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17 Jahre wie vom Erdboden verschluckt
Der Gedenkstein für den getöteten Waldarbeiter Karl Liebrich steht wieder. Foto: Kreis Esslingen
Gedenkstein

17 Jahre wie vom Erdboden verschluckt

Bei Sturm „Lothar“ wurde er verschüttet, jetzt ist ein verschollen geglaubter Gedenkstein wieder aufgetaucht.

15.10.2016
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Ohmden. . Am 10. Mai 1940 bricht der 50-jährige Karl Liebrich zur Waldarbeit auf, um nach einem Sturm im damaligen Staatswald bei Ohmden (Kreis Esslingen) aufzuräumen. Er wird nicht mehr zurückkehren. Es geschieht kurz vor der Mittagspause. Liebrich will eine vom Sturm gefällte Fichte, die samt Stamm auf einem anderen Wurzelballen aufliegt, zersägen. Der Stamm schnellt nach oben, der Familienvater wird am Kopf getroffen „und kam unter dem zurückfallenden Stamm zum liegen“, heißt es im in Sütterlinschrift verfassten Unfallbericht. Schwer verletzt stirbt der Waldarbeiter.

Für Liebrichs Familie beginnt eine harte Phase, Krieg und Nachkriegszeit müssen ohne den Vater bewältigt werden. Der 13-jährige Sohn Hermann kann seine Schlosserlehre nicht antreten, weil die Mutter seine Unterstützung in der Landwirtschaft braucht. Um einen Ort zum Trauern zu haben, lässt die Familie auf eigene Rechnung einen Gedenkstein an der Unfallstelle errichten. Jahr für Jahr versammeln sich die Verwandten dort an Liebrichs Geburtstag.

Mannshohe Brombeerhecken

Bis erneut ein Sturm aufkommt: Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 zieht „Lothar“ übers Land, der Stein wird umgeworfen und mit Fichten bedeckt, wie es in einer Mitteilung des Esslinger Landratsamtes heißt. Da die Stelle als Dauerversuchsfläche der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg nicht weiter geräumt wird, bleibt der Stein verborgen. Mannshohe Brombeerhecken machen die Fläche jahrelang unzugänglich. 17 Jahre, um genau zu sein. Dann gelingt es dem Mitarbeiter des Esslinger Forstamts, Dieter Klingelhöller, bewaffnet mit Karte und Lagebeschreibung, das Kleindenkmal doch noch zu finden.

Bei einer Feierstunde ist der Stein im Beisein von Liebrichs Nachkommen nun wieder aufgestellt worden. Der Weilheimer Revierleiter Markus König versteht das Denkmal auch als Mahnmal. „Die Holzhauerei war 1940 eine gefährliche Arbeit. Und sie ist es heute noch“, sagte er. Trotz hoher Sicherheitsauflagen seien immer wieder Unfälle zu beklagen. Man nehme die Errichtung des Steins daher zum Anlass, weiter an der Verbesserung der Sicherheitsstandards zu arbeiten. Dominique Leibbrand

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15.10.2016, 06:00 Uhr

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