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Den Stadtvätern ging ein Licht auf

1903 wurde das Elektrizitätswerk Reutlingen gegründet

REUTLINGEN. Am 20. März 2003 war es 100 Jahre her, dass in Reutlingen ein Elektrizitätswerk zur öffentlichen Stromversorgung geschaffen wurde. Eine ständige Expansion kennzeichnete seine weitere Entwicklung bis zur Fusion mit den Stadtwerken im Jahr 1952.

23.04.2003
  • Heinz-Alfred Gemeinhardt, Leiter des Stadtarchivs Reutlingen

„Na endlich . . .“, mag 1903 ein technikfreundlicher Mensch in Reutlingen gedacht haben, als die Reutlinger Stadtväter über ihren Schatten sprangen und den Weg frei machten für die Energie der Zukunft, die Elektrizität. Schon einige Jahre früher hatten nämlich in verschiedenen Nachbarorten elektrische Glühlampen geleuchtet, waren die Marienkirche zur Wiedereröffnung oder das Hotel Kronprinz am Listplatz illuminiert. Aber stets war bis dahin die Initiative von privaten Fabrikanten oder Mühlenbesitzern ausgegangen.

Den Bürgervertretern lag zunächst die Rendite des Gaswerks am Herzen, welches in erster Linie der Beleuchtung diente, sein Ankauf von der Reutlinger AG für Gasbeleuchtung hatte die Stadt 1890 immerhin 145 000 Mark gekostet.

Am 20. März 1903 entschloss sich die Stadt, aber schließlich doch, zusammen mit der AEG Berlin als Bauunternehmen und Inhaberin von 50 Prozent des Kapitals, zur Gründung der „Elektrizitätswerk Reutlingen GmbH“. Bald darauf war es auch in Reutlinger Privathaushalten möglich, mit einer Schalterdrehung das elektrische Licht zu bewundern.

Steigender Konsum

Das neue Elektrizitätswerk entstand an der Pfennigstraße nahe der Echaz. Für die nötige Energie sorgten tagsüber zwei Sauggasmotoren und nachts eine Akkumulatorenbatterie. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen, denn bereits 1907 waren diese Apparate an ihre Kapazitätsgrenze gelangt. Nur mit „eingekauften“ Fremdstrom von den Neckarwerken als Altbach ließ sich fortan der Elektrizitätsbedarf von Reutlingens Haushalten, Gewerbe und Industrie decken.

Mit großem Einsatz versuchte sich Reutlingen in den zwanziger Jahren von der Preispolitik auswärtiger Unternehmen zu befreien, so 1921 durch Übernahme sämtlicher Finanzanteile des E-Werks und 1926 – gemeinsam mit Kirchentellinsfurt – durch den Bau eines eigenen Kraftwerks am Neckar. Alle Absatzprognosen waren allerdings binnen eines Jahres durch den steigenden Konsum überholt: Die Neckarwerke lieferten weiter und das E-Werk Reutlingen wurde schließlich zu einem reinen Stromverteiler.

Das Know-how von Personal und Geschäftsleitung war jedoch weiterhin gefragt, nicht nur im Kerngeschäft, sondern auch in der Verwaltung des Kraftwerks, der Betriebsführung der stadteigenen Straßenbahn nach Altenburg (ab 1931) und der Leitung des E-Werkes Pfullingen, das Reutlingen 1936 kaufte. Kein Wunder, dass das alte Bürogebäude an der Pfennigstraße aus allen Nähten platzte.

In eine neue Richtung

Dank guter Kontakte zur NS-Stadtverwaltung entstand noch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ein neues modernes Verwaltungsgebäude am Alteburgplatz (heute Verwaltungsplatz der GWG). Allerdings konnten die Mitarbeiter des E-Werks nur von 1942 bis März 1945 die neuen großzügigen Räume mit Klimaanlage nutzen.

Nach der Zerstörung des Reutlinger Rathauses am Marktplatz fungierte das Elektrizitätswerk-Verwaltungsgebäude für mehr als 20 Jahre als Ersatz-Rathaus. Das Elektrizitätswerk musste zunächst ins Kinderheim Friedrich-Ebert-Straße und später dann in die Bismarckstraße ausweichen.

Das Jahr 1952 brachte schließlich die Vereinigung der Strom-, Gas- und Wasserversorgung mit den Verkehrsbetrieben unter dem Dach der „Stadtwerke Reutlingen“. Ironie der Geschichte: Fast 100 Jahre nach Gründung des gemischtwirtschaftlichen E-Werks, der in den zwanziger Jahren favorisierten Eigenständigkeit und dem 1952 erfolgten Zusammenschluss zu den Gesamt-Stadtwerken läuft mit der europabedingten Gründung von Fair-Energie unter Beteiligung der Neckarwerke die Entwicklung wieder in eine andere Richtung.

1903 wurde das Elektrizitätswerk Reutlingen gegründet
Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Reutlinger Elektrizitätswerks an der Alteburgstraße. Heute ist es Sitz der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (GWG).

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23.04.2003, 12:00 Uhr

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