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Ohne Fachärzte geht nichts

24-Stunden-Versorgung bleibt Dauerbrenner / KLF-Geschäftsführer Peter Mast gibt Fehler zu

KLF-Geschäftsführer Peter Mast ist derzeit einer der gefragtesten Redner im Landkreis. Doch auch einer, der am meisten Schelte abbekommt. Zumindest wenn er es mit Vertretern des Ostkreises zu tun hat – wie in der jüngsten Horber Gemeinderatssitzung.

18.12.2014
  • dagamr stepper

Horb. Zufriedenheit sieht anders aus. Und Oberbürgermeister Peter Rosenberger wollte das auch gar nicht verhehlen. „Unsere ärztliche Versorgung ist weggebrochen“, sagte er zu Peter Mast. Der Geschäftsführer war zur Sitzung geladen, um über die medizinische Situation im Landkreis zu berichten – mit einem speziellen Fokus auf Horb. Denn hier ist man seit der Schließung des Spitals vor zwei Jahren nicht glücklich, vor allem was die 24-Stunden-Versorgung betrifft. „Wir fühlen uns allein gelassen“, fasste der OB die Stimmung zusammen. Doch bevor die rege Diskussion um das Problem der Notfallversorgung entbrannte, durfte Mast noch ein paar mehr oder wenige positive Entwicklungen aufzählen.

Mast berichtet auch von positiven Entwicklungen

So ist das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) gut in Betrieb. Eine Physiotherapeutische Praxis wird in Kürze noch einziehen, Verhandlungen mit einer weiteren Praxis laufen. „Dann ist das MVZ voll“, sagte Mast. Bei der Strahlentherapie zeichne sich endlich auch Licht am Horizont ab. Denn just während der Bauphase verschärfte eine neue Gesetzeslage die DIN-Norm, so musste der Strahlenbunker nachgerüstet werden.

Doch jetzt soll er im Juli 2015 in Horb an den Start gehen. Und auch bei der Geriatrischen Reha-Klinik steht ab dem 1. Januar endlich die komplette ärztliche Mannschaft. „Es war ein hartes Jahr in der Geriatrie“, gibt Mast zu. Statt drei hat es acht Monate gedauert, bis das Personal zusammen war. „Den Fachkräfte-Mangel habe ich unterschätzt“, bekennt er. „Die Gehaltsvorstellungen sind teilweise unglaublich: 400 000 Euro Jahres-Salär hat ein Bewerber gefordert. Aber den haben wir natürlich nicht genommen.“

Genau der Fachärzte-Mangel ist auch die Krux an der 24-Stunden-Versorgung in Horb. Denn Mast machte deutlich, dass auch dafür ein Facharzt – und kein Assistenzarzt – benötigt wird: „Wir haben Probleme, genau diese Fachärzte zu finden.“ Zudem gibt es seitens der Notfallpraxen in Nagold und Freudenstadt Widerstand. „Ein dritter Standort in der Region wird nicht gerne gesehen.“ Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mauert ebenfalls. Und auch bei manchen niedergelassenen Ärzte in Horb – sie müssten für die Notfallversorgung Dienste leisten – hält sich die Begeisterung in Grenzen. „Daher haben wir den 24-Stunden-Notfalldienst in Horb immer noch nicht“, sagte Mast bedauernd. Er gab zu, dass auch die KLF Fehler gemacht habe: „Wir haben es vielleicht falsch angepackt.“ Denn bei der Schließung des Horber Spitals wurde dem Ostkreis – betroffen sind ja nicht nur Horb, sondern auch Eutingen und Empfingen – ein Notfalldienst zugesichert. An diese Zusage erinnerten die betroffen Kreisräte in einem fraktionsgreifenden Antrag im Mai. OB Rosenberger war entsprechend verschnupft, denn auch dieser Antrag hat noch keine Früchte getragen. Er betonte: „Wie die Versorgung aussieht, ist uns egal, wir brauchen aber dieses Angebot.“

„Wir würden es machen, wenn wir es könnten“

Peter Mast konnte diesen Wunsch durchaus nachvollziehen. Und er unterstützt ihn weiterhin. „Wir würden es machen, wenn wir es könnten“, unterstrich er. Obwohl die ambulante Notfallversorgung nicht zum Auftrag der KLF gehört, sondern nur die stationäre. Für die ambulante Notfallversorgung müssten sich die niedergelassenen Ärzte und die KV an einen Tisch setzten und gemeinsam überlegen, wie das Problem gelöst werden kann.

Eine mögliche Abdeckung der Notfallversorgung wäre von 7 bis 22 Uhr durch das MVZ möglich, die übrigen Stunden könnte der Notarzt abdecken. Wenn der im Einsatz ist, müsste aber ein Facharzt in Rufbereitschaft sein – hier komme wieder der Fachärzte-Mangel zum Tragen.

„Warum soll es jetzt gehen und vorher nicht?“, zeigte sich Daniel Wochner (FD/FW) irritiert, „in den vergangenen zehn Jahren wurde nichts umgesetzt. Welches Vertrauen sollen die Horber Bürger noch in die KLF stecken?“ Mast gab unumwunden zu, dass „die Ziele nicht erreicht wurden“. Doch die KLF sei sich bewusst, dass sie ihren Versorgungsauftrag erfüllen müsse.

Doch nicht nur der Horber Standort stand zur Debatte, sondern auch die Zukunft des Freudenstädter Krankenhauses. „Die Defizite steigen: Da stellt sich die Frage, wie lange können wir uns den Landkreis und die Krankenhäuser noch leisten?“, fragte Wochner. Dem widersprach Mast: Das Defizit sei geringer geworden (von 2012 auf 2013 sank es um 2,9 Millionen Euro), der Verlust 2013 belief sich auf 5,4 Millionen, 2014 würde er sich im gleichen Rahmen bewegen. Doch das Land komme seinem Investitionsauftrag derzeit nicht nach, was die finanzielle Situation verschärfe.

Auch zu den Zukunftsaussichten der Freudenstädter Klinik bezog Mast Stellung. Es gibt drei Möglichkeiten: die Sanierung, ein Anbau oder ein kompletter Neubau. Die Zuschüsse des Landes seien bei den drei Modellen unterschiedlich, man müsste prüfen, was den größten Vorteil bringe. „Aber es ist noch keine Entscheidung gefallen“, betonte Mast. Eine Botschaft gab OB Rosenberger dem KLF-Geschäftsführer noch mit auf dem Heimweg: „Die 24-Stunden-Versorgung ist uns sehr wichtig. Die Horber wünschen sich ein Heimat-Krankenhaus.“ Peter Mast betonte, dass er den Wunsch als KLF-Geschäftsführer auf jeden Fall unterstützen wird.

24-Stunden-Versorgung bleibt Dauerbrenner / KLF-Geschäftsführer Peter Mast gibt Fehler zu
Peter Mast räumte vor dem Gemeinderat in Horb auch Fehler ein. Bild: bbm

Mit 55 Betten geht die Geriatrie ab den 7. Januar an den Start. Das Personal ist nun komplett, Martin Weiner wird leitender Oberarzt, Heiner Unterberger verstärkt als Facharzt das Team. Vom Kostenträger liegt inzwischen auch die Zusage vor. Ursprünglich waren 65 Betten in Planung. Die Betten können von 55 aber später auf 68 aufgestockt werden, machte Peter Mast deutlich. Bei den Kosten zeigte sich der KLF-Geschäftsführer optimistisch. In Baden-Württemberg fließen im Durchschnitt pro Bett 10 000 Euro an Zuschüssen. Doch in Horb liege man deutlich darunter. Mast: „Bei Vollbelegung trägt sich die Geriatrie sogar selbst.“Die Patienten rekrutieren sich zu 75 Prozent aus dem Landkreis Freudenstadt, die restlichen kommen aus den Landkreisen Böblingen, Calw und Rottweil.

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18.12.2014, 12:00 Uhr

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