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Kleines Gespenst zog ein

25 Jahre Kultur im Schloss: In Kirchentellinsfurt wurde drei Tage lang gefeiert

Hunderte Besucher feierten das Jubiläum des Schlossmuseums und des Arbeitskreises Kultur im Schloss. Von Musik, Lesungen und Führungen bis hin zum spannenden Kinderprogramm war für alle etwas dabei.

17.11.2014
  • PHILIPP KOEBNIK

Kirchentellinsfurt. Begonnen hatten die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des Schlossmuseums und der Kultur im Schloss bereits am frühen Freitagabend mit einer Reise des kleinen Gespenstes. Dieses musste nämlich aus seinem bisherigen Wohnsitz, dem Rathaus, ausziehen, da es ihm dort wegen der Bauarbeiten zu laut geworden war. Groß und Klein begleiteten das Gespenst, das von Ruth Setzler vom Arbeitskreis Kultur im Schloss gesprochen wurde. Nachdem mehrere Orte inspiziert worden waren, fand das kleine Gespenst schließlich im Schloss ein neues Zuhause.

Am späteren Abend gab es dann im Rittersaal einen „Kriminal-Tango“. Vorgetragen wurden amüsante Kriminalgeschichten, dazwischen spielte eine kleine Gruppe Musik an Keyboard, Schlagzeug und Saxofon. Am Samstagabend folgte das Jubiläumskonzert mit dem Bläserquintett Profive. Es spielte eine anspruchsvolle Mischung aus Werken deutscher und französischer Komponisten verschiedener Epochen – von Mozart bis Jacques Ibert. Das ausdrucksstarke und mit musikalischem Witz gespickte Konzert gefiel dem Publikum so sehr, dass Profive drei Zugaben liefern musste.

Tiedemann und sein „Raritäten-Kabinett“

Einen bedeutenden Teil des Schlossmuseums bildet die Sammlung Walter Tiedemanns (1914-1989), wie Dieter Sommerey vom Schlossmuseum am Sonntag hervorhob. Tiedemann, ein Umsiedler aus Ostpreußen, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg als Maurer in Kirchentellinsfurt gearbeitet. Über viele Jahre sammelte er Möbel, Geschirr und andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs bis hin zu militärischen Orden aus der NS-Zeit. Die Gegenstände fand er zumeist auf Baustellen, im Müll oder kaufte sie jenen ab, die sie loswerden wollten.

Tiedemann erwarb zudem das marode Schloss und brachte dort seine gesammelten Schätze unter. Im Jahr 1974 wurde die Sammlung im Schloss eröffnet – ein wahres „Raritäten-Kabinett“, wie Dr. Wolfgang Sannwald, Kreisarchivar beim Landratsamt, in seinem Grußwort sagte. 1976 übergab Tiedemann die Sammlung der Gemeinde, der er drei Jahre darauf das Schloss verkaufte.

1984 begannen die Renovierung und Restauration des Schlosses, seit 1989 gibt es das Schlossmuseum und den Arbeitskreis Kultur im Schloss. Letzterer organisiert ungefähr zehn bis zwölf Veranstaltungen im Jahr, wobei es den ehrenamtlichen Mitarbeitern vor allem darum geht, Kultur für alle Menschen zugänglich zu machen, so Uta Röck, Sprecherin von Kultur im Schloss. Das Angebot reicht vom jährlichen Neujahrskonzert oder dem regelmäßigen Jazz-Brunch bis zum Kindertheater oder großen Konzerten auf dem Rathausplatz.

Im Gespräch mit Dr. Ulrich Bausch von der Vhs Reutlingen betonte der emeritierte Professor Hermann Bausinger, wie wichtig die Beschäftigung mit der Geschichte für das Verständnis der Gegenwart ist. Bausinger, der das Institut für Empirische Kulturwissenschaft an der Uni Tübingen leitete, sorgt sich jedoch um die kleinen Museen im Lande. Um diese auch für jüngere Menschen attraktiver zu machen, sollten die Bürger in die Konzeption von Ausstellungen einbezogen werden. Auch sollten, wenn möglich, aktuelle Bezüge hergestellt werden, indem beispielsweise die Darstellung von Kindheit in früheren Zeiten mit der heutigen Realität konfrontiert wird.

Am Sonntagnachmittag lasen außerdem Kirchentellinsfurter Autoren selbst verfasste – teils fiktive, teils reale – Geschichten über ihr Heimatdorf. Das Fest klang mit einer eindrucksvollen Lichtshow aus. Dazu wurden – wie auch schon am Freitag – Bilder aus den vergangenen 25 Jahren Kultur im Schloss an die südliche Schlossfassade projiziert. Insgesamt kamen zwischen Freitag und Sonntag etwa 350 Besucher ins Schloss.

25 Jahre Kultur im Schloss: In Kirchentellinsfurt wurde drei Tage lang gefeiert
Uta Röck, Sprecherin von „Kultur im Schloss“ (hinten im Bild, Mitte), erläutert hier das umfangreiche Angebot des Arbeitskreises.Bild: Metz

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17.11.2014, 12:00 Uhr

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