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Protest seit 2004: Immer wieder montags

500. Demo gegen Sozialabbau in der Unistadt

Ein bundesweites Phänomen: Zehntausende Menschen gingen gegen die Hartz-Gesetze auf die Straße, auch in Tübingen. Von den einst über 500 Demonstranten protestiert ein kleiner, aber harter Kern noch immer jeden Montag – heute zum 500. Mal.

07.12.2014
  • Madeleine Wegner

Tübingen. „Weg mit Hartz IV, das Volk sind wir“, skandierten die Demonstranten bei der ersten Tübinger Montagsdemo am 16. August 2004. Hartz IV gibt es heute, über zehn Jahre später, immer noch. Ebenso die Montagsdemo. Zehn bis 20 Demonstranten ziehen lautstark jeden Montag vom Europaplatz über die Neckarbrücke zum Holzmarkt, um dort auf die Folgen des Sozialabbaus aufmerksam zu machen.

Montagsdemo: 500 Mal gegen Hartz IV

Seit zehn Jahren demonstriert ein harter Kern von Hartz-IV-Gegnern jeden Montag gegen den Sozialabbau. Diese Woche feiert die Tübinger Montagsdemo Jubiläum: Zum 500. Mal zogen die Demonstranten über die Eberhardsbrücke in die Altstadt.

© Video: Christian Kretschmer & Miriam Knoll 03:11 min

Claudia Lengert-Atan war von Anfang an dabei. Sie ist von der Ausdauer der Montagsgruppe und der Kontinuität des Protests selbst beeindruckt. Ebenso wie von den unterschiedlichen Menschen, die basisdemokratisch gemeinsam entscheiden. Warum sie zum festen Kern gehört, der heute zum 500. Mal zur Demo aufruft? Eine simple Erklärung: Die Gesetze bestehen immer noch. „Es geht um die Zukunft“, sagt Lengert-Atan. Kornelia Möller, die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, sagte bei der 100. Montagsdemo vor acht Jahren, sie hoffe, dass „der Protest so mächtig ist, dass wir uns im nächsten Jahr nicht mehr treffen müssen“.

Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Durch die Hartz-Gesetze und die Agenda 2010 seien die Reallöhne in Deutschland so stark gesunken wie in keinem anderen EU-Land. Arbeitsverhältnisse wie Minijobs und Werksverträge hätten enorm zugenommen, die Einkommensentwicklung sei dramatisch nach unten gegangen, sagt Lengert-Atan.

Die Demos wenden sich mittlerweile nicht mehr ausschließlich gegen Hartz IV. Auch Stuttgart 21 und beispielsweise der Ukraine-Konflikt stehen montags auf dem Tübinger Holzmarkt lautstark in der Kritik. „Denn es hängt ja letztlich alles mit dem Sozialabbau zusammen“, sagt Lengert-Atan. Bei der Kundgebung heute spricht Wolfgang Held über die Schließung des Bochumer Opel-Werks.

500. Demo gegen Sozialabbau in der Unistadt
Vor zehn Jahren war der Holzmarkt noch voll: Zur ersten Montagsdemo in Tübingen kamen am 16. August 2004 über 500 Hartz-IV-Gegner.Archivbild: Faden

„Man überlegt sich immer wieder: Bringt‘s überhaupt was? Das ist schon frustrierend“, sagt Wolfgang Schäfer über die Montagsdemos. Er ist seit sechs Jahren dabei. Damals hatte er im Freundeskreis erlebt, was es heißt, ins Jobcenter gehen zu müssen, um Arbeitslosengeld II zu beantragen, erzählt er. „Es ist verheerend, wie es dort zugeht. Alle Rechte muss selbst kennen und sich erkämpfen.“ Die wenigsten der heute noch aktiven Montagsdemon stranten seien selbst betroffen, sagt Schäfer: „Die Betroffenen selbst trauen sich nicht.“

Neben anderen Gruppen sei seit Beginn die Marxistisch-leninistische Partei Deutschland (MLPD) bei der Montagsdemo mit dabei gewesen. Sie halte sie sogar am Leben, glaubt Schäfer. Er selbst ist Mitglied der Linken, „noch“, sagt er. Schäfer war im Kreisvorstand und auch Landtagskandidat. Doch mittlerweile ist er enttäuscht von seiner Partei.

Wird es auch noch eine 700. oder 800. Montagsdemo in Tübingen geben? „Ja, leider“, sagt Schäfer und fügt hinzu: „Aber ob ich dann noch dabei bin, weiß ich nicht.“

Info: Auch die heutige 500. Montagsdemo beginnt um 18 Uhr am Europaplatz (beim Café Lieb). Auf dem Holzmarkt dann Kundgebung und offenes Mikro. Anschließend Jubiläumsumtrunk im Boulanger.

Ursprungsort der Montagsdemos ist Magdeburg. Zehntausende Demonstranten gingen bundesweit 2004 auf die Straße, um gegen die Hartz-Gesetze zu protestieren. Der Schwerpunkt der Demos lag im Osten der Republik. Doch auch in westdeutschen Städten wie Tübingen (und wenige Wochen später auch in Reutlingen) demonstrierten hunderte Menschen gegen die Hartz-Gesetze. Von den früheren 150 Demos gibt es bundesweit heute schätzungsweise noch 80 bis 100.

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07.12.2014, 12:00 Uhr

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