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Wohnheim auf die Schnelle

60 Container-Appartments für 120 Studierende

Vom Wintersemester an schnellen die Studentenzahlen nach oben, Wohnraum wird noch knapper. Darum will ein privater Investor ein Studentenwohnheim aus gebrauchten Containern errichten.

24.08.2012
  • Hans-Joachim Lang

Tübingen. Das Gebäudekonzept, das der niederländische Architekt Mart de Jong ersonnen hat, ist simpel und lässt sich rasch realisieren. Man nimmt dazu vorgefertigte Wohncontainer, kombiniert sie nach Bedarf, und schon ist die Wohnanlage zusammengestellt. Zumindest auf dem Papier.

Aber es gibt sie auch in der Praxis. Michael Seefluth kennt solche Wohnwürfel aus den Niederlanden, wo man bereits an sechs Universitätsstandorten damit Erfahrungen sammelt. „Ich wollte schon lange einmal so etwas machen“, schwärmt der Tübinger von diesem Konzept, das hierzulande auf dem studentischen Wohnungsmarkt noch keine Nachahmer gefunden hat. „Durch einen glücklichen Zufall habe ich nun die Gelegenheit dazu.“

Der 52-jährige Kaufmann ist ein Quereinsteiger in dieser Branche, beruflich arbeitet er als selbstständiger Kommunikationsdesigner und Meditationslehrer. Er, der zeitweise in den Niederlanden lebte, hatte davon erfahren, dass in Limburg ein größeres Kontingent an gut erhaltenen gebrauchten Wohncontainern in einem Zwischenlager stehen. „Sie hatten zuvor als Studentenwohnungen gedient“, sagt Seefluth. Das dortige Projekt war von vornherein auf fünf Jahre angelegt, danach mussten die genormten Wohneinheiten wieder entfernt werden.

Nach ersten Sondierungen sicherte sich der Tübinger eine Option auf 129 Container (für 120 Zimmer und neun Gemeinschaftsräume mit Küche) und begann zügig mit der Entwicklung seiner Idee. In der Tübinger Stadtverwaltung stieß Seefluth auf Wohlwollen, zumal man hier mit Sorge dem kommenden Wintersemester entgegensieht. Bekanntlich legten in Baden-Württemberg im Frühsommer zwei Jahrgänge auf einmal ihr Abitur ab, mit entsprechend mehr Studienanfängern ist zu rechnen. Genaue Zahlen hat noch niemand. In der Zentralen Verwaltung der Universität rechnet man mit rund 27 000 Studierenden insgesamt. Das wären über tausend mehr als im vorigen Wintersemester – ein absoluter Rekord in Tübingen.

Bezugsfertig etwa Mitte Dezember

Auf der Suche nach einem Standort für das Wohnheim auf Zeit fand Seefluth in Kooperation mit der Stadtverwaltung ein 1,3 Ar großes, aus drei Flurstücken zusammengesetztes Areal in den Unteren Mühlbachäckern in Derendingen, das auf zehn Jahre gepachtet werden soll. Es grenzt an ein schon bestehendes privates Studentenwohnheim hinter dem Regierungspräsidium an. „Das Projekt durchläuft zur Zeit das baurechtliche Genehmigungsverfahren“, sagt Seefluth. „Bis zum Beginn des Wintersemesters schaffen wir es zwar nicht mehr. Aber wir sind zuversichtlich, dass die Anlage bis Mitte Dezember bezugsfertig ist.“

Sobald das Grundstück erschlossen ist, kann mit der Montage begonnen werden. Dafür müsse nur wenig Zeit veranschlagt werden. Die Boxen werden mit normalen Lastwagen von Limburg nach Tübingen transportiert und hier innerhalb von fünf bis sieben Tagen aufgebaut. Als Fundamente dienen Betonplatten. Mit Stahlgerüsten lassen sich die Container dreistöckig übereinanderstapeln. „Pro Etage entstehen in der Regel acht Zwei-Zimmer-Appartments. In der Mitte befindet sich jeweils ein Aufenthaltsraum.“ Voraussichtlich wird die Anlage in drei Baukörper gegliedert.

Der Geschäftsführer der als GmbH & Co. KG geführten Anlage rechnet „nach der bisherigen Kalkulation“ mit einer monatlichen Miete von 410 Euro pro Appartement ohne Nebenkosten.

60 Container-Appartments für 120 Studierende
Nicht unbedingt schön, aber zweckmäßig. Nach diesem Schema einer in den Niederlanden realisierten Anlage soll in den Mühlbachäckern in Derendingen ein privates Wohnheim für Studierende entstehen. Es soll voraussichtlich zehn Jahre am Standort bleiben, Verlängerung nicht ausgeschlossen. Privatbild

60 Container-Appartments für 120 Studierende
Michael Seefluth Bild: Sommer

Zwei Container nebeneinender von jeweils 18 Quadratmetern Grundfläche bilden eine Wohneinheit aus zwei Durchgangszimmern mit einem gemeinsamen Zugang sowie einem Bad. Jede Wand ist 8,8 Zentimeter dick, besteht aus einem feuerfesten Kern und Polyesterverkleidung und hat gute Dämmwerte. Decke und Boden sind 11 Zentimeter dick. Dank der Leichtbauweise wiegt jeder Container nur drei Tonnen. Die von einer niederländischen Schiffsbaufirma gefertigten Boxen waren laut einem Bericht der britischen Tageszeitung „The Observer“ ursprünglich als Isolationsstationen für Psychiatriepatienten konstruiert worden, doch schon bald habe man deren Potenzial erkannt, um den Mangel an studentischem Wohnraum zu lindern.

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24.08.2012, 12:00 Uhr

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