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Im Wald der Wunder

30 Jahre und kein bisschen müde - ein Geburtstagsmärchen für das Junge LTT

Ein schräger Zauberwald war die Szenerie für das Improtheater zum runden Geburtstag des Jungen LTT (so heißt das Kinder- und Jugendtheater jetzt). Darsteller aus 30 Jahren spielten am Sonntagabend „Time Bandits“.

30.09.2014
  • Dorothee Hermann

Tübingen. Das Theater als Wald der Wunder, wo die Musik aufrauscht, wenn es dunkel wird, und ein zotteliger Waldschrat (Heiner Kondschak) am Klavier sitzt und den nicht gerade vom Sommer verwöhnten Zuschauern ins Ohr ätzt: „Wald – alt – kalt – der Schnee kommt bald.“ Die zauberhaft-schrille Szenerie erinnerte nicht nur an die KJT-Produktion „Ensel und Krete“ nach Walter Moers (Inszenierung: Michael Miensopust). Sie war ein schillerndes Bild für die Überraschungen und den Zauber, die das Junge LTT bereithält, und das schon seit 30 Jahren.

„Ein toller, ein netter, ein sympathischer Wald“, behauptete der Mann in Rot (Theatersport-Zampano Volker Quandt) am Bühnenrand. Er kündigte den etwa 100 meist erwachsenen Festgästen das Geburtstagsmärchen an, als „der Märchenerzähler, der ich gleich sein werde“.

Allein durch die Kraft seines Blicks schienen sich Hänsel und Gretel aus dem Dunkel des Zuschauerraums zu materialisieren – um alsbald auf das hektische, sprechende Kaninchen Helmut (Udo Zepezauer) zu treffen. „Sag’ mal, hat dieses Kaninchen grad’ geredet?“ Gretel (Annette Burchard aus dem ersten KJT-Ensemble) präsentierte sich als cooles Mädchen, das sich nicht verschrecken lässt – weder von eigentümlichen Anweisungen, mit dem Bruder eine Familie zu gründen, noch von Engelslizenzen, und schon gar nicht vom bösen Zauberer.

Wie überlebensgroße Kinder stehen sie und Hänsel (Andreas Laufer) auf der Bühne und begegnen außer dem Kaninchen dem klotzigen Stollentroll (Henry Braun) mit den eckigen Bewegungen oder dem Bären (Daniel Blum), der möglicherweise aus der aktuellen Inszenierung „Moglis Dschungel“ entwichen war.

Vom Schauwert her erwiesen sich die beiden Haarwesen, deren silbrige Pracht sie von Kopf bis Fuß einhüllte, als Stars des Abends. Es waren die „Sternenstauner“, die so leicht in Rage geraten, wenn jemand etwas Missverständliches sagt. „Kunst kommt von kämmen“, ätzte da wieder der Waldschrat. Oder war es der böse Zauberer (Helge Thun), der tatsächlich glaubte, er würde damit durchkommen, ohne das angemessene Magiergewand samt Spitzhut und langen Haaren aufzutreten. Der Detektiv (Ex-LTTler Gerd Ritter) war vom Schauspiel Stuttgart hergereist. Und Rupert Hausners Verkörperung der Lady „Junges LTT“ wäre ohne Conchita Wurst wohl nicht denkbar gewesen. Den neuen Namen hat die Kinder- und Jugendbühne zum Geburtstag bekommen. „Lasst euch feiern! Echt, ihr seid wunderbar“, sagte LTT-Intendant Thorsten Weckherlin und dankte besonders KJT-Leiter Michael Miensopust. Der Film „Jeden Tag anders – 30 Jahre KJT am LTT“ präsentierte Pioniere und Weggefährten wie Jürgen Zielinski (der auch aus Leipzig angereist war), Monika Hunze oder Klaus Cofalka-Adami sowie eindrucksvolle Inszenierungsbilder.

30 Jahre und kein bisschen müde - ein Geburtstagsmärchen für das Junge LTT
30 Jahre Junges Theater am LTT, von links: Udo Zepezauer, Andreas Laufer und Annette Burchardt, alle mal, beziehungsweise im Moment, Schauspieler des Ensembles. Bild: Rippmann

Bei der Jubelfeier des Jungen LTT bedauerte Marco Süß, der Leiter der jungen Württembergischen Landesbühne Esslingen, dass der neue Bildungsplan aus dem Stuttgarter Kultusministerium kulturelle Bildung nur beiläufig erwähne. „Wie kann man der Politik beibringen, dass kulturelle Bildung so wichtig ist wie Medien oder Verbraucherschutz?“ Eine Kindheit im 21. Jahrhundert, deren einziger Zweck Berufsorientierung sein solle, schien dem Theatermacher „wenig lebenswert“. OB Boris Palmer fand es „großartig, dass sich das LTT immer wieder neu erfindet“. Auch sein Rottenburger Kollege Stephan Neher begrüßte die Festgäste.

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30.09.2014, 12:00 Uhr

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