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DNA-Spur zum Verdächtigen

36-Jähriger hat Steinwurf auf A7 gestanden – Anklage wegen Mordversuchs

Ein vorbestrafter Sonderling, der im Zelt lebte, ist laut Polizei der Steinewerfer von der A7. Ihm droht lebenslange Haft – doch ist er wirklich schuldfähig?

01.10.2016
  • MARC HOSINNER

Ellwangen/Heidenheim. Polizeipräsident Christian Nill lässt keine Zweifel zu: „Wir haben den Täter“, sagte er gestern in der Pressekonferenz in Ellwangen. Der Steinewerfer, der am vergangenen Wochenende einen schweren Unfall auf der A7 ausgelöst hat, sei gefasst. Was ihn so sicher macht: Die Polizei konnte DNA-Spuren am Stein und an einer Folie sichern. Ein Datenabgleich führte zu dem Beschuldigten, der 2009 in einem anderen Verfahren eine Speichelprobe abgegeben hatte. Außerdem habe der Mann in einer Vernehmung die Tat eingeräumt.

Laut den Ermittlern lief die Tat so ab: Der mutmaßliche Täter fährt in der Nacht auf Sonntag mit seinem Fahrrad – seinem bevorzugten Fortbewegungsmittel – zum Giengener Flugplatz. Am Rande des Gebäudes lagert eine Palette mit Betonsteinen. Einen davon transportiert er auf seinem Gepäckträger 250 Meter weit bis zur Autobahnbrücke. Von dort wirft er den zwölf Kilo schweren Stein auf die Fahrbahn der A7 in südliche Fahrtrichtung.

Als sich gegen 1.45 Uhr der Citroen einer vierköpfigen Familie aus Laupheim, die auf der Heimfahrt von einer Hochzeitsfeier ist, mit etwa 130 Stundenkilometern der Autobahnbrücke nähert, liegt der Stein schon auf der Fahrbahn. Der 33-jährige Vater am Steuer kann nicht mehr ausweichen und fährt über das Hindernis. Das Auto überschlägt sich mehrmals, der vierjährige Sohn und die sechsjährige Tochter auf der Rückbank werden aus dem Fahrzeug geschleudert und erleiden massive Prellungen und Schürfwunden. Der Vater der Kinder zieht sich einen Beckenbruch zu. Die drei Familienmitglieder befinden sich mittlerweile auf dem Weg der Besserung. Die 25-jährige Mutter hingegen wird bei dem Unfall lebensgefährlich verletzt: Sie erleidet eine Halswirbelfraktur, eine Brustwirbelfraktur und einen Schädel-Basisbruch mit einer Hirnblutung sowie eine Querschnittlähmung. Außerdem muss ihr in den Folgetagen ein Fuß abgenommen werden. Der Täter soll sich zum Zeitpunkt des Unfalls noch in der Nähe aufgehalten haben.

Dass bei diesem Unfall etwas nicht stimmt, bemerken die Einsatzkräfte vor Ort schnell. Noch in der Nacht wird die Sonderkommission „Crash“ ins Leben gerufen. Unmittelbar nach der Tat stellen Kriminaltechniker an der Unfallstelle eine Vielzahl von Spuren sicher. Kleinste Fragmente finden sich am Stein sowie an einer Folie am Lagerort der Palette. „Die Kollegen haben am Tatort sehr akribisch gearbeitet“, sagt Nill.

Die Soko ermittelt in der Folge mit 20 Mann, geht Hinweisen aus der Bevölkerung nach, vernimmt Zeugen. Der Schlüssel zur Lösung des Falls aber kommt am Mittwochnachmittag vom LKA: Ein Abgleich der Spuren mit der Datenbank ergibt einen Treffer. Sie können einem Mann zugeordnet werden, der 2009 eine Speichelprobe abgeben musste.

Noch am Abend gelingt die Verhaftung: Da der Polizei wegen früherer Vergehen umfangreiches Aktenmaterial über den 36-jährigen Tatverdächtigen vorliegt, kristallisieren sich rasch mögliche Aufenthaltsorte heraus. Auf einem Gartengrundstück zwischen Mergelstetten und Herbrechtingen werden die Einsatzkräfte, fündig. Die Schlinge um den Mann, der auf einem der Grundstücke meist in einem Zelt wohnt, zieht sich zu. Als er die Polizei erkennt, unternimmt er einen Fluchtversuch, der scheitert. 35 Beamte sind zu diesem Zeitpunkt an dem Wochenend-Haus vor Ort. Das SEK im Hintergrund einsatzbereit.

Bei der Festnahme sagt der mutmaßliche Täter kein Wort. Erst in der zweiten Vernehmung gesteht er die Tat und macht nähere Angaben. Zum Motiv jedoch kann er keine Erklärung geben. „Er sagt, es sei eine spontane Tat gewesen“, so Oberstaatsanwalt Peter Staudenmaier. Mittlerweile befindet sich der 36-Jährige in Untersuchungshaft. Ihm droht nun eine Anklage wegen versuchten Mordes – und damit eine lebenslange Haftstrafe. In vergangenen Verfahren war der Mann wegen einer psychischen Krankheit aber als schuldunfähig eingestuft worden (siehe Infokasten).

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01.10.2016, 06:00 Uhr

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