Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Todesfall überschattet das Stadtfest

19-Jähriger stirbt nach Schlägerei in der Wallstraße / Zweiter Veranstaltungstag am Sonntag abgesagt

Freudenstadt, Stadtfest-Sonntag. Wo viele Bürger und Besucher aus der Region ihr Mittagessen einnehmen wollten, wird abgebaut. Die Fahrgeschäfte für die Kleinen stehen still, die Partyzelte sind nahezu menschenleer. Es ist kein Lachen zu hören, keine Musik läuft. Es ist kurz nach 12 Uhr, eigentlich hätte das Fest bis in den Abend gedauert. Dass es nicht so gekommen ist, lag an einem Vorfall mit tragischen Folgen in der Nacht zuvor: Gegen 3 Uhr war es in der Nähe des Stadtbahnhofes zu einer Auseinandersetzung gekommen, in deren Folge ein 19-Jähriger aus Schopfloch seinen Verletzungen erlag.

06.07.2015
  • Gerd Braun & Monika Schwarz

Freudenstadt. Die Stadtverwaltung beschloss, den zweiten Tag des Stadtfestes angesichts der Vorkommnisse abzusagen. Während gestern rund um den Marktplatz abgebaut wurde, laufen hinter abgehängten Bauzäunen in der Wallstraße die polizeilichen Ermittlungen. Erste Blumengrüße im Gedenken an den jungen Mann liegen am Zaun, einige Meter von der Polizeisperre entfernt gedenkt ein sichtlich betroffenes älteres Paar mit gefalteten Händen des Toten.

„Es ist ein Vorfall, wie er oft vorkommt“, meint nüchtern der zur Sicherung eingeteilte Polizeioberkommissar, nur die Folgen seien eben nicht immer so tragisch. Meist ende eine solche Auseinandersetzung „nur“ mit einer gebrochenen Nase oder ähnlichen, weniger lebensbedrohlichen Verletzungen. Das war in der Nacht zu Sonntag anders. „Trotz intensiver Bemühungen der Ärzte starb der junge Mann gegen 4.30 Uhr an seinen schweren Verletzungen“, heißt es in der polizeilichen Pressemitteilung, und noch am Sonntagvormittag waren „die genauen Umstände, die zu dieser Auseinandersetzung geführt haben, noch völlig im Dunkeln“.

Die Polizeidirektion Freudenstadt hielt sich gestern mit Aussagen zum Tatgeschehen auf Grund der laufenden Ermittlungen zurück und verwies auf die Kriminaldirektion Rottweil, die die Ermittlungen übernommen hat. Die Staatsanwaltschaft Rottweil und das Polizeipräsidiums Tuttlingen gaben am gestrigen späten Vormittag eine gemeinsame Presseerklärung heraus. Ausdrücklich erklärte der zuständige Pressesprecher Thomas Seibold gegenüber unserer Zeitung, dass darüber hinausgehende Informationen auf Grund der ausgesprochen intensiven Ermittlungsarbeit derzeit noch nicht bekanntgegeben werden könnten.

Was demnach bisher feststeht, ist folgender Sachverhalt: In den frühen Morgenstunden des Sonntags kam es gegen 3 Uhr morgens – und damit nach dem offiziellen Ende des Stadtfestes – im Stadtbereich von Freudenstadt im Bereich der Wallstraße hinter dem Stadtbahnhof unter mehreren Beteiligten zu einer noch nicht näher verifizierten Auseinandersetzung, bei der ein 19-Jähriger so schwer verletzt wurde, dass der junge Mann aus Schopfloch gegen 4.30 Uhr im Freudenstädter Krankenhaus starb.

Am Ort des Geschehens und auf der Polizeidirektion gab es gestern während des ganzen Tages Befragungen möglicher Augenzeugen des Geschehens und Spuren wurden gesichert. Der Tatort war deshalb komplett abgesperrt.

Oberbürgermeister Julian Osswald, der am Samstag mit einer Delegation aus der Nachbarstadt Heide auf dem Stadtfest gefeiert hatte, erfuhr am Sonntag durch einen Anruf der Kriminalpolizei um 7.22 Uhr von dem Unglück. Osswald traf sich daraufhin sofort mit Bürgermeister Gerhard Link. Beide seien sich einig gewesen, dass man nicht ein Stadtfest weiterfeiern wolle, wenn im Umfeld des Stadtfests ein solcher Todesfall passiert sei, sagte Osswald. Dekan Werner Trick, mit dem OB und Bürgermeister die Angelegenheit als Kirchenvertreter besprachen, war ebenfalls der Überzeugung, dass ein Festabbruch die richtige Entscheidung sei. Daraufhin wurde den Amtsleitern und Tourismusdirektor Michael Krause die Entscheidung mitgeteilt.

Um halb zehn wurden die Wirte und Vereine informiert. „Mir ging es dabei um den Respekt vor dem Opfer“, sagte Julian Osswald gestern gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Das Veständnis seitens der Vereine und der Gastronomen sei sehr groß gewesen, schilderte der Freudenstädter OB. Mit ihnen wird sich Osswald in nächster Zeit zusammensetzen und den Ausfall besprechen.

Zudem wird man darüber nachdenken müssen, welche Konsequenzen ein solcher Vorfall ansonsten hat. Die Stadt hatte eigentlich maximale Vorkehrungen für die Sicherheit getroffen: Es gab akribische Einlasskontrollen, 30 Security-Leute waren im Einsatz, die Polizei war auf dem Fest in Dreier- Streifen unterwegs. Auf dem Stadtfest selbst ist es deshalb laut Osswald auch zu keinerlei größeren Zwischenfällen gekommen.

Dort war aber um 2 Uhr Schluss – und wo die Besucher danach hingehen und was sie dann machen, darauf ist der Einfluss begrenzt.

Erschütterung machte sich gestern auf der Facebook-Seite des jungen Mannes breit, auf der viele Einträge hinterließen.

Auch Pastor Christoph Fischer von der Volksmission in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tatort zeigte sich betroffen und begrüßte ausdrücklich „die mutige Entscheidung der Stadtverwaltung“, das Fest abzusagen. „So schmerzlich sie für die beteiligten Vereine ist so setzt sie doch das richtige Signal.“ „Aus unserer Sicht gab es dazu keine Alternative.“

Beim der Eröffnung am Samstag um 17 Uhr mit dem Fassanstich durch OB Osswald hatte alles noch auf ein gelungenes Fest hingedeutet. Eine Delegation aus der Partnerstadt Heide mit Bürgermeister Ulf Stecher war extra angereist. 34 Vereine und Kirchen hatten auf dem Marktplatz Stände aufgebaut und sorgten für ein abwechslungsreiches Programm mit Musik und Tanzvorführungen. Das Feuerwerk nach Einbruch der Dunkelheit genossen die vielen Besucher noch. Wenig später kam es zu dem tödlichen Vorfall.

19-Jähriger stirbt nach Schlägerei in der Wallstraße / Zweiter Veranstaltungstag am Sonntag
Blumen für den 19-Jährigen, der am Samstag bei einer Schlägerei in der Nähe des Freudenstädter Bahnhofs tödlich verletzt wurde, lagen am Sonntag am Tatort in der Wallstraße (links). Nachdem die Stadtverwaltung das Stadtfest am Sonntagmorgen abgesagt hatte, herrschte auf dem Marktplatz gähnende Leere. Vereine und Schausteller bauten ihre Stände ab. Bei der Kriminalpolizeidirektion in Rottweil wurde die Sonderkommission „Wall“ eingerichtet.. Zwischenzeitlich erfolgten im Stadtgebiet von Freudenstadt umfangreiche Spurensicherungsmaßnahmen durch die Kriminaltechniker. Feuerwehr und das Technische Hilfswerk unterstützen die ermittelnden Beamten, in dem an den abzusuchenden Orten Zelte aufgebaut wurden. .Bilder: gen

19-Jähriger stirbt nach Schlägerei in der Wallstraße / Zweiter Veranstaltungstag am Sonntag

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

06.07.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball