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Handarbeit ist meditativ

50 Hobbykünstler zeigten bei Ausstellung die große Vielfalt ihrer Schaffenskraft

Eine große Vielfalt an Freizeitkunst offenbarte sich am vergangenen Wochenende in der Tälesee-Halle bei der achten Empfinger Hobbyausstellung.

09.11.2015
  • Emil Henger

Empfingen. 50 Künstler, die meisten aus der Region, haben in mehr als 30 Stilrichtungen zur Schau gestellt, wie sie einen großen Teil ihrer Freizeit verbringen und was dabei heraus gekommen ist. Und das konnte sich sehen lassen.

„Die Aussteller haben den Faden nie verloren“, erinnerte Marianne Popp-Baur bei der Vernissage am frühen Samstagnachmittag daran, dass bei der Freizeitkunst Ausdauer gefragt ist. Handarbeit sei persönlich und meditativ und brauche Zeit, beschrieb sie das Werkeln der Hobbykünstler. Auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder wenig sozialen Kontakten sei Handarbeit eine Möglichkeit, sich zu betätigen. Die Aussteller haben sich von A wie Airbrush bis Z wie Zuchtperlen-Schmuck auf den Hobbykünstlermarkt vorbereitet. Popp-Baur sprach dem Organisationsteam mit Doris Arndt, Ilona Zerning, Jochen Fischer und Erich Stein und den übrigen Helfern ein dickes Lob aus.

Nach einem Prösterchen mit Sekt wurde die Ausstellung offiziell eröffnet. Schmuck, Bilder in Acryl oder Öl, Babyschuhe für Frühchen, Holzdekos aus heimischen Hölzern, wie vielfach betont wurde, Kinderbekleidung und Strickwaren aller Art, häufig aus hochwertiger Merino-Schafwolle gefertigt, Barbiepuppen im modernen Strickkleider-Outfit – der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Bei vielen Ausstellerinnen klimperten wohl das ganz Jahr über die Stricknadeln, denn das Angebot an warmen Bekleidungsstücken war enorm. Wer glaubt, die Frauen würden beim Stricken allein gelassen, muss sich eines Besseren belehren lassen. Die Strickmuster für Ursula Kiefers Wollmützen fertigt ihr Mann Manfred. Das Ehepaar stammt aus Ahldorf. Aus dem Nachbarort Mühringen kommt Elke Wochner. Sie strickt hauptsächlich Jacken und Westen. Mit ihren Freundinnen geht sie mit den Kleidungsstücken sogar auf Modeschauen.

Eine andere Ausstellerin ist ein wenig enttäuscht. „Ich glaube, ich habe das falsche Produkt“, so eine Künstlerin aus der näheren Umgebung mit Wollmützen und Handschuhen in ihrer Auslage. Denn das ungewöhnlich warme Wetter bremste wohl die Kauflust der Kundschaft. Da haben es die Schmuckdesigner unter den Hobbykünstlerinnen etwas einfacher. Denn: „In 48 Tagen ist Weihnachten“, war ein viel gelesener Hinweis an den Ständen. Ideenreichtum bewies eine Schmuckkünstlerin aus Trichtingen mit Halsketten aus Kaffeekapseln oder Betonschmuck, der mit goldfarbenen Mustern bedruckt ist. „Der ist garantiert schadstofffrei“ betont Dagmar Liefeld. Ihre Tochter und ihre Schwester Conny Hertkorn, die in Empfingen wohnt, helfen am Stand, wenn der Andrang zu groß ist.

Eine Technik, wie sie im 19. Jahrhundert in den Klöstern verwendet worden ist, wendet Ursula Pierozak aus Empfingen an, um filigrane Kunststoffblumen zu basteln. Die Weihnachtssterne werden aus Spezialpapier mit der Kammtechnik hergestellt. Viele Aussteller kommen schon seit Jahren zur Hobbyausstellung. Von der ersten Stunde an sind Sofie Baiker und ihre Tochter Renate aus Empfingen dabei. Die Mutter beherrscht die Kunst der Encaustic (das Malen mit heißem Wachs) und die Tochter, die in Nürnberg lebt, strickt vor allem Handpuppen. Extra für die Ausstellung hat sie eine Empfinger Trachtenträgerin kreiert.

Auch wenn die Werkstoffe im Stand daneben aus Holz, Marmor, Granit und Sandstein grober Natur sind, filigrane Arbeit mit dem Stechbeitel und mit Gefühl in den Fingern ist vonnöten, etwa beim Erschaffen der Christ-König Statue aus Eichenholz im byzantinischen Stil. Das Original steht übrigens an einem Feldweg im Empfinger „Stunga“, erzählt Dieter Reich aus Empfingen, der für seinen Bruder Günther hinterm Stand steht. Ein weiteres Werkstück zeigt die Vielfalt des Hobbykünstlers auf. Die Badewannenszene eines Sketches von Loriot mit „Herr Müller-Lüdenscheidt und Dr. Klöbner“.

Das Interesse der Besucher ist groß, die Kauflust weniger, so hörte man immer wieder von den Ausstellern. Immerhin hat Rolf Schulz aus Empfingen, der Acrylbilder ausstellt, eine Anfrage für einen Auftrag erhalten. Doch das eine oder andere Schnäppchen oder Weihnachtsgeschenk ist immer drin. Hilde Baiker, die im nächsten April 90 wird, hat einen kleinen Porzellanschwan mit Blume erstanden. „Den stelle ich auf meinen Fernseher“, sagt sie und bindet sich einen Schal um den Hals, den sie ebenfalls gekauft hat. Dann verpackt sie alles in ihren Rollator. Bevor die Dunkelheit hereinbricht, möchte sie fort sein. „Den Kaffee trinke ich zu Hause.“

Mit der Resonanz am Eröffnungstag ist Marianne Popp-Baur mehr als zufrieden. Obwohl traditionell der Samstag, zumal mit schönem Wetter, zu den schlechteren Tagen gehört. Ein wenig enttäuscht ist sie jedoch, dass weder Bürgermeister Albert Schindler noch ein Vertreter der Vereinsgemeinschaft zur Vernissage gekommen sind und Grußworte gesprochen haben. „Sie wurden eingeladen und haben leider nicht abgesagt.“

Siehe auch nebenstehende

Bilderseite.

50 Hobbykünstler zeigten bei Ausstellung die große Vielfalt ihrer Schaffenskraft
Auch Horber Ritter gab es beim Hobbykünstler-Markt in Empfingen zu bestaunen. Es ist das neueste Werk von Gisela Markert.Bild: Kuball

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09.11.2015, 12:00 Uhr

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