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Fitness

40 Lebensjahre mehr als zu Bismarcks Zeiten

Zwei Drittel der Deutschen fühlen sich gesund oder sogar sehr gesund. Und ihre Lebenserwartung steigt. Allerdings nimmt die Zahl der Übergewichtigen zu.

28.10.2016
  • DPA

Berlin. Die Deutschen treiben täglich 27 Minuten Sport oder bewegen sich. Vor dem Fernseher sitzen sie dagegen 4,5 Mal so lange – zwei Stunden und vier Minuten. Ein klarer Fall von Bewegungsmangel. Das Statistische Bundesamt hat in seinem neuen Jahrbuch Gesundheit und Wohlbefinden als Schwerpunkt herausgegriffen: „Wie gesund leben wir?“

Was denken die Deutschen selbst über ihren Gesundheitszustand? 65 Prozent fühlen sich subjektiv fit. Zehn Jahre zuvor waren es noch 60 Prozent. Nur jeder zwölfte klagt, es gehe ihm gesundheitlich schlecht oder sehr schlecht. Vor zehn Jahren waren es 9 Prozent. Der Rest fühlt sich wohl so lala. Grundsätzlich gilt: Der Deutsche wird immer gesundheitsbewusster. Doch zwischen fit fühlen und fit sein gibt es einen Unterschied.

Isst der Deutsche ausgewogen? Der Durchschnittshaushalt gibt 300 Euro im Monat für Nahrungsmittel aus. Dies hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht wesentlich geändert. Wenn also das Budget für Nahrungsmittel weniger stark stieg, als die Preise, bedeutet das, dass man zumindest von den teuren Produkten weniger kauft. So seien die Ausgaben für Obst um 15 Prozent von 20 auf 23 Euro gestiegen. Die Preise hätten im gleichen Zeitraum um 37 Prozent zugelegt. Das heißt: Die Deutschen kaufen entweder weniger vitaminreiches Obst oder sie steigen auf billigeres um, erklärt der Präsident des Statistikamtes, Dieter Sarreither.

Bekommt jeder genug zu essen? Dazu sagen die Statistiker, jeder zwölfte lebe in einem Haushalt, in dem das Geld fehle, um jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit auf den Tisch zu bringen. Überdurchschnittlich häufig sei das bei Singlehaushalten und Haushalten von Alleinerziehenden der Fall (16 Prozent).

Wie sieht es bei Genussmitteln aus? Die Ausgaben für Alkohol (26 Euro im Monat) und Tabak (17 Euro) sind relativ konstant geblieben. Sieht man die Preissteigerung – bei Alkohol 13 Prozent, bei Tabak 63 Prozent –, kann man sogar davon ausgehen, dass weniger geraucht und getrunken wird. In der Tat rauchte der Durchschnittsdeutsche 2015 noch 1041 Zigaretten, Zigarillos oder Zigarren, 170 weniger als 2005. Seinen Bierkonsum reduzierte er um anderthalb Kästen auf 98 Liter. 2014 wurden 118 600 „Komasäufer“ in Krankenhäuser eingeliefert, knapp ein Fünftel waren Jugendliche unter 20 Jahren. Der Trend sei bei Jugendlichen leicht rückläufig. Und auch die jugendlichen Raucher würden weniger.

Wie wirkt sich das Essverhalten der Deutschen auf die Gesundheit aus? Etwa jeder sechste Erwachsene ist stark übergewichtig. Männer waren mit 17 Prozent etwas stärker betroffen als Frauen (14 Prozent). Beide Geschlechter hätten „stark zugelegt“: 1999 waren nur 12 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen stark übergewichtig.

Gibt es hier regionale Unterschiede? Ja. Den höchsten Anteil fettleibiger Menschen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit jeweils knapp 19 Prozent. Am geringsten sind die Werte in Hamburg (11 Prozent) und Berlin (13 Prozent).

Wie ist das nun mit dem Bewegungsmangel? 21 Prozent der Erwachsenen leidet an Bewegungsmangel. Dabei besitzt ein Viertel der Haushalte mindestens einen Heimtrainer. Ob diese allerdings auch regelmäßig genutzt werden, sei fraglich, sagte Sarreither.

Wie entwickelt sich die Lebenserwartung? Sie steigt weiterhin an. Nach der aktuellen Sterbetafel werden neugeborene Jungen etwa 78 Jahre, neugeborene Mädchen rund 83 Jahre alt. Damit haben sie seit Bismarcks Zeiten jeweils über 40 Lebensjahre dazugewonnen. Im europäischen Vergleich werden Jungen in der Schweiz (80,8 Jahre) und Mädchen in Spanien (86,1 Jahre) am ältesten.

Und woran sterben die Deutschen? Die häufigste Todesursache ist eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels. 8,4 Prozent der Männer und 7,7 Prozent der Frauen sterben daran. An dritter Stelle liegt der akute Herzinfarkt, an dem 6,4 Prozent der Männer und 4,7 Prozent der Frauen sterben. Rauchen, ungesunde Ernährung, Übergewicht oder Bewegungsmangel erhöhen das Risiko von Durchblutungsstörungen. dpa

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28.10.2016, 06:00 Uhr

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