Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Güllefass als Flugzeugrumpf

1951 bereicherte der Flugsportverein die Fasnet

Ein Such-Bild begleitete kurz nach Weihnachten unseren Bericht übers Stadtarchiv. Und prompt haben sich Zeitzeugen gemeldet, denen es bekannt vorkam: Sie identifizierten „Rottenburgs Geschenk an Adenauer“ als einen Themenwagen vom Fastnachtsumzug des Jahres 1951.

07.01.2012
  • Willibald Ruscheinski

Rottenburg. Nachgeborene, denen auf dem Bild das nachgemachte Bord-Maschinengewehr eines „Jagdgeschwaders Adenauer“ in die Augen sticht, hätten wahrscheinlich zuallererst auf einen närrischen Kommentar zur geplanten Wiederbewaffnung der noch jungen Bundesrepublik getippt. Denn die wurde seit dem Herbst 1950 in der westdeutschen Öffentlichkeit zunehmend kontrovers diskutiert.

Den Machern des Flugzeug-Wagens allerdings will es um die pure Gaudi gegangen sein: Die Rottenburger Fasnet trug damals rheinisch-karnevaleske Züge, und dazu gehörte auch ein Umzug mit lustigen Themenwagen. Entsprechende Beiträge warb die Narrenzunft vor der Saison bei den Rottenburger Vereinen ein, erinnern sich unisono Karl Vollmer und Erwin Gamerdinger, die damals bei den Rottenburger Flugsportlern aktiv waren.

Letztere hatten wegen des 1945 von den Alliierten über Deutschland verhängten totalen Flugverbots lange am Boden bleiben müssen. Erst seit 1950 durften Segler wieder aufsteigen, und der erste Motorflugstart sollte noch bis 1955 auf sich warten lassen. In der Zwischenzeit vertrieben sich die ausgebremsten, aber hochmotivierten Flugsportbegeisterten in Rottenburg die Zeit unter anderem mit Modellfliegerei. Und als die Narrenzunft rief, schreibt Gamerdinger, sei es für den damaligen FSV-Vorsitzenden Ludwig Bader „klar“ gewesen, sich zu beteiligen.

Immerhin hatten die Flieger damals eine Werkstatt, die sich aber noch nicht an der Ecke Sülchen-/Winghoferstraße befand, sondern im ehemaligen Wulle-Bierdepot an der Weilerstraße. Dort bauten sie rund um ein Güllefass ein Quasi-Flugzeug, stellten es auf einen Lkw-Anhänger und zogen ihn mit einem 12 PS starken Kramer-Traktor über die Narrenmeile (übrigens entstand das aus den Beständen des Stadtarchivs abgedruckte Bild nicht wie behauptet vorm Rathaus, sondern vorm entfernt ähnlich aussehenden Kreuzlinger Hof, dem heutigen Polizeirevier).

Vom Wagen in die Menge grüßen durfte damals nur, wer eine Fliegergarnitur mit Lederkappe und Brille ins zivile Leben gerettet hatte. Gamerdinger, der erst vor wenigen Wochen mit 86 Jahren das Fliegen aufhörte, besaß die nötige Kluft und stand mit oben. „Wir anderen“, erinnert sich der frühere Hospitalverwalter Karl Vollmer, „mussten unten bleiben und das Bodenpersonal machen.“

1951 bereicherte der Flugsportverein die Fasnet
Die Fasnet als Fass-Nacht: Aus einem Güllefass bauten die feschen Flugsportler ein zumindest umzugstaugliches Flugzeug, auf dessen Rumpf selbstironisch geschrieben stand, der „neue Treibstoff“ seien „1000 Liter Jauche“. Obiges Foto aus dem Besitz von Karl Vollmer zeigt den Wagen wahrscheinlich beim Start in der Sproll- oder Sülchenstraße. Der zweite „Pilot“ von links ist Gustav Heberle, rechts daneben sind Erwin Gamerdinger und Werner Häußler zu erkennen. Bild: Privat

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

07.01.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball