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„… nicht zum Parkplatz der Altstadt werden“
Pfleghofstraßen-Geschäftsleute wollen weniger Autos und Laster vor ihren Schaufenstern

„… nicht zum Parkplatz der Altstadt werden“

Gewerbetreibende fürchten um ihre Existenz: Die Pfleghofstraße, ohnehin am Rande der Altstadt gelegen, werde zunehmend zum Parkplatz von Lieferdiensten und teils auch Handwerkern. Sollte die Altstadt künftig mit Pollern geschützt werden, fordern sie die Einbeziehung der Pfleghofstraße.

25.07.2015
  • Volker Rekittke

Tübingen. Freitagvormittag in der Pfleghofstraße: Eine Frau fährt mit ihrem Kleinwagen um die Ecke vom Holzmarkt hoch, bremst vor drei Fußgängerinnen. Die Fahrerin schimpft aus dem Wagen heraus, fährt weiter, parkt vor einem der Geschäfte und geht ihrer Wege.

„Die Pfleghofstraße wird als Parkplatz missbraucht“, sagt Barbara Binder vom Recycling-Laden „Skatje“. Häufig seien ihre Schaufenster von eng davor parkenden Lieferfahrzeugen verdeckt, während die Mitarbeiter diverser Paketdienste ihre Sendungen verteilen. Hinzu kommen Autos, die durch die ausgewiesene Fußgängerzone zum Holzmarkt oder Pfleghof fahren.

„Wenn hier überall Autos und Laster parken oder fahren, läuft kaum noch jemand durch die Straße“, ist auch Susanne Wilhelms Erfahrung. Die Goldschmiedemeisterin hat ihre Schmuckwerkstatt gleich nebenan. Wie Friseur Leonardo Lumetta und Siham Jardini („Petit Marrakech“) begrüßen die beiden Frauen die Neugestaltung der Straße im vergangenen Jahr. Zugleich haben alle Angst um ihre Existenz – falls die Poller kommen, die nur einen Teil der Altstadt vor Verkehr schützen sollen. Wie berichtet, will die Verwaltung Neckargasse, Holzmarkt, Kirchgasse und Marktplatz zur autofreien „grünen Zone“ erklären, in der Lieferwagen verboten sind. Mögliche Standorte für (versenkbare) Poller sind das obere Ende der Neckargasse, der Pfleghofstraßen-Zugang vom Holzmarkt her und die Ecke Kornhausstraße/Marktgasse auf Höhe des Stadtmuseum-Eingangs.

„Man kann nicht einen Teil der Altstadt schützen und den anderen kaputt gegen lassen“, sagt Wilhelm. Die Befürchtung der Geschäftsleute: Noch mehr Lieferdienste und Handwerker als bisher schon würden künftig die Pfleghofstraße als „Parkplatz der Altstadt“ missbrauchen – Holzmarkt & Co. wären dann ja dicht. „Die Tübinger Altstadt ist eine Perle“, sagt Binder, „die nicht mit Autos zugestellt werden darf.“ Die vier fordern: Falls Poller kommen, dann besser gleich ans Ende der Pfleghofstraße, Höhe Alnatura. Für Binder kommt das auf jeden Fall zu spät, sie muss ihr Geschäft Mitte August schließen. Der Straßenumbau vergangenes Jahr sowie zwei monatelange Hausumbauten mit viel Handwerkerverkehr hätten ihrem Geschäft das Genick gebrochen.

„Über die Standorte der Poller kann man diskutieren“, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer – die Verwaltungsvorlage sei „ein erster Entwurf“, manches noch offen. Klar ist für ihn, dass der Zulieferverkehr irgendwo unterbrochen werden muss. Ob Poller am Anfang der Pfleghofstraße funktionieren, kann Palmer auch wegen des Polizeipostens nicht sagen: „Der Pfleghof muss für Polizei und Justiz erreichbar bleiben.“ Dauerparkplätze für Paketdienste sollten dort keinesfalls entstehen – das werde auch kontrolliert. Einspruch kommt von Susanne Wilhelm: Bei großen Märkten wie der ChocolART hätten einige Händler die 30 Euro Bußgeld fürs Falschparken in der Pfleghofstraße „bereits einkalkuliert“, ist sie sicher.

Eine Lösung für die Pfleghofstraße könnten die bereits angedachten versenkbaren Poller sein. Funkempfänger gäbe es laut Palmer „nur für einen engen Kreis von Berechtigten“, darunter Feuerwehr und Polizei. „DHL bekommt keinen.“

Das Thema soll nun nach der Sommerpause erneut in den Gemeinderat kommen.

„… nicht zum Parkplatz der Altstadt werden“

„… nicht zum Parkplatz der Altstadt werden“

Zuletzt wurde der Verkehr in der Altstadt am Montag und Dienstag, 7. und 8. November 2011, gezählt, und zwar in der Neckargasse, der Kronenstraße, der Neuen Straße, der Haaggasse und der Kornhausstraße. Zwischen 8 und 16 Uhr fuhren dort 50 Anwohner, 37 Beschäftigte, 139 Lieferanten, 104 Handwerker, 7 Marktbeschicker, 6 Soziale Dienste, 78 Rettungsfahrzeuge bzw. Polizei und 87 Autos ohne Ausnahmegenehmigung. Besonders „auf den Prüfstand“ stellen will die Verwaltung nun den Lieferverkehr, der 27 Prozent der Fahrten ausmacht, die Handwerker (20 Prozent), unberechtigte Nutzer (17 Prozent) – und auch die Ausnahmegenehmigungen (10 Prozent).

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25.07.2015, 12:00 Uhr

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