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25 Stunden

Seelenruhige Inventur eines verpfuschten Lebens und einer verwundeten Stadt.

Seelenruhige Inventur eines verpfuschten Lebens und einer verwundeten Stadt.

25TH HOUR
USA

Regie: Spike Lee
Mit: Edward Norton,Philip Seymour Hoffman,Barry Pepper

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

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Film bewerten

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24.11.2015
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Abschied nehmen ist ein im Kino gern und ausführlich zelebriertes, oft mit Tränen und Pathos verziertes Motiv. Aber ein ganzer, zweieinviertelstündiger Film, in dem es nur ums Abschied nehmen geht? Regisseur Spike Lee hat das Experiment gewagt und gewonnen. „25 Stunden“ ist ein faszinierend vielschichtiger Film, der trotz seines seelenruhigen, fast meditativen Erzähl-Flusses keine Sekunde langweilt.

Es geht um Monty (Edward Norton), einen gut situierten, nicht unsympathischen Drogendealer aus New York. Irgendwer hat Monty verpfiffen, am nächsten Morgen muss er für sieben Jahre in den Knast – fraglich, ob der smarte Schönling diese Tortur überlebt. Der Film schildert Montys letzte 24 Stunden in Freiheit. Ein Abschiedsessen mit dem Vater. Eine zähe Aussprache mit der Freundin (Rosario Dawson), die ihn womöglich verraten hat. Die letzte Party mit den charakterlich ganz verschieden gestrickten Kumpels: dem verklemmten Lehrer Jake (großartig: Philip Seymour Hoffman) und dem großmäuligen Wall-Street-Broker Francis (Barry Pepper). Eher beiläufig kommen die entscheidenden Fragen hoch: Wie verantwortlich ist man für sein eigenes Leben? Wer hat wann die Weichen falsch gestellt? Und gibt es eine Chance, nochmals ganz von vorne anzufangen?

Lee verzichtet demonstrativ darauf, Montys letzten Tag dramatisch aufzuladen. Die Handlung zerfällt in unspektaluläre Mini-Dramolette, die ganz banalem Alltag nachgebildet sind. Jake wird von einer seiner Schülerinnen angebaggert und steht vor der Entscheidung, ob er einmal im Leben was riskieren soll. Francis, der mit dem Unglück anderer ein Schweinegeld verdient, schwingt sich zu Montys moralischem Richter auf. Selbst die Frage, wer Monty denn nun eigentlich verpfiffen hat, ist nur eines von vielen Puzzleteilchen, die sich zu einem einzigartigen Stimmungsbild zwischen schwerer Melancholie und verhaltener Hoffnung fügen.

Wenn der Film überhaupt einen Helden hat, dann heißt er New York. Immer wieder verschränkt Lee die Lebensinventur seiner Protagonisten mit der zwischen Trauer und Trotz, Wut und Wehmut situierten Stimmungslage der Stadt nach dem 11. September. Als erster Filmemacher Hollywoods zeigt er die klaffende Wunde von Ground Zero – unterlegt von einem Gespräch über Schuld, Gerechtigkeit und Sühne. Wunderbare Ambivalenzen sind das, die aber doch nicht verbergen können (und sollen), wie sehr Lee diese Stadt liebt. Das beweist schon der Vorspann: eine von einem pathetischen Requiem untermalte Kamerafahrt über die Skyline Manhattans mit einer gewaltigen Lichtinstallation anstelle der Twin Towers.

Ein besonders plastischer Kunstgriff gelingt dem Regisseur mit jener eskapistischen Sequenz, in der Monty, das arrogante weiße Arschloch, vor dem Spiegel wüste Verwünschungen gegen jede ethnische und soziale Gruppe New Yorks ausspeit. Doch am Ende verabschiedet er sich von jenen, deren kulturelle Eigenarten das faszinierende Wesen dieser Stadt ausmachen, in fast rührseliger Manier. Der 11. September hat selbst Spike Lee, den ehemaligen Polarisierer vom Dienst, zum Apologeten des Schmelztiegels weichgekocht.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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20.10.2003

12:00 Uhr

Boris Dollinger schrieb:

Grandioser Film um Entscheidungen, Vertrauen und Konsequenz. Dazu noch erstklassig besetzt. Kaum zu Glauben dass Spike Lee es nach jahrelanger Durststrecke tatsächlich noch schafft einen dermaßen gelungenen Film zu drehen!



16.10.2003

12:00 Uhr

pi schrieb:

ein fast sehr guter film
spike lee hätte sich mit dem 11. September entweder richtig oder gar nicht beschäftigen sollen
so ist leider alles was mit dem 11. september zu tun hat in dem film mist und der rest einsame spitze



08.10.2003

12:00 Uhr

schrieb:

Seit langem der beste Film von Spike Lee. Diesmal keine Spur von schwarzem Rassismus in einem hervorragenden Amerikaporträt.



09.09.2003

12:00 Uhr

MissDurden schrieb:

Zweifelsohne eine der gelungensten Einleitungen des 21. Jahrhunderts, filmisch gesehen. Meine Hoffnung liegt bei Menschen wie Spike Lee.



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