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Der Opa ist mächtig stolz

40 Jahre „Ochsen“

Schon so lange her?, staunen selbst unsere drei Redaktionsgäste, alle im schmucken Kochkittel: 40 Jahre „Ochsen“ – so lange haben die Salzbrenners schon ihr Mössinger Traditionsgasthaus im alten Ortskern, in der Falltorstraße.

17.09.2011
  • Ernst Bauer

Mössingen. Und das „Ochsen“ – im anderen Sinne – ist für sie buchstäblich zur Lebensaufgabe geworden. In dritter Generation arbeiten die Wirtsleute und Besitzer des schönen Fachwerkhauses vis-à-vis vom alten Mössinger Rathaus tagtäglich ihre 14 bis 16 Stunden. „Der Tag geht ruckzuck rum, wenn man bis in die Nacht hinein zu tun hat“, sinniert Gerd Salzbrenner, 60, der „Patron“ des Hauses, wie ihn sein Sohn Michael, 30, nennt. „Langeweile gab‘s 40 Jahre nicht“, bilanziert der Ochsenwirt – der es so lange wie kaum ein anderer Gastronom an einem Ort, in einem Haus ausgehalten hat und so gut gewirtschaftet, dass nun nahtlos der Sohn in seine Fußstapfen treten kann.

Der Junge habe „frischen Wind hereingebracht“, meint auch Senior Gerhard Salzbrenner, 80, anerkennend. Er hatte 1971 das damals nur noch selten geöffnete Gasthaus übernommen – und auch gekauft. „Ein mutiger Schritt“, findet Gerd Salzbrenner heute noch.

„Dass das so lange her ist – unglaublich!“, sagt der Opa, der bis 2009 noch mitgeschafft, ein „bissle Salat gemacht“ hatte. 2007 musste er nach einem Herzinfarkt aufhören. Die Geschichte des Hauses reicht bis in den Dreißigjährigen Krieg zurück. Es hieß damals noch „Schwarzer Adler“. Als erster Wirt wird 1686 Veit Schlegel genannt, „gewesener Chirurg und Balbier“. 1750 kaufte der Schultheißensohn Sebastian Streib das Wirtshaus und macht den „Ochsen“ daraus. 1893 baute der Bierbrauer Wilhelm Eißler als neuer Besitzer den Saal an.

Zuletzt hatte Karl Schelling von seinem Vater das Gasthaus beim Rathaus übernommen, nach dem Krieg, 1948. Zu jener Zeit lebte Gerhard Salzbrenner noch „drüben“ – in Meerane in Sachsen ist er geboren, 1955 ist er aus der DDR zunächst nach Lindenberg im Allgäu und dann nach Tübingen gezogen, wo er Wirt im „Stern“ wurde. Dreieinhalb Jahre lang, entsinnt sich der Sohn, der „in Tübingen so richtig die Jugend verbracht“ hat, noch ganz genau.

Gerd Salzbrenner stand schon von Kindesbeinen an in der Gaststube – wie auch sein Sohn Michael. „Mit 13 angefangen, als Realschüler, an der Albert-Schweitzer-Realschule“, erzählt er. „Und jetzt bin ich immer noch dabei!“ Eigentlich hatte er Informatiker werden wollen. „Aber die Eltern sind der Gastronomie treu geblieben.“

1971 haben sie in Mössingen beim lange verwaisten Ochsen „das ganze Anwesen gekauft – und mich gefragt, ob ich den Spaß mitmach‘“, rekapituliert Gerd Salzbrenner den wegweisenden Schritt und Einschnitt in der Familiengeschichte mit einem Lächeln. Der Ochsen – „das war schon eine andere Größe als der Stern!“

Und bis aus dem Ochsen jetzt fast ein Sterne-Lokal wurde – in zwei Gastronomieführern soll er demnächst erscheinen, im Guide Michelin und im Aral-Schlemmeratlas – hat es großer Kraftanstrengungen gebraucht. „Die Zeiten haben sich geändert“, sagt Gerd Salzbrenner. „Wir haben laufend renoviert – die Speisekarte auch. Jede Generation hat so eine gewisse Richtung. Jetzt ist mein Sohn zuständig, was das Angebot aus Küche und Keller betrifft.“

Mit Michael Salzbrenner, der in führenden Häusern gelernt hat, viel herumkam – von der Tübinger Rosenau über den Hirsch in Erpfingen bis zu Jörg Müller auf Sylt und dem Bayrischen Hof in München –, und sich zum Spitzenkoch entwickelte, zog die ganz feine Küche im Mössinger Ochsen ein. Das heißt allerdings nicht, dass man die Maultaschen, die man schon von den Vorgängern übernahm, nun von der Speisekarte gestrichen hat.

„Als Koch ist es ja wichtig, dass man mit der Zeit geht“, umreißt der Junior sein Konzept. Er hat die Speisekarte „etwas verjüngt“. Er bietet auch Kochkurse an und hat schon bei der Kochshow von Alb-Gold mitgemacht – „so streckt man halt seine Fühler aus“.

Vor kurzem hat er seine Partnerin geheiratet – neben drei runden Geburtstagen einer der vielen Anlässe zu feiern in diesem Jahr. Andrea Heesemann-Salzbrenner stieg auch mit in den Betrieb ein, sie ist Restaurantleiterin. „Man muss natürlich unseren Ehefrauen auch sehr danken“, sagt Gerd Salzbrenner, „die sich auch in der Gastronomie aufopfern.“ Ohne die ginge es gar nicht – ohne Gisela und Gerda und jetzt Andrea. „Wenn nicht alles harmoniert, dann macht es auch keinen Spaß.“ Nur so „kannst du auch super kochen, tolles Essen machen“. Prominente Gäste haben früher schon im Ochsen gespeist: Strauß, Eppler, Späth, Müller, Hoeneß, zählt Gerd Salzbrenner auf.

Zu Kölles Zeiten seien auch die Ratssitzungen im Ochsen „um einige Viertele verlängert“ worden. Leider sei diese Art der Wirtschaftsförderung passé. Dabei sei der Druck, die Konkurrenz auch durch Vereinsfeste ungeheuer gewachsen. Der Opa freut sich trotzdem, was aus seinem Nachwuchs und dem Ochsen geworden ist: „Ich bin so stolz auf meinen Sohn und meinen Enkel!“

40 Jahre „Ochsen“
Drei Gastronomie- und Koch-Generationen an einem Tisch: Gerhard, Michael und Gerd Salzbrenner (von links) als Gäste unserer Mössinger Redaktion. Sie hatten in diesem Jahr schon mehrfach Grund zu feiern. Bild: Rippmann

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17.09.2011, 12:00 Uhr

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