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Verbraucher

5100 Telefonnummern, die Ortsnähe vortäuschen

Manche Dienstleister leiten Anrufer unbemerkt weiter. Die Kunden gehen davon aus, bei einer heimischen Firma zu landen. Ein Irrtum.

24.04.2017
  • CAROLINE STRANG

Ulm. Hier hilft nur noch eine Entrümplungsfirma. Es hat sich einfach zu viel angesammelt. Im Telefonbuch steht eine Firma mit der richtigen Ortsvorwahl. Prima. Was der Kunde in diesem Fall nicht weiß: Wenn er gleich anruft, wird sein Telefonat unbemerkt weitergeleitet. Dorthin, wo die Firma wirklich ihren Sitz hat – was oft ganz schön weit entfernt sein kann. Manche Firmen haben sich Hunderte Telefonnummern sichern lassen, um Ortsnähe vorzutäuschen.

Die Bundesnetzagentur hat ihnen den Kampf angesagt. Vor einigen Wochen wurden 5100 Rufnummern einer Entrümplungsfirma abgeschaltet. „Dieses Vorgehen stellt eine irreführende Werbung dar“, sagen die Experten. Generell ist es nicht verboten, mit Rufnummern mit anderen Vorwahlen zu werben – wenn klar ist, dass eine Rufumleitung erfolgt. Das war nicht angegeben.

2016 wurde die Abschaltung von 300 Rufnummern einer Rohr- und Kanalreinigungsfirma angeordnet. Vorausgegangen war ein Eilverfahren beim Verwaltungsgericht Köln, das zugunsten der Bundesnetzagentur entschieden hatte. Die Vortäuschung der örtlichen Nähe wird der Bundesnetzagentur in der Regel durch Beschwerden von Verbrauchern oder Konkurrenten bekannt, erklärt ein Sprecher. Die Beschwerden betrafen in der Vergangenheit vor allem Schlüsseldienste, Kanal- und Rohrreinigungsdienste, Entrümpelungsdienste und vereinzelt auch andere Branchen wie Umzugsdienste, Detekteien, Bestatter oder sogar Kammerjäger. Es gehe darum, möglichst viele Aufträge zu bekommen.

Lange und teure Anfahrtswege

„Den Unternehmen ist bewusst, dass Verbraucher häufig lieber ein örtliches Unternehmen beauftragen.“ Wegen der Anfahrtskosten, Anfahrtsdauer, Abwicklung etwaiger Reklamationen. Charakteristisch bei den betroffenen Diensten sei, dass zum Zeitpunkt des Telefonats meist noch unklar ist, welche Leistung genau zu erbringen ist und noch kein Preis vereinbart werden kann. Das führe oft zu überteuerten Angeboten vor Ort.

Die IHK Ulm gibt auf Nachfrage an, dass in der letzten Zeit keine Vorfälle dieser Art bekannt geworden sind. Der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist das Problem allerdings durchaus bekannt. „Stichprobenartig haben wir das in mehreren baden-württembergischen Telefon- und Branchenbüchern festgestellt, auch Verbraucher berichten uns regelmäßig davon“ sagt Pressesprecher Niklaas Haskamp.

Gerade Menschen, die vielleicht schon einmal schlechte Erfahrungen mit unseriösen Notdienstfirmen gemacht haben und deswegen nach einem ortsansässigem Anbieter suchen, würden so getäuscht. Nachteile für Verbraucher seien auch: Es werden eventuell hohe Anfahrtskosten berechnet und die Wartezeit verlängert sich. Oder man landet in einem Callcenter und weiß am Ende nicht, welche Firma beauftragt wird. „Darüber hinaus verschaffen Anbieter sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerber dadurch, dass sie gleich mehrere Einträge in einem örtlichen Telefonbuch schalten.“

Das ließe sich nicht immer gleich erkenne: „Manchmal weisen die Firmen über ein kleines Sternchen auf den tatsächlichen Firmenstandort hin. Verbraucher können den Standort des Betriebs vor der Beauftragung erfragen und Anfahrtszeit sowie den Preis für die Anfahrt klären.“ Wenn der Verdacht bestehe, dass über viele Einträge Ortsnähe vorgetäuscht wird, können Verbraucher die Bundesnetzagentur informieren. Die weist darauf hin, dass getäuschte Kunden sich von Verbraucherzentralen oder einem Rechtsbeistand über mögliche Schadenersatzansprüche beraten lassen sollen. Und die Firma an die Bundesnetzagentur melden.

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24.04.2017, 06:00 Uhr

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