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48. Hammeltanz bei der Hirrlinger Kirbe
Wieder und wieder warfen die Jahrgänger den neuen Hammelkönig Jannik Deibler in die Luft. Mit der Ehre ist allerdings auch eine Pflicht verbunden: Deibler muss jetzt ein Fest ausrichten. Bild: Rippmann
Schön ist die Jugend

48. Hammeltanz bei der Hirrlinger Kirbe

Jannik Deibler wurde mit Madeleine Beuter Hammelkönig in Hirrlingen.

16.10.2016
  • Andreas Straub

Bevor am Sonntag der 48. Hammeltanz begann, hatten nicht wenige Besucher der Hirrlinger Kirbe schon eine, wenn nicht zwei Nächte durchgefeiert.

Am Freitagabend dröhnten Malle-Hits durch das Festzelt. „Schwarze Natascha“ und „Schluss mit Schicki Micki“ durften ebenso wenig fehlen wie der Dauerbrenner „Atemlos“. Vor allem Junge trafen sich zum Feiern. Vor der DJ-Bühne waren Mallorca-Pole-Stangen aufgestellt und die Party tobte bis tief in die Nacht. Es wurde viel getanzt und Sangria aus den unvermeidlichen Eimern getrunken. Am Samstagabend heizten die Dirndlknacker“ ein die derzeit an jedem Wochenende ein anderes Festzelt füllen. Von Beginn an war die Stimmung gut, berichteten Besucher – Halligalli bis in die Puppen. Am Sonntagvormittag spielte die Kapelle Corpo Bandistico aus Hirrlingens Partnergemeinde Minerbio in Italien beim Frühschoppen.

Nachmittags erreichte die Kirbe mit dem traditionellen Hammeltanz auf der Lehenwiese ihren Höhepunkt. Ebenso wie rund 900 andere Zuschauer geriet auch Hirrlingens neuer Bürgermeister Christoph Wild bei Sonnenschein und guten 20 Grad mitten im Oktober fast ein wenig ins Schwitzen. „Das Wetter habe ich bestellt“, scherzte der seit April dieses Jahres amtierende Wild. Er kenne die Veranstaltung bereits von zahlreichen privaten Besuchen. Hammelkönig zu werden sei bisweilen ein zweifelhaftes Vergnügen. Denn neben der Ehre obliegt dem König auch die Pflicht, für den Jahrgang, heuer 1996/1997, später ein Fest auszurichten.

Zwölf Paare nahmen am 48. Hammeltanz teil. Der Musikverein marschierte zusammen mit Darstellern der Adelsfamilie von Ow und drei Schafen, zwei weißen und einem schwarzen, voraus. Die festlich gekleideten Jahrgangspaare folgten. Die Heimatzunft Hirrlingen böllerte zum Auftakt und hier und da auch zwischendurch. Selbst routinierte Zuschauer fuhren immer wieder vor Schreck zusammen.

Jahrgangs-Schreiber Aron Wagner begrüßte die Zuschauer und stellte die jungen Leute launig vor. Vom wortkargen Bastler über den Hasenzüchter bis zum gemütlichen Studenten war alles vertreten. Die meisten Damen kamen ebenso wie die Hammelkameraden aus Hirrlingen, einige aus Seebronn, Bierlingen, Kiebingen und Rottenburg.

Wagner erklärte noch einmal den Brauch: Anlässlich des letzten Treffs eines Rekrutenjahrgangs habe Baron Georg von Ow 1634 erstmals den Hammel gestiftet, um den auch diesmal wieder gekämpft werde. Bevor es losging, versammelten sich die Jahrgänger in der Mitte für ein Stärkungsgetränk. „Die haben jetzt drei Tage lang gesoffen, darauf kommt es nun auch nicht mehr an“, kommentierte ein Zuschauer.

Jahrgangs-Schreiber Wagner appellierte, die Augenblicke zu genießen. Dafür habe man viel organisiert und lange gearbeitet. „Wir haben so unglaublich viel, das sollten wir bewusst genießen“, sagte Wagner. Dann endlich hieß es: „Genug der Worte, passt gut auf, es soll beginnen unser Hammellauf.“

In der Mitte eines abgesteckten Kreises standen Schäfer Jonas Zug und Uhrmacher Simon Beck. Als der Musikverein Hirrlingen den Odenwald-Walzer anstimmte, begannen die Paare im Kreis zu gehen. Ein Säbel wanderte dabei nach einer immer gleich langen Strecke von Hand zu Hand der Burschen. Hammelkönig wird, wer beim Klingeln der Uhr den Säbel in der Hand hält. So ist die Ehre eine Sache des Zufalls. Und deshalb wurde es umso spannender, je mehr die Zeit voranschritt. Einige Zuschauer stellten sich auf die Zehenspitzen, andere versuchte, an ihren Vorderleuten vorbei zu lugen.

Dann nach runden fünfzehn Minuten das Signal, ein Aufschrei, und alle Jahrgänger rannten zusammen. Der 20-jährige Jannik Deibler hielt den Säbel in der Hand, seine Dame, die 18-jährige Madeleine Beuter, stand strahlend neben ihm. Die Jahrgänger warfen den neuen Hammelkönig wieder und wieder in die Luft wie einen Popstar. Danach stellten sie sich im Kreis auf und sangen einträchtig schunkelnd „Schön ist die Jugend“. Angeführt vom Musikverein ging es anschließend ins Festzelt. Nach einer Ehrung legten die Hammelpaare einen flotten Walzer auf die Bühne.

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16.10.2016, 20:47 Uhr

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