Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
1300 Türken und Kurden gehen aufeinander los - Polizei: "Kaum gekannte Aggressionen"
Vier Polizisten auf der Jagd nach kurdischen Demonstranten. Foto: 7aktuell.de/Adomat
Mehr als 50 Beamte verletzt

1300 Türken und Kurden gehen aufeinander los - Polizei: "Kaum gekannte Aggressionen"

Eine Kurdendemo am Sonntag in der Stuttgarter City ist völlig aus dem Ruder gelaufen: Allein 50 Beamte wurden neuesten Zahlen zufolge verletzt. Die Polizei will wieder Wasserwerfer in Stuttgart einsetzen.

12.04.2016
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. Mit ungewohnt deutlichen Worten hat die Polizei gestern die Ausschreitungen von Kurden und linken Aktivisten bei einer Versammlung von nationalistischen Türken in Stuttgart kommentiert. Die Beamten hätten bei ihrem Einsatz am Sonntag "kaum gekannte Aggressionen und Gewalttätigkeiten der beteiligten Parteien untereinander" erlebt. Rund 700 nationalistische Türken waren am Sonntag in der City auf rund 600 Gegendemonstranten getroffen. 800 Polizisten waren im Einsatz. Neuen Zahlen zufolge wurden dabei mehr als 50 Beamte verletzt, außerdem zehn Demonstranten und ein Passant.

Vier Polizisten seien vorübergehend dienstunfähig, teilte das Stuttgarter Präsidium mit. Die Einsatzkräfte wurden mit Böllern und Pflastersteinen beworfen. Einige Beamte wurden getreten, eine Demonstrantin sprühte mit Pfefferspray. Beamte erlitten trotz Schutzausrüstung Knalltraumata, Hämatome und Prellungen, sagte Sprecher Stefan Keilbach. Die nationalistischen Türken hätten sich provozieren lassen, die Aggression sei aber vor allem von den Gegendemonstranten ausgegangen, so Keilbach. "Die scheren sich um nichts. Die baldowern Strategien aus, vermummen sich, und das alles direkt neben der Polizei." Einer Beamten sei der Schlagstock, einem Kollegen die Kamera entrissen worden.

Konflikt zwischen nationalistischen Türken und Anhängern der kurdischen Arbeiterpartei PKK entzündeten sich in Stuttgart seit Jahren. In den vergangenen Monaten gab es mehrere Demonstrationen mit teils heftigem Ausgang. Die Versammlungen hätten im Vergleich zu solchen mit Themen wie dem Bildungsplan eine andere Qualität, erklärte Keilbach. "Wenn Sie denen in die Gesichter schauen, sehen Sie den blanken Hass."

Mit Blick darauf sagte Keilbach, die Polizei müsse prüfen, ob sie in Stuttgart bei Demos wieder Wasserwerfer einsetze. Zum letzten Mal war das am "Schwarzen Donnerstag" 2010 im Schlossgarten passiert, an dem S-21-Gegner teils schwer verletzt worden waren. Seither ist der Einsatz von Wasserwerfern in Stuttgart stark umstritten. Im Innenministerium gibt man sich dieser Idee gegenüber reserviert. Er sehe keinen Grund, warum man nun die Strategie ändern solle, sagte ein Sprecher.

Die Polizei sieht sich zunehmend organisierten Strukturen gegenübersieht. Demnach formierten sich die Kurden zu 50 bis 100 Mann starken Gruppen, vermummten sich und ließen einen Steinhagel auf die gegnerische Seite niedergehen - wissend, dass die Polizei als Schutzschild vor den Türken stand. Mit Blick auf diese Strategie vermutet die Polizei, dass linke Aktivisten die Lage vorab erkundet und Tipps zum Vorgehen gegeben hätten.

Der Sprecher der Stadt, Sven Matis, erklärte, in der Verwaltung gebe es Überlegungen, auf die Gruppen zuzugehen. Man wolle mit ihnen besprechen, wie man Konflikte im Rahmen der demokratischen Streitkultur austrage. Dass die nächsten Demos in dieser Konstellation verboten werden, sei unwahrscheinlich. Das sei das letzte Mittel und nur möglich, wenn mit erheblichen Straftaten oder der Verletzung von Grundrechten eines anderen zu rechnen sei, so Matis.

Spur der Verwüstung und Festnahmen

Zerstörungswut Am Rande der Demonstrationen kam es zu erheblichen Sachbeschädigungen in der Stuttgarter Innenstadt: Baustellenschranken wurden umgeworfen, Pflastersteine aus der Fahrbahn gerissen, Mülltonnen wurden beschädigt und teilweise in Brand gesetzt, an zwei Polizeifahrzeugen wurden die Scheiben eingeschlagen.

Tatverdächtige Die Polizei nahm insgesamt 26 Personen meist kurdischer Abstammung im Zuge der Ausschreitungen am Schillerplatz und wegen Raubstraftaten, Verdacht des Landfriedensbruchs, Körperverletzungsdelikten, Sachbeschädigungen und Verstößen gegen das Versammlungrecht vorläufig fest. Die Ermittlungen dauern an. dl

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball