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Bismarck war Geburtshelfer

1886 gründete sich Wachendorfs Feuerwehr

WACHENDORF. Die älteste erhaltene Feuerfahne datiert zwar von 1804 und belegt, dass es in Wachendorf schon damals ein geordnetes Feuerlöschwesen gab, eine so genannte Feuerrotte. Offiziell gegründet wurde die heutige Feuerwehrabteilung aber erst 1886. Anlass genug, am heute beginnenden Wochenende 120-jähriges Bestehen zu feiern.

26.05.2006
  • Willibald Ruscheinski

Tatsächlich ist sogar Otto von Bismarck dafür verantwortlich, dass sich im östlichsten heutigen Teilort Starzachs am 21. Oktober 1886 eine Wehr konstituierte. Im Jahr zuvor hatte der Reichskanzler dies allen Gemeinden im Deutschen Reich nämlich zur Pflicht gemacht, so dass der Wachendorfer Gemeinderat reagieren musste.

Anfangs, unter dem ersten Kommandanten Anton Kienzle, zählte die örtliche Feuerwehr fünf Züge, konnte nach dem Bau der Wasserleitung aus dem Starzeltal 1908 aber auf vier reduziert werden. Brannte es damals in den Nachbardörfern, wurde noch zu Pferde ausgerückt – wer zuerst vor Ort war, bekam 10 Mark als Belohnung.

Ihre dunkelsten Stunden erlebte die Wachendorfer Wehr in der nationalsozialistischen Zeit. Denn da wurde sie gezwungen, zusätzliche die Funktionen einer Polizeihilfstruppe zu übernehmen, auch bei einer „Zigeunerrazzia“ gegen Sinti und Roma in Bieringen. Als das eigene Dorf am 19. April 1945 von Jagdbombern angegriffen wurde, war ein Großteil der Feuerwehre zu Löschdiensten ins bereits zuvor bombardierte Bierlingen ausgerückt und konnte nur hilflos zusehen, wie Wachendorf brannte.

Vor allem Feuersbrünste in Stallungen und Scheunen mussten die Freiwilligen seither löschen. Höhepunkt der Nachkriegszeit aber war für Wachendorfs Feuerwehr der Umbau ihres Gerätemagazins Anfang der achtziger Jahre. Über 2000 Arbeitsstunden wurden damals unentgeltlich geleistet.

„Mittlerweile haben wir tolle Räume“, sagt Abteilungskommandant Jürgen Orche zur derzeitigen Situation: „Aber die Fahrzeuge darin sind längst nicht mehr auf dem neuesten Stand, weil die Gemeinde kein Geld für Ersatzbeschaffungen hat.“ Kürzlich gab der 1983 angeschaffte Tragkraftspritzenwagen mit defekter Achse seinen Geist auf, ist inzwischen aber wieder repariert.

Noch schwieriger, sagt Orche, sei das Nachwuchsproblem zu beheben, unter dem auch Wachendorfs Wehr leidet: Den 18 aktiven Feuerwehrleuten in der Abteilung stehen derzeit gerade einmal zwei Jugendliche gegenüber: „Besonders in der Altersgruppe der 18- und 19-Jährigen bräuchten wir dringend mehr Leute.“

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26.05.2006, 12:00 Uhr

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