeitsgrundlage - beschlagnahmen.

Kurz zuvor hatte Robert bei der linksliberalen Pariser Tageszeitung "Libération" gekündigt, um Bücher zu schreiben: Der Band "Revelation$" über Geschäfte des Luxemburger Finanzinstituts Clearstream hatte 2001 wie eine Bombe eingeschlagen. Der zentrale Vorwurf: Bei Clearstream (vormals: Cedel International) gebe es geheime Konten, die für Geldwäsche und Steuerhinterziehung genutzt würden.

Er würde gern in Frankfurt weitergraben

Das Institut verwahrt Wertpapiere für Banken. Allein im Jahr 2013 sollen Werte von knapp 12 Billionen Euro verbucht worden sein. Clearstream, im Besitz der Deutschen Börse in Frankfurt, ist damit unter den größten Playern im weltweiten Wertpapierhandel. "Wenn ich deutscher Journalist wäre, würde ich in Frankfurt recherchieren", sagt Robert. Nach seinen Recherchen wurde das Banken-Institut entgegen seinem Statut auch von multinationalen Unternehmen genutzt. "Clearstream war ein essentielles Instrument für die Mafia", sagt er heute.

 Filmtage-Gast Denis Robert hat den Thriller "L'Enquête" über Geldwäsche selbst durchlebt
... und als von Gilles Lellouche gespielte Filmfigur im Politthriller "L'enquête".

Clearstream wehrte sich mit Verleumdungsklagen. Im Film berichten Roberts Informanten von massiven Bedrohungen bis hin zu lebensgefährlichen Manipulationen an ihrem Auto. Sein Leinwand-Ich ist zwar besessener Rechercheur, doch auch ein sympathischer Familienmensch. In seinem sportiven Saab-Cabrio hängt er schon mal verdächtige Verfolger in einer dicken Limousine ab.

"Der Film war ein großer Erfolg in Frankreich", sagt Robert. "Die Leute sahen das Ausmaß der Clearstream-Affäre." 2011 war er vom französischen Kassationsgericht freigesprochen worden. Die Begründung: Seine Recherchen seien von der Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt. Dass er nun zur Filmfigur geworden ist, gebe ihm auch wieder Energie.

Der Journalist wirkt gelassen, nicht wie ein Mensch, der zehn Jahre lang durch die Mühle endloser Gerichtsverfahren gedreht wurde. Wie er diese Zeit durchgestanden hat? Er schrieb Romane, beispielsweise "Le Bonheur" (Das Glück) das sich mit 300000Exemplaren sehr gut verkaufte. "Mit dem Geld konnte ich die Anwälte bezahlen, die ich gegen Clearstream brauchte." In dem Buch geht es um ein uraltes Thema: ein Mann und eine Frau, die einander gefallen, einander aus dem Weg gehen, einander finden - es ist ein erotischer Roman. "Wenn ich mich nur auf Clearstream konzentriert hätte, wäre ich verrückt geworden", sagt Robert. Er verfasste weitere Romane und auch ein Theaterstück.

Ein Roadmovie durch Lothringen

Nach Tübingen hat er einen eigenen Film mitgebracht. Gemeinsam mit seiner Tochter Nina por-trätierte er den "Charlie Hebdo"-Mitgründer Francçois Cavanna, der sein zweites Satiremagazin "Hara Kiri" lange vor den derzeitigen rechtspopulistischen "Lügenpresse"-Anwürfen mit dem Zusatz "Journal bête et méchant" (dumm und böse) versehen hat. Cavanna gilt als einer der Wegbereiter des Mai 1968 in Frankreich. Er starb ein Jahr vor dem Terroranschlag auf "Charlie Hebdo".

Derzeit arbeitet Robert an seinem ersten Spielfilm, einem Roadmovie durch Lothringen, einer vormals prosperierenden Region, in der die Fabriken zugemacht haben. "Es ist eine Liebesgeschichte zwischen Vater und Sohn."

Info: "L'Enquête" läuft am Dienstag, 10. November, um 22.45 Uhr, im Arsenal (deutsche Untertitel). "Cavanna" ist um 22.30 Uhr im Museum zu sehen. Deutsche Untertitel.

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10.11.2015, 12:00 Uhr

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