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Immer mehr Abiturienten im Handwerk

11,3 Prozent der Lehrlinge haben die Reifeprüfung und lassen die Betriebe hoffen

Im Bezirk der Handwerkskammer Reutlingen ist der Anteil der Azubis mit Abitur deutlich gestiegen. Er lag 2014 bei den neuen Lehrlingen bei 11,3 Prozent – und damit mehr als doppelt so hoch wie fünf Jahre zuvor.

27.05.2015
  • ST

Reutlingen. Das Ergebnis im Kammerbezirk mit seinen Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb liegt damit im oberen Drittel der baden-württembergischen Kammern und über dem Landesdurchschnitt von 10,5 Prozent.

Das liege aber nicht allein daran, dass bei weniger Schulabgängern insgesamt die Zahl der Abiturienten gewachsen sei, erklärt die Handwerkskammer. Denn während hier der Anstieg nur moderat ausfiel, konnte das Handwerk bei den Abiturienten sehr deutliche Zugewinne verzeichnen. „Wir freuen uns über diese Entwicklung, denn sie zeigt, dass das Handwerk für Abiturienten eine echte Alternative ist“, sagt Joachim Eisert, Hauptgeschäftsführer der Kammer.

Dass sich das Spektrum von Abiturienten bei der Berufswahl erweitere und der Weg nicht zwangsläufig vom Gymnasium an die Universitäten führen müsse, könne viele Betriebe hoffen lassen. Denn sie müssten sich nicht nur im härter werdenden Wettbewerb um Nachwuchskräfte behaupten, sondern bei der Fachkräftesicherung auch der Weiterentwicklung von Berufsbildern und Arbeitsabläufen Rechnung tragen.

Längst sei im Handwerk nicht mehr nur Anpacken gefragt, so Eisert. Mit der zunehmenden Komplexität vieler Ausbildungsberufe stiegen die Anforderungen an künftige Azubis. Geschick, vielfältiges Spezialwissen, Phantasie, logisches Denken, Kreativität und Spaß am Umgang mit Menschen: Das seien nur einige der Talente, die Abiturienten bei einer Lehre im Handwerk voll entfalten könnten.

Ein weiterer Pluspunkt sei die Eigenständigkeit: Auszubildende seien von Anfang an gefordert, übernähmen Verantwortung und könnten eigene Ideen umsetzen, wirbt die Handwerkskammer. Das könnte gerade diejenigen locken, die nach zwölf oder mehr Jahren Auf-der-Schulbank-Sitzen und Zuhören nicht sofort in den Hörsaal wechseln wollten – zumal gerade die Bachelor-Studiengänge mittlerweile selbst reichlich verschult seien und Uni-Einsteigern nicht eben viel Raum zum Ausprobieren geben würden.

Bis zu 25 Prozent der Azubis haben Abi

Besonders beliebt bei Abiturienten waren zuletzt Berufe wie Zimmerer, Schreiner oder Gesundheitshandwerker von Augenoptiker über Hörgeräteakustiker, Orthopädieschuhmacher und -techniker bis Zahntechniker wie auch die kreative Berufe der Holzbildhauer und Goldschmiede: Um die 25 Prozent dieser Auszubildenden haben ein Abitur.

In ausbildungsstarken Berufen wie Kraftfahrzeugmechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder Elektroniker, die bei den übrigen Schulabgängern regelmäßig die Hitlisten anführen, sind Azubis mit Abi dagegen nicht ganz so oft zu finden. „Hier gibt es immer noch Nachhol- und Informationsbedarf“, sagt Hauptgeschäftsführer Eisert. „Denn gerade diese Berufe bieten spannende Aufgaben und besonders gute Zukunftschancen.“

Dazu gebe es noch viele Ausbildungsextras – vom Auslandsaufenthalt in einem Austauschprogramm über fachspezifische Qualifizierungen oder zusätzliche Abschlüsse bis zu einer Kombination aus Lehre und Studium. „Es gibt viele individuelle Möglichkeiten, mit einer Lehre in die Karriere zu starten“, betont Eisert. Diese Karriere könne im Handwerk steil verlaufen. Schließlich führe kein anderer Wirtschaftsbereich so konsequent zur Selbständigkeit. So hätten sich etwa drei Viertel aller handwerklichen Existenzgründer nach fünf Jahren etabliert.

Für die Übernahme eines Betriebes stünden die Chancen ebenfalls gut: Über ein Drittel aller Handwerksunternehmen würden in den nächsten zehn Jahren aus Altersgründen in jüngere Hände übergeben.

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27.05.2015, 12:00 Uhr

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