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Öffentliche Tiefgarage soll Kosten senken

Planungsausschuss stimmte Ideen für Neubaugebiet am Hechinger Eck zu

Dauerhaft günstiger Wohnraum soll nach dem Willen der Stadt am Hechinger Eck entstehen. Die Vorschläge einer Expertengruppe waren am Montag Thema im Planungsausschuss. Diskussionsstoff barg die große Tiefgarage, die unter dem Areal geplant ist.

27.04.2016
  • Philipp Koebnik

Tübingen.„Das ist genau das, was wir wollten“, stellte Susanne Bächer (AL/Grüne) nach der Debatte am Montag zufrieden fest. Drei Häuser mit rund 200 Wohnungen sollen nach Vorstellung der Stadt am Hechinger Eck nördlich der Heinlenstraße gebaut werden. Ein erster Entwurf aus dem Jahr 2009 hatte noch deutlich weniger Wohneinheiten vorgesehen. Nun ist an fünfgeschossige Gebäude gedacht. Die Grundstruktur wurde jedoch beibehalten, wie Projektplaner Uwe Wulfrath erläuterte. Gebäude dieser Höhe würden sich in diesem Gebiet gut einfügen. Im Erdgeschoss ist an „städtebaulich wichtigen Stellen“, vor allem an den Seiten zur Straße hin, eine gewerbliche oder öffentliche Nutzung vorgesehen.

Nicht nur die neuen Bewohner werden Autostellplätze brauchen. Durch den Neubau fallen außerdem der städtische Parkplatz und die Stellplätze der GWG weg. Zudem wird es das automatische Parkhaus am Lorettoplatz bald nicht mehr geben (siehe Kasten). Auch für diesen zusätzlichen Bedarf muss also eine Lösung gefunden werden. Die Expertengruppe plädierte deshalb für eine große Tiefgarage. Zwar sind Tiefgaragen vergleichsweise kostspielig, doch sei ein Parkhaus an dieser Stelle städtebaulich nicht vertretbar – Tübingens knappes Bauland solle lieber für die Schaffung von Wohnraum verwendet werden, sagen die Fachleute.

Um die Kosten möglichst gering zu halten, soll die Tiefgarage eingeschossig sein und sich über das gesamte Baugebiet erstrecken. Zudem soll es einen öffentlichen Parkbereich geben. Bauherr dieser Tiefgarage mit etwa 380 Stellplätzen sind die Stadtwerke. Nicht jeder Wohnung würde ein Stellplatz zugeteilt – wer einen solchen braucht, kann ihn mieten. So entstehen weniger Kosten, wodurch die Mieten bezahlbar bleiben sollen.

Die Ausschussmitglieder diskutierten die Tiefgaragen-Idee ausführlich. Denn der Preis für eine solche Garage wäre der Verzicht auf Kellerräume. Stattdessen soll es Abstellkammern in den Wohnungen geben. Ulf Siebert (Tübinger Liste) bemängelte, dass ein Keller in den heißen Sommermonaten gebraucht werde, um Lebensmittel zu lagern. Und Ute Leube-Dürr (SPD) kritisierte, dass manche Dinge schlichtweg zu groß seien für eine Kammer in der Wohnung.

Wulfrath stellte klar, dass es Gemeinschaftsräume geben werde, etwa für Kinderwagen. Ebenso sei an Plätze für Fahrräder gedacht. Allerdings wolle die Stadt die Mieten möglichst gering halten. Der Projektplaner machte deshalb auch deutlich, dass diese Zielvorgabe durchaus „Konsequenzen für die Wohnqualität“ habe. Baubürgermeister Cord Soehlke betonte die hohen Kosten, die der Bau von Kellerräumen verursacht. „Mein Keller ist fast leer, der ist definitiv falsch angelegtes Geld“, ulkte er.

„Könnte man den Bewohnern nicht erlauben, ihren Garagenstellplatz in einen Keller umzubauen, zum Beispiel mit einem kleinen Mäuerle?“, wollte Gotthilf Lorch (Die Linke) wissen. Diesem Vorschlag erteilte Wulfrath allerdings mit Verweis auf die Brandschutzbestimmungen eine Absage. Darüber hinaus wollte Lorch wissen, ob man barrierefrei von der Tiefgarage in die Wohnungen gelangen werde. Wulfrath bejahte dies. Allerdings werde es keinen direkten Weg gehen – Betroffene müssten die Straße überqueren.

Die Grundstücke sollen in einem Ideen-Wettbewerb zu Festpreisen vermarktet werden. Ausdrücklich begrüßt die Stadtverwaltung die Bewerbung von Genossenschaften. Man suche Eigentümer, so Wulfrath, „die sich an den Kosten orientieren, statt daran, was am Markt erzielbar ist“. Auch Erbbau soll möglich sein, sagte Soehlke. Geplant sind Infoveranstaltungen mit Experten zum Thema „Bezahlbares Wohnen“. Dort sollen „vorbildhafte Projekte“ aus anderen Städten vorgestellt werden.

Um Kosten zu sparen, sollen Balkone so gebaut werden, dass sie auf eigenen Stützen stehen. Eine städtische Vorgabe, die über die Anforderungen der seit Januar geltenden Energieeinsparverordnung hinausgeht, soll ausgesetzt werden. Denn die Mehrkosten, die eine weitergehende Wärmedämmung mit sich brächte, stünden in keinem Verhältnis zur Energieersparnis, sagte Stadtplanerin Barbara Landwehr.

Tiefgarage soll automatisches Parkhaus ersetzen

Die automatischen Bereiche der Parkhäuser im Französischen Viertel und am Lorettoplatz bereiten den Stadtwerken seit einiger Zeit Sorgen. Beide „verzeichnen einen laufend erhöhten Instandhaltungs-, Service- und Reparaturaufwand“, wie Wilfried Kannenberg, Geschäftsführer der Stadtwerke, auf Anfrage mitteilte. Eine Sanierung sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Für das 2003 eröffnete automatisierte Parkhaus im Loretto prüfe man derzeit, „die Parkflächen des Unter- und Erdgeschosses als konventionelle Parkplätze stehen zu lassen und den Raum darüber nutzbar zu machen“. Ersatz für die wegfallenden Plätze soll ein öffentlicher Parkbereich in der geplanten Tiefgarage am Hechinger Eck bieten.

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27.04.2016, 01:00 Uhr

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