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Flugzeugschaden: Heimkehr des Goldjungen wird Geduldsprobe

500 Fans warten stundenlang auf den Altheimer Olympiasieger

Die Sonne, die für so einen schönen Sommertag gesorgt hatte, war schon längst hinterm Horizont verschwunden, als der Ehrengast, der Star, der Doppel-Olympiasieger endlich auf dem heimischen Reiterhof eintraf. Als die Altheimer Musikkapelle kurz nach 18 Uhr zum ersten Mal für Michael Jung aufspielte, war der noch auf dem Flughafen London-Heathrow.

02.08.2012
  • Gerd Braun

Altheim. Ein Schaden am Flugzeug, mit dem Michael Jung mit seiner Familie und engen Freunden hätte gegen 15 Uhr starten sollen, machte dem Empfang, so wie er geplant gewesen war, einen Strich durch die Rechnung. Noch vor 17 Uhr trafen Freunde, Fans, Sponsoren, Offizielle und ein kleines Heer an Medienvertretern auf dem Hof gegenüber des Altheimer Sportplatzes ein. Die erste sichere Information, übermittelt durch Jungs Stall-Kollegen Felix Vogg: Vor 19.30 Uhr werde der seit Sonntag 30-jährige Michael Jung auf keinen Fall da sein. Weitere Meldungen sollten folgen, und nicht alle davon waren verlässlich.

500 Fans warten stundenlang auf den Altheimer Olympiasieger
Der Versuch von Klaus Fischer (oben links, mit Gemahlin), kurzerhand noch einen Privatjet zu organisieren, schlug fehl. So waren die zahlreichen Fans und Besucher (oben rechts und unten links) zum Ausharren verdonnert. Unten rechts zu sehen ist das Titelbild der heute erscheinenden Michael-Jung-Sonderausgabe des Fachmagazins Reiterjounal, in dem es auf 24 Seiten ausschließlich um den Altheimer geht. Bilder: Kuball

Fakt dagegen ist, dass gut 150 Menschen kamen, und viele unter ihnen hatten persönliche Geschenke für den ersten Olympiasieger des Sportkreises Freudenstadt im Gepäck. Auch Klaus Fischer, Geschäftsführender Gesellschafter der Fischerwerke, hatte ein behutsam verpacktes Präsent unterm Arm. Er allerdings griff, als ihm die Lage geschildert wurde, erst einmal zum Mobiltelefon und versuchte, aus der Not eine Tugend zu machen. Einen siebensitzigen Privatjet hätte Fischer schnell startklar bekommen, doch die in Altheim erwartete Delegation hätte nicht komplett dort hineingepasst. Einen anderen Jet mit neun Sitzplätzen zu organisieren, stand noch zur Debatte, für diese Maschine aber hätte es anderthalb Stunden gedauert, die Crew an den Flughafen zu bekommen. „Wenn ich‘s früher gewusst hätte, wären Sie schon hier“, versicherte Klaus Fischer dem Hausherrn des Altheimer Anwesens, auf dem sich der Unternehmer befand, also Joachim Jung, telefonisch. So aber hieß es warten. Und weiter warten.

500 Fans warten stundenlang auf den Altheimer Olympiasieger
Typisch Michael Jung: So sieht man ihn nach kleinen und ganz großen Turnieren oft strahlen. Stolz strahlt auch sein Gold-Pferd Sam aus. Bild: Ulmer

Entgegen seiner ersten Pläne entschloss sich Fischer spontan doch zu bleiben und nicht später nochmals zu kommen. So war Gelegenheit zum Gespräch. Mit Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger zum Beispiel. Gekommen waren natürlich auch Dauerbrenner wie Reitlehrer Rüdiger Rau, ein enger Freund der Familie. Oder auch der Präsident des Baden-Württembergischen Pferdesportverbandes, Gerhard Ziegler, der auch schon 2010 nach dem Triumph in Kentucky in Altheim zu Gast war.

Damit die Ehrendelegation vom Flughafen bis nach Altheim sicher und schnell durch den Verkehr kommen sollte, mobilisierte Oberbürgermeister Rosenberger, der heute früh schon mit Wildcard bei den Herren35-Europameisterschaften in Baiersbronn auf dem Tennisplatz steht, kurzerhand eine Polizeieskorte: „Wir haben bei der Polizei angefragt, ob sie das machen würden, und die haben sich bereiterklärt.“ Bis die sehnlichst erwartete Schar aus London endlich in Stuttgart loskam, war der zunächst erwartete Berufsverkehr aber längst schon wieder abgeebbt.

500 Fans warten stundenlang auf den Altheimer Olympiasieger
„Mir spielet jetzt amol a paar“, ordnete Karl-Heinz Kläger, der Vorsitzende der Musikkapelle Altheim, an. Bild: Kuball

Mit beeindruckender Geduld, die natürlich mit durch das Catering-Team des Hotels Traube Tonbach gefördert wurde, harrten so überraschend viele Fans überraschend lange aus. Auch das SWR-Fernsehteam zeigte sich gut erprobt in der Disziplin Krisenmanagement und sendete statt Interviews mit dem Doppel-Olympiasieger unter anderem kurzerhand Statements des Horber Stadtoberhaupts mit dem Jung‘schen Eintrag im Goldenen Buch der Stadt Horb nach dessen WM-Erfolg in Kentucky vor knapp zwei Jahren.

Als Michael Jung kurz vor 23 Uhr dann endlich eintraf, war das Dunkelblau der T-Shirts, auf die Rüdiger Rau für sich und seine Familie am Vormittag schnell noch „Olympiasieger 2012 – Gold-Michi – Magic Sam“ hatte drucken lassen, lange in der Dunkelheit verschwommen. Bis zum späten Abend hatte sich die Zahl der Fans noch deutlich erhöht, so dass knapp 500 Anhänger den Olympiasieger erwarteten. Und als sie ihn dann endlich begrüßen, ihn in die Arme nehmen und ihm ihre ganz persönlichen Glückwünsche aussprechen konnten, wussten sie: Das Warten hat sich gelohnt.

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02.08.2012, 12:00 Uhr

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