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VW-Krise breitet sich aus

100 000 Benziner betroffen - Neue Verhandlungen mit US-Behörde

Der Abgas-Skandal nimmt Fahrt auf. Nun gibt es auch noch "Unregelmäßigkeiten" beim Kohlendioxid. Das Krisenmanagement von VW wirkt unglücklich. US-Regulierer fahren eine knallharte Linie.

05.11.2015

Von DPA/VT

Wolfsburg/Stuttgart Nach dem Vorwurf von Manipulationen auch an größeren Dieselmotoren gibt Volkswagen zu: Nicht nur Stickoxide, auch klimaschädliches Kohlendioxid dürfte von vielen Modellen in größeren Mengen ausgestoßen worden sein als angegeben. Auch 98 000 Benzinmotoren seien betroffen.

Der Abgas-Skandal bei VW erreicht damit eine neue Dimension. Mit ihren neuen Anschuldigungen hat die US-Umweltbehörde EPA den ohnehin schon massiven Druck auf den Volkswagen-Konzern weiter erhöht. Nach der Eskalation versucht man bei VW den Eindruck eines Missverständnisses zu erwecken, das im Dialog beseitigt werden könnte. Doch die Fronten sind verhärtet.

Wer sich bei VW umhört, stößt auf Zerknirschtheit. Dass die EPA mit neuen Vorwürfen an die Öffentlichkeit ging, sei eine Überraschung gewesen. Eigentlich hatte man geglaubt, das Problem vorher klären zu können.

Doch anders als am 18. September, als die EPA die Abgas-Affäre ins Rollen brachte, kamen diesmal keine reumütigen Reaktionen aus Wolfsburg. Stattdessen wurden die Vorwürfe rasch zurückgewiesen. Die Software, um die es nun gehe, sei absolut legitim und diene nicht der Schummelei. Es folgte zwar die Zusage, mit der EPA zu kooperieren. Einen Machtkampf will man sowieso nicht riskieren.

Aber hinter den Kulissen steigt offenbar das Unverständnis und der Frust. So ließ sich ein VW-Sprecher im "Wall Street Journal" mit den Worten zitieren: "Was hier zur Debatte steht, ist klar: Wollen die USA Wettbewerb im amerikanischen Markt oder nicht?" Das ist Wasser auf die Mühlen der Kommentarspalten im Internet. Die Wahrnehmung, es handele sich beim rigorosen Durchgreifen der US-Behörden gegen VW um eine Angelegenheit nationaler Wirtschaftsinteressen, um die heimische Autoindustrie zu schützen, ist durchaus verbreitet.

Unverständnis ruft vor allem der Eindruck hervor, dass andere Autobauer von US-Regulierern sanfter angepackt würden. So zahlte beispielsweise der US-Branchenführer General Motors trotz heftiger Vertuschungs- und Schlampereivorwürfe bei einer Pannenserie, die mindestens 124 Menschen das Leben kostete, eine vergleichbar geringe Summe von 900 Mio. Dollar (825 Mio. EUR). Bei VW hingegen steht eine Strafe von bis zu 18 Mrd. Dollar (16,5 Mrd. EUR) im Raum, auch wenn es sich dabei um ein rein theoretisches Höchstmaß handelt.

Nun hoffe man bei VW, das Problem bei einem Gespräch mit der EPA heute auszuräumen. Doch das dürfte nicht einfach werden.

Nach den neuen Vorwürfen stoppt die Tochter Porsche den Verkauf des Geländewagens Cayenne mit Dieselmotor in den USA. Man habe den Verkauf der entsprechenden Modelle vorerst eingestellt, sagte ein Sprecher in Stuttgart. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Der Sprecher wies darauf hin, dass man die Vorwürfe noch prüfe und mit der EPA kooperiere.

Der neue Vorstandschef Matthias Müller versprach erneut eine "schonungslose" Aufklärung. Diese erwartet die Bundesregierung auch von VW. Die falschen CO2-Angaben dürften nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) keine Steuer-Nachzahlung für Kunden nach sich ziehen.

Das Kraftfahrt-Bundesamt will die Hintergründe klären. Auf die Frage, warum dem KBA die höheren Werte nicht schon früher aufgefallen sind, antwortete ein Sprecher: "Das ist jetzt zu klären. Da befinden sich die Kollegen in einer Phase des Erkenntnisgewinns."

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Erstellt:
5. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. November 2015, 12:00 Uhr

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