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Fußball: Gegen den großen HSV

1977 hat der TSV Ofterdingen schon einmal ein Pokalspiel ausgetragen

Wenn Albert Röcker heute Abend zum Fußball-Bezirkspokalfinale zwischen SSV Reutlingen II und TSV Ofterdingen nach Reutlingen fährt, dann denkt er automatisch an seinen größten Tag als Kicker: Im Juli 1977 spielte er im DFB-Pokal an der Kreuzeiche gegen den Hamburger SV.

25.05.2011
  • Thomas de Marco

Ofterdingen. Wird Röcker auf dieses Spiel angesprochen, dann sprudeln die Fakten auch heute noch nur so aus ihm heraus: „Ich war damals Spielführer, wir haben 0:5 verloren, aber lange gut mitgehalten, 14.000 Zuschauer wollten das Spiel in Reutlingen sehen. Es war das größte Ereignis für den TSV Ofterdingen!“

1977 hat der TSV Ofterdingen schon einmal ein Pokalspiel ausgetragen
Da kommt was auf Helmut Wiech im Ofterdinger Tor zu: Hamburgs Superstar Kevin Keegan hat abgezogen.Bilder: TSV Ofterdingen

Dabei hatte es kurz nach der umjubelten Auslosung einen bizarren Streit im Vorfeld geben, der sogar die BILD-Zeitung, die Ofterdingen auf der Alb verortete, schwer beschäftigte: Als Überlegungen aufkamen, die Begegnung in Reutlingen statt im maximal 8.000 Zuschauer fassenden Ofterdinger Stadion auszutragen, sprachen sich viele Ofterdinger Zuschauer vehement dagegen aus – und drohten teilweise sogar mit Vereinsaustritt.

Am Ende wurde ein Kompromiss gefunden, der alle zufriedenstellte: Gespielt wurde in Reutlingen, dafür reiste der Europapokalsieger der Cupgewinner schon zwei Tage vorher an, übernachtete im Tübinger Hotel „Krone“ und machte ein Training in Ofterdingen. 2.000 Zuschauer wollten diese Übungseinheit sehen und waren vor allem auf die Hamburger Neuzugänge Kevin Keegan und Ivan Buljan gespannt.

Der HSV trat am 29. Juli 1977 außerdem mit Kargus, Kaltz, Ripp, Hidien, Memering, Magath, Steffenhagen, Reimann, Volkert und Trainer Rudi Gutendorf an – und ging durch Kevin Keegan schon in der siebten Minute in Führung. Doch erst als der eingewechselte Ferdinand Keller das 2:0 (51.) erzielt hatte, ließ Ofterdingen nach und kassierte noch drei Gegentore durch Willi Reimann, Keller und Keegan. „Am Ende waren dann alle überzeugt, dass es das Beste gewesen war, die Partie in Reutlingen auszutragen“, betont Röcker.

1977 hat der TSV Ofterdingen schon einmal ein Pokalspiel ausgetragen
Shakehands vor dem Spiel: Albert Röcker (links) und HSV-Kapitän Manfred Kaltz.

Der Postbote war dabei nicht nur Kapitän und Libero, sondern spielte bereits im Vorfeld eine prominente Rolle: Für einen Beitrag im dritten Programm wurde Röcker von einem Fernsehteam begleitet, das seine morgendliche Austrägertour auf dem Tübinger Horemer filmte. „Als ich an einer Tür klingelte, machte eine Frau im Morgenmantel auf und war total überrascht, ein Kamerateam zu sehen“, erinnert sich der frühere Ofterdinger Kicker schmunzelnd.

Mit ihm liefen damals unter anderem Torwart Helmut Wiech, Wolfgang Fleuchaus (heute Vorsitzender der Spvgg Mössingen), Enzo Gargiulo, Willi Schmidt oder Gerhard Luz auf. Trainer war Gerhard Jost. Alle waren total beeindruckt von den Hamburgern, vor allem vom englischen Superstar Kevin Keegan. „Das war ein Riesenfußballer mit einem enormen Antritt“, schwärmt Röcker heute noch von der „Mighty Mouse“.

Für seinen Verein sei das eine einmalige Sache gewesen, „so etwas wird es nie wieder geben“, sagt der Postbeamte, der Mitte der 80er Jahre mit den Ofterdingern den Sprung in die Oberliga (damals dritthöchste Spielklasse) schaffte.

Heute ist der TSV schon froh, wenn er in die siebthöchste Liga aufsteigen würde. Da sieht es nach dem vergangenen Wochenende aber gut aus: Nachdem der Vorsprung des SSV Reutlingen II vor zwei Wochen noch fünf Punkte betragen hatte, führt nun Ofterdingen mit einem Zähler. „Der TSV hat jetzt gute Chancen, den Aufstieg zu schaffen und auch heute das Pokalfinale zu gewinnen“, sagt Röcker, „das würde dem Verein mal wieder richtig gut tun.“

Wobei es heutzutage sehr schwer sei, eine gute Mannschaft zusammenzubringen. „Wir hatten ja damals ein Team, in dem fast nur Ofterdinger kickten“, erklärt Röcker, der als 17-Jähriger schon in der ersten TSV-Mannschaft spielte. „Jetzt muss man richtig hart arbeiten, um an gute Spieler zu kommen.“ Dabei lobt der Jugendtrainer einen, der damals mit ihm gegen den HSV antreten durfte: „Willi Schmidt macht da einen sehr guten Job bei der Zusammenstellung der Mannschaft.“

Einen sehr ordentlichen Job, den machten auch die Ofterdinger, als sie damals in Reutlingen gegen die Hamburger aufliefen. „Wir haben gut ausgesehen, obwohl der HSV mit allen Stars antrat, um nicht wieder eine Pokalpleite gegen Amateure wie 1974 beim 1:2 in Eppingen zu riskieren“, erinnert sich Röcker. Der HSV kam 1977 noch zwei Runden weiter und schied im Achtelfinale bei Schalke 04 mit 2:4 aus. Und beim TSV Ofterdingen denken wie Albert Röcker viele noch heute mit leuchtenden Augen an die schönste 0:5-Niederlage der Vereinsgeschichte zurück.

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25.05.2011, 12:00 Uhr

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