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Horb · Corona

400 neue Betten in der Kaserne

Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger zieht eine Zwischenbilanz: Welche Maßnahmen greifen, welche Angebote sind besonders gefragt?

27.03.2020

Von Manuel Fuchs

Seit 2. März, also knapp drei Wochen ist die Corona-Sonderrubrik auf der Website der Stadtverwaltung unter horb.de/corona online. Das klingt nach einer kurzen Zeit, aber gemessen daran, was seither passiert ist – und mit welchem Tempo – komme einem das schon wie eine eine kleine Ewigkeit vor, meint Oberbürgermeister Peter Rosenberger. Er blickt zurück: „Am 10. März wurde der erste Corona-Fall im Landkreis Freudenstadt gemeldet.“ Am gestrigen Freitag, Stand 12 Uhr mittags, sprach das Landratsamt kreisweit von 125 Fällen. „Die Stadt Horb stellt gut 20 Prozent der Kreisbevölkerung, und in ähnlichem Maß sind wir von den Corona-Infektionen betroffen“, sagt Rosenberger.

Am Montag, 16. März, sagte die Stadtverwaltung Veranstaltungen wie den Horber Frühling ab, schloss mit Inkrafttreten der Landesverordnung ab 17. März Veranstaltungsräume, Schulen und Kindertagesstätten, Rathäuser und Ortschaftsverwaltungen. Die Verordnung wurde am Freitag, 20. März, verschärft; seit Montag, 23. März, gilt die bundesweite Regelung, die ein weitgehendes Kontaktverbot vorsieht.

Bisher keine Bußgelder nötig

Am Sonntag vergangener Woche hatte Rosenberger noch gemutmaßt, eine Ausgangssperre sei nur eine Frage der Zeit. Diesen Punkt beurteilt er jetzt optimistischer: „Inzwischen glaube ich nicht mehr, dass es zu einer echten Ausgangssperre kommt. Die Menschen verstehen, worum es wirklich geht“, sagt er im Telefongespräch mit der SÜDWEST PRESSE. „Der Ordnungsdienst musste bisher keine Bußgelder aussprechen“, vereinzelt seien mündliche Ansprachen nötig gewesen, die aber bei den Angesprochen sofort auf Einsicht stießen. Ortsvorsteher unterstützten die Kontrollen in den Teilorten, an dieser Stelle sei die dezentrale Struktur Horbs einmal hilfreich, meint Rosenberger.

Allerdings seien Effekte erst 14 Tage nach Inkrafttreten der Maßnahmen zu beobachten, alles Frühere habe wenig Aussagekraft. Rosenberger sieht den 23. März als Starttag: „Einen langsamer werdenden Anstieg der Infektionszahlen müsste man in der ersten Aprilwoche sehen.“ Angesichts dessen hält Rosenberger es für deutlich verfrüht, über eine Rücknahme der Verordnungen nachzudenken. „In Japan wurden wegen des Kirschblütenfests Maßnahmen kurzzeitig gelockert. Das hat sich im Nachhinein als schlechte Idee herausgestellt. Bei uns steht demnächst Ostern an ...“, orakelt Rosenberger. Er ist sicher: „Wir müssen einfach mal auf die Länder gucken, die uns zeitlich etwas voraus sind – Italien und Spanien zum Beispiel: Da kommt noch eine Welle auf uns zu.“ Er verficht die Linie, Maßnahmen lieber etwas stringenter angehen als zu lax.

Krankenbetten in der Kaserne

Medizinische Vorbereitungen laufen in Horb ebenfalls: Am 20. März wurden die Landkreise aufgerufen, ihre Notfallpläne zu ergänzen, erläutert Rosenberger: Leerstehende Hotels und dergleichen sollen als Überlauf- und Quarantänehäuser definiert werden. „Wir haben bereits am 16. März den Landkreis informiert, dass wir in der Kaserne ein großes Gebäude zur Verfügung stellen können, falls wir im stationären Bereich eine Rückfallebene brauchen“, sagt der OB. Die Stadt habe dort, obgleich nicht zuständig, bereits 50 Betten eingerichtet. „Die ließen sich in der jetzigen Qualität locker auf 300 bis 400 Betten ausweiten“, schätzt Rosenberger und sieht darin eine bessere Alternative „als irgendeine Turnhalle mit Feldbetten aufzumachen.“

Er habe das Gebäude auch der kassenärztlichen Vereinigung für eine Fieberambulanz angeboten. Dass er keine Reaktion darauf erhalten habe, „stimmt mich ein bisschen traurig. Aber ich bin den Ärzten unendlich dankbar, dass sie parallel zu ihren Praxisbetrieben noch eine Anlaufstelle in Dornstetten geschaffen haben.“ Das Medizinische Versorgungszentrum in Horb, das ebenfalls in der Hand des Landkreises steht, sei dagegen eine ganz andere medizinische Ebene: „Ich befürchte, dass wir beides brauchen.“ Die Rückfallebenen müsse allerdings der Landkreis jeweils definieren.

Die Arbeit des Verwaltungsstabs, den der OB am 16. März einberufen hatte, beschreibt er als „immer besser und routinierter“. Es sei gelungen, die Treffen auf ein Minimum zu reduzieren. Die Aufgaben seien gut verteilt, wer im Verwaltungsstab eingebunden sei, dessen Stellvertreter übernehme die Aufgaben des Tageschäfts.

Das als „Seniorentelefon“ gestartete und in „Hilfetelefon“ umbenannte Kontaktangebot der Stadtverwaltung werde nicht so stark genutzt wie ursprünglich erwartet. Er rechnet jedoch damit, dass der Service stärker nachgefragt werde, je länger die Kontaktsperren laufen. „Wir haben keine Sorge, dass wir die Gesuche nicht abarbeiten können.“ Die Zahl der Horber, die Unterstützung angeboten haben, sei deutlich größer als die der Hilfesuchenden. „Das ist überwältigend“, kommentiert Rosenberger.

Die Kindernotfallbetreuung habe sich ebenfalls plangemäß etabliert, momentan nutzen sie acht Schüler und 17 Kita-Kinder, alle in ihren jeweiligen Einrichtungen. Sollte eine Änderung der Kriterien dazu führen, dass mehr Kinder Anspruch auf die Notfallbetreuung bekommen, könnte die Stadt das ebenfalls leisten: „Wir haben noch Kapazitäten.“

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Erstellt:
27. März 2020, 19:30 Uhr
Aktualisiert:
27. März 2020, 19:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. März 2020, 19:30 Uhr

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