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Elend trifft Hoffnung

Fokus Afrika der Französischen Filmtage nimmt den Westen des Kontinents ins Visier

Ist Westafrika ein trostloser Landstrich, den man als Einheimischer am besten so schnell wie möglich in Richtung Europa verlässt? Ja und nein. Die Filme im Fokus Afrika der Französischen Filmtage zeigen sowohl das Elend der Region als auch Ansätze, die Grund zur Zuversicht bieten.

03.11.2015
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 Fokus Afrika der Französischen Filmtage nimmt den Westen des Kontinents ins Visier
Politthriller über einen ehemaligen Kindersoldaten: "L’Oeil du cyclone"

Manchmal kommt es auch vor, dass – frei nach Hölderlin – die Hoffnung aus dem Elend erwächst. So rekonstruiert der Dokumentarfilm La sirène de Faso Fani die Geschichte einer Textilfabrik in Burkina Faso, die einst der Stolz des Landes war, 2001 aber auf Drängen des IWF geschlossen wurde. Tausende verloren ihre Arbeit. Doch im Schatten der Ruine haben sich inzwischen viele Frauen mit traditionellem Handwerk und einfachen Webstühlen eine neue Existenz aufgebaut. „Die Geschichte soll illustrieren, welchen Einfluss die Weltwirtschaft auf das Leben in einer kleinen Stadt in Afrika hat“, sagt der Regisseur und Festival-Gast Michel K. Zongo.

Von den Schwierigkeiten industrieller Entwicklung in Afrika handelt auch La lune est tombée. Drei Jugendfreunde wollen in Guinea eine Mineralwasserfirma gründen, stoßen aber auf gewaltige Widerstände. Regisseur Gahité Fofana entwickelt daraus das Sozialpanorama eines Landes, in dem die Mehrheit am modernen Wirtschaftsleben kaum teilhaben kann.

Auf dem Grat zwischen Misere und Zuversicht balancieren auch zwei Filme, die in die sozialen Problemzonen der senegalesischen Hauptstadt Dakar führen. Schauplatz von Mbeubeuss ist eine gigantische Müllkippe am Stadtrand. Ein Mann findet dort eines Tages ein ausgesetztes Baby, das im Kreis der Müllsammler zu einem selbstbewussten Jungen heranwächst. Morbayassa handelt von einer jungen Frau, die sich als Sängerin und Prostituierte durchschlägt. Mit dem Ersparten will sie nach Frankreich fliehen, wo ihre Tochter in einer Pflegefamilie lebt. Doch die Nachtklub-Mafia stellt sich quer. Regisseur Cheick F. Camara hat 2007 mit seinem Film "Il va pleuvoir sur Conakry" den Publikumspreis der Filmtage gewonnen.

Um Politik geht es schließlich in zwei Filmen aus Burkina Faso, dem Angelpunkt der westafrikanischen Filmkultur. Die Dokumentation Eine afrikanische Revolution zeichnet anhand von Videoaufnahmen und Interviews die Ereignisse nach, die am 31. Oktober 2014 zum Sturz des Diktators Blaise Compaoré führten. Der Spielfilm L’Oeil du cyclone erzählt von der Begegnung einer jungen Anwältin und einem ehemaligen Kindersoldaten, der als Rebellenführer Kriegsverbrechen begangen haben soll. Das Drama war in diesem Jahr der große Preis-Abräumer beim wichtigsten afrikanischen Filmfestival in Ouagadougou.

Filmemacher und Experten diskutieren am Samstag, 7. November, um 16 Uhr im Atelier über das Kino und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen in Afrika.

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03.11.2015, 12:00 Uhr

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