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Wer Christkind sein will, muss durchs Casting

16- bis 19-jährige Frauen stellen sich Nürnberger Jury

Nürnberger Christkind, das ist wohl das begehrteste Ehrenamt unter den Mädchen der Stadt. Dieses Jahr wird es die 18-jährige Barbara Otto. Sie hat im Casting einige Honoratioren der Stadt überzeugt.

06.11.2015
  • CATHÉRINE SIMON, DPA

Nürnberg Christkind zu werden, ist gar nicht so einfach. Die jungen Bewerberinnen müssen zwar keine himmlischen Prüfungen bestehen, aber ein irdisches Auswahlverfahren. Das hat es in sich: Nach mehreren Wahlgängen muss die weihnachtliche Botschafterin der Stadt eine 15-köpfige Jury überzeugen.

Am Mittwoch war es wieder soweit. Sechs Finalistinnen traten an. Die typischen goldenen Locken, die Krone und das engelhafte Gewand des Christkinds sucht man vergeblich. Alle tragen Alltagskleidung und ihre normale Frisur.

"Wir suchen nicht das Super-Christkind", sagt der Stadtsprecher Siegfried Zelnhefer. "Es geht hier nicht um Show und Glamour, sondern um Herz." Natürlichkeit sei gefragt, nicht Selbstinszenierung.

25 Frauen zwischen 16 und 19 Jahren hatten sich beworben. Nach einer Vorauswahl durch die Stadt wählten die Nürnberger die sechs Finalistinnen aus. Bereits seit rund 45 Jahren wird das Christkind nach diesem Prozedere bestimmt.

Eine junge Frau nach der anderen tritt vor die Jury im Alten Rathaus. In der Jury sitzen Medienvertreter, Teresa Treuheit, das Christkind des Vorjahres, die Chefinnen des Markt- und des Tourismusamtes, die langjährige Betreuerin des Christkinds, Stadtsprecher Zelnhefer und Klaus Kusenberg, der Schauspieldirektor des Staatstheaters.

Der Ablauf ist für alle gleich: Die Kandidatinnen stellen sich vor. Dann müssen sie Fragen der Jury beantworten, den Prolog für den Christkindlesmarkt vortragen und ein selbstgewähltes Gedicht.

Viele der Kandidatinnen kennen den Prolog längst auswendig, für die meisten ist es ein Kindheitstraum, Christkind zu werden. So bekommen alle den Vortrag gut hin. Nur die wenigsten versprechen sich beim Gedicht.

Kniffliger sind da die Fragen, die die Jury stellt. Das Christkind aus dem Vorjahr, Treuheit, konfrontiert die jungen Frauen mit Situationen, die ihnen wahrscheinlich begegnen werden: "Was sagst du, wenn ein Kind zu dir sagt, dass es nicht ans Christkind glaubt?" Oder: "Wie gehst du auf Menschen zu, denen es nicht so gut geht, oder auf Flüchtlinge, die kein Deutsch können?"

Außerdem müssen die Bewerberinnen beschreiben, was ihnen an Nürnberg und dem Christkindlesmarkt am besten gefällt. Schließlich sollen sie Stadt und Markt auch in anderen Gemeinden und im Ausland vertreten.

Manche der sechs Kandidatinnen antworten klar und ohne viel überlegen zu müssen. Andere finden nicht auf jede Frage die passende Antwort. Und dennoch tut sich die Jury am Ende schwer. Alle Bewerberinnen sind ihr sympathisch.

Die Jury entscheidet sich nach längerer Diskussion schließlich für die 18 Jahre alte Barbara Otto. Sie sei "herzlich, offen und spontan", sagt Zelnhefer. Das seien die wichtigsten Eigenschaften für das Christkind. "Die Summe ihrer Charaktereigenschaften hat uns überzeugt."

Die Abiturientin mit den langen braunen Haaren macht derzeit ein Theaterpädagogik-Praktikum am Opernhaus, in der Kinderoper "Pinocchio". Christkind zu werden- auch für sie war das ein Kindheitstraum. "Das wollte ich schon machen, als ich vier oder fünf war."

Den Umgang mit Kindern ist Otto gewohnt: Mehrere Jahre lang hat sie einen Engel gespielt, der den Nikolaus begleitet. Und da ihre Großeltern im Altenheim leben, sind ihr auch solche Situationen vertraut.

Die erste große Herausforderung für das neue Christkind wird die Eröffnung des berühmten Christkindlesmarkts am 27. November von der Empore der Frauenkirche herab sein. Dann muss Otto den Prolog im Schlaf können. Das sollte aber kein Problem sein. Denn schon beim Casting hat sie nur einmal auf dem Zettel spicken müssen.

16- bis 19-jährige Frauen stellen sich Nürnberger Jury
Die Bewerberinnen zur Wahl des neuen Nürnberger Christkinds (von links): Mona Högl, Myriam Willberg, Paulina Meichelbeck, Michelle Stürhof, Sabrina Herrmann und das letztlich erwählte Christkind Barbara Otto. Foto: Daniel Karmann/dpa

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06.11.2015, 12:00 Uhr

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