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Die Sparkasse schließt Filialen

22 Standorte im Kreis betroffen · Langfristiger Personalabbau

Niedrigzinsphase und Internet hinterlassen auch bei der Kreissparkasse Tübingen ihre Spuren. Das regionale Geldinstitut kündigt die Schließung von 14 Filialen an. Die Beratung soll nicht darunter leiden, sondern sogar verbessert werden. Personalabbau soll durch Ruhestand und Wechsel, also ohne Kündigungen oder Abfindungen erreicht werden.

02.07.2015
  • Gernot Stegert

Kreis Tübingen. Die Mienen der drei Kreissparkassenvorstände Christoph Gögler, Hans Lamparter und Jürgen Ferber waren am Donnerstag ernst. Sie hatten schlechte Nachrichten mitzuteilen: 14 von 53 Zweigstellen im Kreis Tübingen werden aufgegeben. In Rottenburg und Mössingen sollen je zwei Standorte zu einem zusammengeführt werden. Und an sechs weiteren Orten wird die Öffnungszeit um die Hälfte gekürzt. Betroffen sind insgesamt also 22 Filialen (siehe unten).

22 Standorte im Kreis betroffen · Langfristiger Personalabbau
Sparkassen Carre in Tübingen

„Dass wir Standorte aufgeben müssen, schmerzt uns“, sagte Vorstandsvorsitzender Gögler. Aber die Entscheidung habe der Verwaltungsrat in einer zweitägigen Klausur vor einer Woche mit großer Mehrheit beschlossen. Auch der Personalrat trage das Konzept mit. Er war und ist „intensiv eingebunden“, sagte Lamparter.

Bei der Frage, welche Filialen geschlossen werden, haben die Verantwortlichen einen Katalog mit 26 Kriterien angewandt. Eines sei die Nachfrage gewesen, erklärte Gögler. Vielfach seien nur drei, vier Kunden in der Stunde gekommen, die zusammen höchstens zehn Minuten beansprucht hätten. „Ein Friseur hätte da schon längst geschlossen.“ Die restlichen 50 Minuten seien nicht genutzt worden, während an zentralen Standorten wie am TAGBLATT-Eck in Tübingen die Mitarbeiter im Stress waren. Das habe auch der Personalrat nicht für gut befunden.

Die Beratung soll ausgebaut werden

Die Beratung soll unter den Sparmaßnahmen nicht leiden, sondern im Gegenteil sogar gestärkt werden. „Wir wollen weiter Qualität bieten, das Anspruchsdenken der Kunden kommt uns als Kreissparkasse entgegen“, erklärte Lamparter. Die Berater müssten aber geübt sein, trainiert wie ein Fußballspieler. Wenn nur einmal in der Woche in einer Filiale eine Beratung nachgefragt werde, genüge das nicht.

22 Standorte im Kreis betroffen · Langfristiger Personalabbau
Geplante Veränderungen an den Standorten mit Beratung und/oder Kassendienstleistungen der Kreissparkasse Tübingen.

Die immer anspruchsvolleren und stärker spezialisierten Fragen könne kaum ein Filialleiter noch beantworten. In den Zentralen könne daher besser beraten werden. Entsprechend soll Personal auch dahin versetzt werden: „Größere Standorte werden wir attraktiver gestalten“, versprach Lamparter. Das komme auch den Wünschen vieler junger Angestellter entgegen. Gögler sagte: „Die Mitarbeitenden wollen nach einer anspruchsvollen Ausbildung auch eine anspruchsvolle Tätigkeit ausüben und nicht an der Kasse stehen.“

Die Kreissparkasse verspricht überdies: Die persönlichen Kundenberater bleiben trotz der Filialschließungen. Mit ihnen lassen sich Termine zwischen 8 und 20 Uhr ausmachen, auf Wunsch kommen die Mitarbeiter auch auf Hausbesuche zu den Kunden. Das Onlinebanking wird ausgebaut. Ein kostenloser Bargeldservice soll vor allem älteren, nicht mehr mobilen Menschen dienen. Ein Anruf soll genügen, dass ein Mitarbeiter das gewünschte Bargeld nach Hause liefert. Das Netz der Selbstbedienungsgeräte soll um drei bis fünf ausgebaut werden. Obwohl jeder Automat 50.000 Euro in der Anschaffung und laufend weitere 20.000 Euro im Jahr kostet. An jedem der erhaltenen 36 Standorte im Kreis werde mindestens ein Geldautomat stehen, sagte Gögler.

Als Gründe für die Filialschließungen nennen die Sparkassen-Vorstände vor allem zwei Großtrends: die Digitalisierung auch der Bankgeschäfte und die Niedrigzinsphase. Immer mehr Überweisungen, Wertpapierkäufe und mehr übers Internet bedeuten für die Kreissparkasse: Weniger Kundenbesuche in den Filialen vor Ort. Bargeld würden Leute kaum noch auf die Bank bringen, und abgeholt werde es an Automaten. Vor allem ältere Menschen kämen noch in die Filialen auf den Dörfern, sagte Gögler, aber auch die nutzen immer häufiger das elektronische Netz. Die Kreissparkasse will sich in diese Richtung weiterentwickeln. Ein Teamleiter dafür sei bereits berufen.

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank kommt hinzu. „Wir brauchen eine Zinsmarge von 0,5 Prozent für unsere Dienstleistung“, erklärte Gögler. Wenn der Zins drunter liege, wie derzeit, dann rutsche die Kreissparkasse ins Minus. Bei Einlagen von abgerundet drei Milliarden Euro mache das 15 Millionen Euro im Jahr aus. „Zins ist für uns ein Rohstoff“, griff der Vorstandsvorsitzende zu einem Bild. „EZB-Präsident Mario Draghi verbrennt diesen Rohstoff. Das ist, als würde eine Ölplattform abgefackelt.“ Für Kunden lohne sich das Anlegen von Geld nicht. Die tun es lieber unters Kopfkissen als aufs Sparbuch.

Mit den Filialschließungen spart die Kreissparkasse rund 20 Stellen ein. Das sind zwei Prozent von 1000 Beschäftigten, die 700 Vollzeitstellen entsprechen. Der Abbau geschehe vollständig über „natürliche Fluktuation“, wie Gögler betonte, also durch Ruhestand oder Wechsel des Arbeitgebers, etwa bei Umzug. Es werde weder Kündigungen noch Abfindungen oder ähnliches geben. Eingespart werde nicht nur in den Filialen, sondern auch in der Zentrale, beispielsweise der Revision, die weniger beaufsichtigen müsse.

Die Mitarbeiter der betroffenen Filialen werden versetzt. Vielen komme das entgegen, sie wünschten sich eine anspruchsvollere Tätigkeit in der Zentrale, sagte Lamparter. Gespräche würden bereits laufen. Keinem werde eine weit entfernte Filiale als neuer Arbeitsplatz angeboten, was ja Mobbing gleichkäme. So etwas mache die Kreissparkasse nicht. Jeder solle einen „adäquaten Platz“ erhalten, versicherte Lamparter. Die Stimmung im Haus sei daher ruhig, so Gögler.

Insgesamt will die Kreissparkasse in den kommenden zehn Jahren 100 bis 120 Stellen einsparen, indem nur zwei von drei frei werdenden Arbeitsplätzen wieder besetzt werden. Von den Auszubildenden werden künftig nicht mehr 25, sondern 15 bis 17 übernommen, sagte Gögler.

  • Die Kreissparkasse Tübingen schließt alle acht sogenannten Abendstundenfilialen, die zwei bis drei Stunden am Tag für Service ohne Beratung offen haben. Das sind: Weilheim, Kilchberg, Kiebingen, Wendelsheim, Oberndorf, Wachendorf, Bieringen (alle bis Ende 2015) und Seebronn (bis Ende 2016).
  • >Geschlossen werden sechs Filialen, die bisher Service und Beratung anbieten: Tübingen am Markt (bis Ende 2017), Tübingen Wilhelmstraße 74, Tübingen Galgenberg, Tübingen Hagelloch, Mähringen und Belsen (alle bis Ende 2016). In Mössingen sollen die Standorte in der Freiherr-vom-Stein-Straße und in der Bahnhofstraße zusammengelegt werden in einem Neubau in der Bahnhofstraße (bis Ende 2019). Für Rottenburg überlegen die Kreissparkassen-Chefs, die Filialen am Ehinger Platz und Kreuzerfeld in einem Neubau beim Bahnhof zusammenzuführen (bis Ende 2019).
  • >An sechs Standorten sollen die Öffnungszeiten der Kasse halbiert werden. Die genauen Zeiten stehen noch nicht fest, Beratung wird aber wie bisher von 8 bis 20 Uhr nach Vereinbarung möglich sein. „Niemand wird sich die Nase an der geschlossenen Tür brechen“, sagte Vorstandschef Gögler. Kürzere Öffnungszeiten werden künftig haben: Pfrondorf, Unterjesingen, Poltringen, Dettingen, Talheim und Öschingen (alle bis Ende 2015).
  • >Am Ende wird die Kreissparkasse 36 Filialen und 23 Selbstbedienungsstandorte haben.

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