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Video-Umfrage: Was halten Tübinger vom Wahlrecht mit 16?

© Brieschke/Laudenbach/Siebert 02:26 min

Alle, alle ab an die Urne

25, 21, 18, 16: Das Wahlrecht hat im Lauf der Geschichte immer neue Kreise erreicht

Wo in aller Welt wird heute bereits ab 16 gewählt? Wo hat Niedersachsen ausnahmsweise mal die Nase vorn? Wann ist man in Malaysia volljährig und welches Land in Europa hat erst 1971 das Wahlrecht für Frauen eingeführt? Ein Streifzug der FLUGPLATZ-Redaktion ...

13.11.2012
  • EDITH KELLER, 18 & MARVIN GRAEWERT, 16 & CHRISTOPH BEYER, 17

Wählen ab 16 – hier geht‘s

In Österreich gibt es seit 2007 das Wahlrecht für alle über 16. Auch im Schweizer Bezirk Glaus darf man mit 16 wählen. Seit diesem Jahr gibt es auch in Argentinien (einem Land mit Wahlpflicht für alle bis 70) ein Wahlrecht für alle ab 16. In Brasilien und Ecuador wird es gleich gehandhabt. In Bosnien und Herzegowina, Slowenien und Kroatien braucht man einen Arbeitsplatz, um mit 16 wählen zu dürfen. Und sogar in Kuba darf man ab 16 – nun ja – „wählen“ gehen.

Mit 16 an die Urne

Deutschland zieht nach: In sieben Bundesländern kann man auf kommunaler Ebene ab 16 wählen. In vielen Ländern steht das Thema kurz vor der Entscheidung, unter anderem in Hamburg, aber auch hier in Baden-Württemberg. Bei der Kommunalwahl 2014 soll man in auch hierzulande ab 16 wählen dürfen. Vorreiter war Niedersachsen: Dort können 16-Jährige seit 1996 wählen.

Frei ab 16 – wer profitiert?

Einen Unterschied von Wahlergebnissen durch das Wahlrecht ab 16 zu prognostizieren, ist schwierig. Fest steht: Für richtig große Veränderungen sind die 16- und 17-Jährigen wohl zu wenig. Nach der aktuellen Hochrechnung von Infratest-Dimap hätte die CDU bei der vergangenen Bundestagswahl etwas besser abgeschnitten – und die Grünen etwas schlechter. Außerdem hätte die Piratenpartei ein schlechteres Ergebnis eingefahren.

Volljährig oder nicht?

In diesem Punkt sind sich die meisten Länder einig: In fast allen Staaten erreicht man mit dem 18. Geburtstag die Volljährigkeit. In Brasilien und Österreich ist man zwar auch erst mit 18 volljährig – doch wählen darf man schon mit 16. Anders in Malaysia, wo man mit 18 volljährig ist, aber erst ab 21 wählen darf. In einigen Ländern kann die Volljährigkeit auch durch eine Heirat erreicht werden: So in Polen, Österreich, Luxemburg, den Philippinen und Guinea. Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es etwa in Iran: Hier sind Männer ab 15 Jahren volljährig und Frauen oder besser gesagt Mädchen schon mit 9 Jahren.

So läuft’s in den USA

In manchen Staaten der USA hängt die Volljährigkeit mit dem Schulbesuch zusammen: Dort erreicht man sie statt mit regulär 18 Jahren erst bei High-School-Abschluss oder dem 19. Geburtstag. Bis 1830 galten in Amerika nur freie, weiße, männliche Staatsbürger über 25 als stimmberechtigt. 1830 wurde die Bindung ans Einkommen abgeschafft. 1870 kam der 15. Zusatzartikel der Vereinigten Staaten, der die Einschränkung aufgrund von Hautfarbe oder Sklavenvergangenheit verbat. Die schwarze Bevölkerung wurde aber durch Drohung und Gewalt vom Wählen abgehalten. 1920 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. 1971 sank das Wahlalter ein zweites Mal – auf 18 Jahre.

Klassenwahlrecht und Alter in Deutschland

Ab 1876 galt ein deutscher Staatsbürger mit 21 Jahren als volljährig. Die Rechte und Pflichten, die damit einher gingen, galten davor erst für Personen ab 25 Jahren. In Preußen galt das „Dreiklassenwahlrecht“: Die Steuerklasse entschied darüber, wieviel Stimmrecht man hatte. So waren zum Beispiel Empfänger öffentlicher Armenunterstützung und aktive Soldaten von den Wahlen ausgeschlossen. Wählen durfte jeder ab 24, beziehungsweise 25 Jahren bei Reichstagswahlen. Diese Regelung schloss einen großen Teil der Bevölkerung aus. Nur 20 Prozent entsprachen den Anforderungen des Wahlrechtegesetzes. Mit 30 Jahren erhielt man passives Wahlrecht und konnte sich wählen lassen. In der DDR war man mit 18 Jahren volljährig. In der BRD ab 1975, davor galt man erst mit 21 Jahren als volljährig.

Die Schweiz und die Frauen

Bis zum 7. Februar 1971 fanden alle Wahlen in der Schweiz ohne den weiblichen Teil der Bevölkerung statt. Nur die Männer besaßen passives und aktives Wahlrecht. Erwähnenswert ist, dass dieser Beschluss durch eine Volksabstimmung entschieden wurde, bei der nur Männer einen Stimmzettel abgeben durften. Die erste schriftliche Verfassung der Schweiz von 1798 sprach von „Stimmbürgern“. Dass damit nicht auch Frauen gemeint waren, schien bis ins 20. Jahrhundert auch in gebildeten Schichten außer Frage zu stehen. Erst 1990 wurde die Anpassung an die Gleichstellungsgesetze auch im letzten und kleinsten Kanton Appenzell Innerrhoden durchgeführt. Übrigens: In Saudi-Arabien soll es ab 2015 auch ein Wahlrecht für Frauen geben. So bleibt nur noch Brunei als einziges Land der Welt ohne Frauenwahlrecht.

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13.11.2012, 12:00 Uhr

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