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 Netzwerkdrucker spucken antisemitische Hetze aus
Netzwerkdrucker der Uni Tübingen spuckten am Mittwoch rechte Hetze. Montage: Schweizer
Cyber-Angriff auf die Universität

Netzwerkdrucker spucken antisemitische Hetze aus

Vermutlich ist es kein Zufall, dass ausgerechnet am 20. April, an Hitlers Geburtstag also, Netzwerkdrucker der Uni Tübingen antisemitische Pamphlete mit einem Zitat aus „Mein Kampf“ ausspuckten. Laut Uni-Sprecherin Antje Karbe steckt ein Hackerangriff dahinter.

21.04.2016
  • hz

Tübingen. „Europa, erwache!“ – so ist der Ausdruck überschrieben, der am Mittwoch in 190-facher Ausführung aus Druckern der Universität kam. Viele Mitarbeiter, die das von rechter Hetze strotzende Dokument im Ausgabeschacht entdeckten, befürchteten zunächst, ein Kollege könne dahinterstecken. Im Laufe des Tages gingen aber ähnliche Meldungen aus verschiedenen Instituten bei Rechenzentrum und Rechtsabteilung der Uni ein. Später wurde bekannt, dass weitere Universitäten, unter anderem Hamburg und Erlangen-Nürnberg, betroffen waren.

Die Uni Tübingen will den genauen Wortlaut der Ausdrucke nicht preisgeben. Man befürchtet, sich selbst der Verbreitung rechtsradikalen Gedankenguts schuldig zu machen. In dem Text, der dem TAGBLATT vorliegt, geht es um „die Worte eines früheren europäischen Führers“. Es folgt ein Zitat aus „Mein Kampf“, in dem Adolf Hitler über Juden und Schwarze schrieb, gefolgt von wilden Verschwörungstheorien.

Laut Pressestelle hat die Zentrale Datenverarbeitung der Uni bereits am Mittwochabend die Sicherheitslücke geschlossen. In den Ausdrucken fehlten die deutschen Umlaute, was als Hinweis gewertet wird, dass der Angriff von einem Rechner in den USA ausgegangen sei. Das bedeute aber nicht zwangsläufig, dass der Hacker selbst in Amerika sitzt. Sorgen um die Sicherheit persönlicher Daten im Tübinger Uni-Netz müsse man sich nicht machen. Offenbar wurden ausschließlich internetfähige Drucker angesteuert.

Der Vorfall erinnert an einen Cyber-Angriff im März, bei dem US-Unis mit Ausdrucken antisemitischer und rassistischer Flyer überflutet worden waren. Ein Hacker bekannte, das Pamphlet auf tausende öffentlicher Netzwerkdrucker geschickt zu haben. Nach den Angriffen vom Mittwoch ermittelt der Staatsschutz wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Laut Polizei hat auch mindestens ein privater internetfähiger Drucker volksverhetzende Schriftstücke automatisch ausgegeben. Bei allen betroffenen Druckern handelte es sich um Geräte, die direkt über das Internet angesteuert werden können, so die IT-Spezialisten der Kriminalinspektion Cyberkriminalität.

Zum Schutz vor derartigen Angriffen empfiehlt die Polizei, mit dem Internet verbundene Drucker oder Druckernetzwerke entsprechend zu sichern: Druckerkonfigurationen und Netzwerke könnten durch Passwörter geschützt werden. Werkseitig vorgegebene Standardpasswörter müssten aber rasch durch eigene, möglichst mehrstellige und mit Zahlen und Sonderzeichen versehene Passwörter ersetzt werden, um zumindest einen gewissen Schutz zu gewährleisten. Betroffene Behörden oder Wirtschaftsunternehmen können sich an die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg wenden.

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21.04.2016, 14:20 Uhr

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