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24.11.2015

21 Jahre nach seinem Welterfolg mit „Amadeus“ hat sich Regisseur Milos Forman wieder einen großen Meister der abendländischen Kultur vorgeknöpft: den Maler Francisco de Goya. Eine Witzfigur sollte man jedoch nicht erwarten – dazu sind die politischen Verhältnisse in Spanien an der Schwelle zum 19. Jahrhundert zu trist.

Während in Frankreich die Revolution tobt, hat die Inquisition das Land im Würgegriff. Zwar kann Goya (Stellan Skarsgård) als Protegé der Königin unbehelligt antiklerikale Karikaturen unters Volk bringen, doch bei seiner Muse Inès (Natalie Portman) schlagen die katholischen Finsterlinge erbarmungslos zu. Weil das Mädchen kein Schweinefleisch mag, wird es wegen „judaistischer Umtriebe“ gefoltert, vergewaltigt und lebendig in einem Kerker begraben.

Ob sich das wirklich so zugetragen hat, spielt keine Rolle. Formans Anliegen ist keine verbürgte Künstlerbiografie, sondern ein Zeitbild, in dem Goya selbst als teilnehmender Beobachter mehr am Rand steht.

Hauptfigur ist der Wendehals Lorenzo (Javier Bardem), der als fanatischer Katholik und später als glühender Napoleon-Fan der gleiche Charakterlump bleibt. Die Eckpunkte der Geschichte ergeben sich aus Goyas Bildern: von den Adligen-Porträts über die berühmten Gräuel-Graphiken vom Krieg und den Gemälden von der Niederschlagung des Volksaufstands bis zu den schwer zu entschlüsselnden Stichen und Skizzen surrealen Gehalts.

Diese Verknüpfung ist im Großen und Ganzen geglückt, auch wenn es in den Tiefen der Handlung in punkto Logik zuweilen gewaltig knirscht. Aber Forman geht es auch mehr um zeitlose Fragen wie die Rolle des Künstlers in der Diktatur und der Revolution oder den Opportunismus der Mächtigen. Wer will, findet viele Parallelen sowohl zu Formans eigener Biografie (er floh 1968 aus der CSSR in die USA) als auch zur aktuellen Weltlage (religiöser Fundamentalismus, Irak). – Kein rundum gelungener Film, aber einer, über den sich lange zu diskutieren lohnt.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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