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Tübinger Brückengeschichte (2): „Balken, Trümmer, Bäume trieben auf den wogenden Fluthen dahin“

1872 hielt die Eberhardsbrücke dem größten Hochwasser des Jahrhunderts stand

Tübingen. Am 26. Mai des Jahres 1872 erreichte Tübingen das schlimmste bis dahin dokumentierte Neckarhochwasser. Die Vorwarnzeit war gering.

12.08.2015

Per Telegraphen hatte man aus Rottweil die Nachricht erhalten, dass mit einem „Austreten des Neckars“ zu rechnen sei. Unglücklicherweise lagen in Rottenburg einige Flöße angebunden, die von der starken Strömung losgerissen wurden und einen Teil der dortigen Fahrbrücke mit sich rissen.

Kurz vor 2 Uhr in der Nacht erreichten diese Balken und Trümmer den Hirschauer Steg (heute Alleenbrücke) und „rissen ihn mit donnerähnlichem Krachen fort“, schrieb die „Tübinger Chronik“ vom 28. Mai 1872.

Die gewaltigen „Holländerstämme“ samt den Trümmern des Stegs rauschten auf die Neckarbrücke zu, die nun ernstlich gefährdet schien. Tatsächlich verkeilten sich die Balken am ersten Brückenjoch und richteten dort massive Schäden an.

Doch die Brücke hielt stand. Am anderen Morgen bot sich von den Höhen um Tübingen laut „Chronik“ ein nie da gewesenes Bild: „Das Neckarthal bis zum Eisenbahndamm bildete einen reißenden Strom. Balken, Trümmer, Bäume trieben auf den wogenden Fluthen dahin.“

Ganz Tübingen war auf den Beinen, „um dieses schauerlich erhabene Bild zu betrachten“. Der gemessene Pegelstand des Neckars betrug damals 5,8 Meter und war vermutlich der höchste im 19. Jahrhundert.

Die um 1910 durchgeführte Neckarkorrektion, die Tübingen bis heute vor ähnlichen Katastrophen bewahrt hat, wurde so berechnet, dass sie derartige Wasserstände bewältigen kann.

Udo Rauch, Bild: Paul Sinner, Stadtarchiv Tübingen

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Erstellt:
12. August 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. August 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. August 2015, 12:00 Uhr

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