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Erinnerungen an das erste Mal

10 Kilometer, 10 Wochen, 10 Läufer: TAGBLATT-Serie zum Stadtlauf beginnt

Seit Dienstag läuft das Vorbereitungstraining für den Erbe-Stadtlauf mit Dieter Baumann. TAGBLATT-Mitarbeiter Moritz Siebert ist einer von rund 60 Teilnehmern und berichtet über seine Erfahrungen – und seine Erinnerungen an seinen letzten Start beim Stadtlauf vor 20 Jahren.

24.07.2014
  • ST

Es war Anfang, Mitte der neunziger Jahre. Wir waren zugezogen und ich war noch keine zehn Jahre alt. Im Leichtathletikverein TSV Trochtelfingen wusste der Trainer zunächst nicht richtig, was er mit mir anfangen sollte. Was meine Stärke ist, stellte sich aber bald heraus: „Du bisch en stercher Siach. Aber laufa kosch.“ Den zweiten und vermutlich auch wichtigeren Teil der wegweisenden Erkenntnis hatte ich verstanden (den ersten ehrlich gesagt bis heute nicht). Und mir war damals auch völlig klar, dass es nicht unbedingt als Lob aufzufassen ist, wenn man zum Läufer geadelt wird – denn zum Läufer geadelt wurden vor allem diejenigen, die weder Werfen noch Springen konnten oder sich sonst eher dämlich mit Sportgeräten anstellten. Aber das Tolle am Läufersein war, dass man mit nach Tübingen fahren durfte, um beim Stadtlauf zu starten.

Klar fuhr ich damals mit, um eine gute Platzierung beim Schülerlauf zu laufen. Aber eigentlich ging es den Trochtelfingern vor allem darum, eine Autogrammkarte von Dieter Baumann zu ergattern. Ich erinnere mich noch gut daran, wie Dieter Baumann damals auf der Neckarbrücke in einer Menschentraube stand und Autogrammkarten verteilte. Kinder dürfen sich Vordrängeln, sagte ich mir, wenn ein Kind so etwas macht, ärgern sich die Leute nicht. Ich drängelte, was das Zeug hielt, und stand plötzlich ganz vorne vor Dieter Baumann. Und dann wäre eigentlich alles perfekt gewesen, wenn er auch nur noch eine einzige Autogrammkarte übrig gehabt hätte.

Hatte er aber nicht. Und erst sehr viel später fragte ich mich, wie sich Tendai Chimusasa an diesem Tag wohl gefühlt haben muss, als dieses Rotz und Wasser heulende Kind, das keine Dieter-Baumann-Autogrammkarte abbekommen hatte, sich zum Trost eine von ihm holte. Chimusasa hatte an diesem Tag immerhin den Stadtlauf gewonnen und Baumann war nur Zweiter geworden, versuchte ich mir die Sache schönzureden. Aber es funktionierte nicht.

Rund 20 Jahre später habe ich die Ehre, beim Stadtlauftraining mit Dieter Baumann teilzunehmen. Und um ehrlich zu sein, so richtig nach Ehre fühlt es sich beim ersten Trainingstag noch nicht an. Ich werde ohne Umwege in die Anfängergruppe einsortiert. Zugegeben, ich trainiere völlig zurecht in der Anfängergruppe. In den vergangenen Jahren hatte ich nur sporadisch mit Laufschuhen zu tun. Zwar habe ich immer wieder versucht, regelmäßig Sport zu machen. Aber regelmäßig bedeutete dann, alle zwei Monate.

Und ja, zugegeben, eigentlich fühle ich mich auch pudelwohl in der Anfängergruppe. Während Baumann die Fortgeschrittenen gleich auf eine 8-Kilometer-Runde schickt, gehen Tanja Paetz und Annika Götze vom Sportinstitut sehr behutsam mit uns rund 20 Anfängern um. Eine Minute Laufen und eine Minute Gehen im Wechsel. Da besteht keine Gefahr, dass ich mich blamiere, und trotzdem fühle ich mich schon ziemlich sportlich.

Beim anschließenden Dehnen sieht es anders aus. „Immer an der individuellen Grenze orientieren“, rät Annika Götze. Nur ist die bei mir halt ziemlich schnell erreicht. Ich schaffe es weder mit den Fingerspitzen meine Zehen zu berühren, noch mit den Fersen meinen Po. Das einzige, was noch schlimmer ist, ist das Kräftigungstraining: Es knackt bei jeder Kniebeuge – und komischerweise nicht nur in den Knien, sondern in allen Gelenken.

Es ist zweifellos höchste Zeit, dass ich wieder mit Sport beginne. Und ich bin zuversichtlich, dass ich die Laufschuhe nicht erst wieder in zwei Monaten schnüren werde, sondern in zwei Tagen. Beim nächsten Training stehen zwei Minuten Laufen und eine Minute Gehen im Wechsel an.

10 Kilometer, 10 Wochen, 10 Läufer: TAGBLATT-Serie zum Stadtlauf beginnt
Vorbereitung auf den Stadtlauf: Auftakttraining im Regen.Bild: Metz

10 Kilometer, 10 Wochen, 10 Läufer: TAGBLATT-Serie zum Stadtlauf beginnt

In einer Serie stellt das TAGBLATT Läuferinnen und Läufer vor, die sich beim gemeinsamen Training auf den Erbe-Stadtlauf am 21. September vorbereiten. Die Beiträge erscheinen wöchentlich.
Bereits am Dienstag war Auftakt für das gemeinsame Training, das Lauf-Asse aus der Region leiten. Der Einstieg ist aber immer noch möglich. Trainiert wird dienstags und donnerstags um 18 Uhr bei der Finnbahn der Universitätssporthalle in der Alberstraße. Einsteiger und wenig trainierte sind willkommen.

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24.07.2014, 12:00 Uhr

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