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Zwischen Tiger und Kaninchenfell

1904 gründete sich der Kleintierzüchterverein

TÜBINGEN (eis). Am Anfang stand mit Eugen Mannheim ein Freund exotischer Tiere an der Spitze der Vereins. Schon kurz nach Gründung der Tübinger Kleintierzüchter vor 100 Jahren sorgte der Vorsitzende mit seinem Zoo auf dem Spitzberg für die größte Attraktion der Stadt. Sehen lassen können sich aber auch die Tiere des heute rund 100 Mitglieder zählenden Kleintierzüchtervereins. Morgen und am Sonntag laden die Kleintierzüchter zu einer Kreisjugend- samt Vereinsjubiläums-Schau nach Lustnau ein.

05.11.2004

Die Schau am Wochenende wird eine „Auftakt-Veranstaltung“ zum Jubiläum sein, so der heutige Vorsitzende Christian Schmid. Denn als man die alten Protokolle für die jetzige Festschrift durchsah, stellte man fest, dass der Eintrag als Verein erst am 3. Februar 1905 erfolgte. 2005 wird es daher im April noch ein Jubiläumsfest mit einem Kreiszüchtertreffen geben.

Der 1879 geborene Eugen Mannheim war vor 100 Jahren federführend bei der Gründung des „Vereins der Geflügel-, Vogel- und Kaninchenfreunde Tübingen und Umgebung“. Erste Ausstellungserfolge hatte er bereits 1896 in Rottenburg bei einer Geflügel- und Vogelschau errungen.

Doch seinen eigentlichen Lebenstraum verwirklichte er erst 1907: An der Ödenburg auf dem Spitzberg errichtete der Tierfreund „Mannheims Tiergarten“. Der Zoo umfasste neben Ziegen und Kaninchen auch Tiger und Löwen, Bären, Wölfe und Affen. Die Tiere mussten während des Ersten Weltkriegs an den Hamburger Tierpark Hagenbeck verkauft werden. Doch Mannheim war über 75 Jahre aktiv bei der Kleintierzucht und brachte es dabei bis zur Teilnahme an einer Weltgeflügelausstellung in Rom.

In der wechselvollen Geschichte der Kleintierzüchter war das Jahr 1935 wichtig: Der Verein von 1905 vereinigte sich mit dem „Taubenzuchtverein Tübingen“ (Gründung unbekannt) und dem „Kaninchenzuchtverein Tübingen und Umgebung“ (von 1919) zum heutigen „Kleintierzüchterverein Tübingen“.

Im Jahr zuvor hatte der seit zehn Jahren amtierende Vorsitzende Georg Kocher auf Druck der Nationalsozialisten zurück treten müssen. Er war Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold gewesen, der als Ersatz- oder Hilfsorganisation einer marxistischen Partei galt. „Sämtliche Tierbestandsmeldungen mussten nach Berlin geschickt werden. Der wirtschaftliche Wert von Kaninchenfleisch, Fell und Wolle wurde sehr betont“, heißt es in der Festschrift über die Nazizeit.

Bereits zweieinhalb Jahre nach der Neugründung 1946 bildete sich erstmals eine Jugendgruppe im Verein, die heute rund 16 Mitglieder umfasst. Sie hat wesentlich die Organisation der Kreisjugendschau am Wochenende gemanagt – vor allem durch die Erfassung der Züchter und Tiere am Computer, die nun die Auswertung der Daten für die Prämiierung erleichtert. Bereits vor drei Jahren bekam die Tübinger Kleintierzüchter-Jugend vom Landesverband einen Preis für ihre Home-Page www.kleintierzuechter-tuebingen.de.

Vom Kultusministerium ist sie als außerschulische Jugendbildungs-Einrichtung anerkannt. „Eigentlich könne man bei Kindern nicht früh genug anfangen, Verantwortung für Haustiere zu übernehmen“, meint der seit zehn Jahren amtierende Vorsitzende Schmid. Und: „Man lernt auch, dass sich nicht alles machen lässt und die Natur immer noch dominiert – auch bei der Züchtung.“

Die Tübinger Zuchtliste zur Jubiläums-Schau ist beeindruckend: Die Kaninchen weisen elf Rassen auf und das Geflügel zwölf – darunter auch mexikanische Baumwachteln. Bei den Tauben zeigt Züchter Wilhelm Berger schlesische Kropftauben. Bereits 1978 wurde er mit dieser Taubenrasse Europameister.

Doch das größte Ziel, das der Verein seit nunmehr 14 Jahren anstrebt, ist eine eigene Zuchtanlage. Schmid: „Wir haben schon 14 Mitglieder verloren, weil wir kein eigenes Heim haben. Dieses Projekt ist für uns überlebenswichtig.“ Denn gerade auch der Mieter von Waldhäuser Ost, dem die Tierhaltung verboten ist, wolle sich an Natur und Tier erfreuen.

Zwar haben die Züchter am Eissee im Himbachtal in diesem Sommer die Baugrube bereits ausgehoben, doch die ist jetzt voll Grundwasser gelaufen. „Wir mussten zu tief in den Boden, wegen des Landschaftsschutzes“, sagt Schmid. Die finanzielle Seite könnte kritisch werden, da der Bauzuschuss des Landes noch in diesem Jahr verbaut sein muss. Nun hoffen die Kleintierzüchter auf ein Einsehen der Stadt und auf Spenden.

1904 gründete sich der Kleintierzüchterverein
Eugen Mannheim, der Gründungsvorsitzende der Tübinger Kleintierzüchter, hatte auch vor großen Tieren keine Angst und brachte selbst Tiger in die Stadt.

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05.11.2004, 12:00 Uhr

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